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Bienen schwärmen


Feuerwehr auf Bienenfang: Fast täglich mehrere Einsätze

Jedes Jahr von etwa Mai bis Ende Juni verfinstert sich gelegentlich ein Stück vom Himmel und ein tausendfaches Surren und Dröhnen erfüllt die Luft. Für ungeübte Ohren gleicht es fast einer Hubschrauberlandung. Aber es ist nur ein Bienenschwarm, den es aus seinem heimatlichen Bienenstock hinaustreibt. Ein Spektakel, das man nicht vergisst. Lassen sich die Bienen kurz nieder, ruft man am besten die Feuerwehr: 112

Diese schwärmenden Bienen zieht es oftmals in die Stadt. Sie lassen sich an Ästen, Laternen oder auch Fahrrädern nieder. Dann fliegen die Sucherbienen aus, um eine neue Behausung für ihre Königin und ihren Schwarm zu finden. Wer dieses Naturschauspiel beobachtet, wählt jetzt am besten den Notruf. Die Feuerwehr kann die Bienen in diesem Stadium relativ gefahrlos einfangen, um sie später an erfahrene Imker zu übergeben. Auf sich allein gestellt ist die Überlebenschance des Volkes nämlich um ein Vielfaches geringer.

Warum schwärmen Bienen?

Ein Bienenvolk ist immer bestrebt, sich zu vermehren. Im Frühsommer ist das Futterangebot reichhaltig und das Volk zahlenmäßig so angewachsen, dass es im Bienenstock schlicht zu eng wird. Dann setzt bei den Tieren der Schwarmtrieb ein. Mit dem Anwachsen des Bienenvolkes werden ab einem bestimmten Zeitpunkt mehrere Königinnen herangezüchtet. Eine von ihnen wird den alten Stamm übernehmen. Und die bisherige Königin fliegt mit einem großen Teil  ihres Volkes auf und davon. Solch ein Schwarm kann aus bis zu mehreren 10.000 Bienen bestehen. Auf der Suche nach einem neuen Ort für ihren Bienenstock legen die Tiere eine Ruhepause ein und lassen sich an mehr oder weniger geeigneten Plätzen nieder. Sehr häufig kommt dies an den Ästen von Bäumen vor. Aber auch an Mauervorsprüngen, Straßenlaternen, Fahrrädern oder gar an der Mariensäule vor dem Rathaus finden die fleißigen Insekten Gefallen. Von diesem Sammelplatz aus fängt die Suche nach einer festen Behausung an, in der die Tiere ihre Waben bauen können.

Die Bienen sind zu Beginn ihrer Suche meist sehr friedlich. "Wenn sie aber schon länger umherfliegen, dann werden sie durchaus auch aggressiver", sagt Andreas Faltlhauser, Feuerwehrmann auf der Wache 6 und selbst Imker. "Ihnen geht dann auch die mitgeführte Nahrung aus." Die Bienen geraten also unter Druck, schnell eine Behausung zu finden. "Erkennen kann man ihren aggressiveren Zustand an einem sehr hellen Summton", erklärt Faltlhauser. Sein Tipp: Generell eher Abstand halten. Vor allem, wenn man dunkle Farben trägt. "Mit einem großen, dunklen Etwas – in dem Fall Mensch – verbinden die Tiere einen Feind wie den Bären", sagt Fritz Held. Er ist ebenfalls Insektenexperte auf der Wache 6 – allerdings sind sein Spezialgebiet eher die später im Jahr auffällig werdenden Wespen.

Bienen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Wie fängt die Feuerwehr Bienen?

In der Hauptschwärmzeit der Bienen gehen in der Leitstelle der Feuerwehr oft mehrmals täglich Notrufe ein. Je nachdem, wo sich die Tiere niedergelassen haben, rückt dann die Drehleiter oder das Kleinalarmfahrzeug aus. Auf beiden sind spezielle Holzkisten verladen und ein Schutzanzug mit Schleier. "Wenn die Bienen aggressiver sind, kann man sie vorsichtig mit Wasser besprühen. Sie denken dann, dass es regnet und drängen sich enger zu einer Traube zusammen", sagt Faltlhauser. Ziel ist es, so viele Bienen wie möglich in den Holzkasten zu bekommen. Entscheidend dabei ist, dass die Königin unter den gefangenen Tieren ist. Nur dann hat man die Chance, das gesamte ausgeschwärmte Volk einzufangen.

Der Königin kommt eine große Bedeutung zu: Sie sondert einen Duftstoff ab, an dem sich die restlichen Bienen orientieren. Dieser Duft signalisiert allen Angehörigen des ausgeschwärmten Volkes, wo sich die Königin befindet. Deshalb ist es wichtig, dass die Feuerwehr die Königin fängt. Zu ihr will dann auch der Rest des Volkes. Da die Flugtätigkeit der Sucherbienen bis zum Sonnenuntergang andauert, stellt die Feuerwehr den Kasten mit der Königin geschützt am Einsatzort ab. Nach Möglichkeit etwas erhöht und im Schatten.

  • Sollten Sie irgendwo einen Holzkasten stehen sehen, aus dem ein Summen tönt, lassen Sie ihn bitte an Ort und Stelle! Die Einsatzkräfte holen die Kiste gegen Abend ab.

Die gefangenen Bienenvölker werden auf der Feuerwache 7 in Milbertshofen gesammelt. Abends stellt jede Wache ihre Kästen dort ab. Der Imkerkreisverband München koordiniert jedes Jahr die Abholung der Schwärme. Täglich holt ein Imker von einem der im Verband gemeldeten sieben Imkervereine die Bienen ab. Er verteilt die Kästen unter bestimmten Vorgaben und nur gegen Unterschrift an die Kollegen.

Die Bienen sind ohne den Menschen nur sehr selten überlebensfähig. Sie brauchen in der Regel Imker-Hilfe. Ansonsten geht ein Volk oftmals zu Grunde – aufgrund von Futtermangel oder Stress, der sich aus verschiedenen Faktoren zusammensetzt. Einer dieser Faktoren ist zum Beispiel die Varroamilbe, die das Immunsystem der Bienen schwächt.

Falls sie zum Zeugen eines sich niederlassenden Bienenschwarms werden, darf man zwar ruhig ins Schwärmen kommen. Aber danach sollte man dieses spektakuläre Ereignis der Feuerwehr melden. Die Notrufnummer lautet auch hier: 112.