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Was tun bei Wespen?


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Wespennester im Garten oder Haus: Experte gibt Tipps

Wespen bauen ihre Nester gerne an und in Gebäuden. Aus Angst vor den Tieren rufen Betroffene oft bei der Feuerwehr an, obwohl für die Vernichtung von Insekten Kammerjäger und Schädlingsbekämpfer zuständig sind. Die Feuerwehr greift nur in Einzelfällen ein und versucht stets, die Tiere nicht zu töten.

Bei der Berufsfeuerwehr gibt es mehrere Experten, die sich bei Hautflüglern aller Art (Bienen, Wespen, Hummeln, Hornissen) gut auskennen und verunsicherte Bürgerinnen und Bürger gerne informieren. Denn oftmals muss man nur ein paar Dinge beachten und dann ist ein kurzzeitiges Zusammenleben zwischen den Insekten und Menschen durchaus gefahrlos möglich. Im Herbst hat sich das Problem von selbst erledigt: Wespen überwintern als Einzeltiere und geben ihr altes Nest auf, um im Frühjahr ein neues zu gründen. Ein Wespenstaat ist daher kein Nachbar auf Lebenszeit.

Vorzugsweise nisten die Insekten in Rollläden oder Türschlägen. Dagegen kann man aber schon im Vorfeld etwas tun, nämlich Löcher und Ritzen abkleben oder anderweitig verschließen.

Feuerwehr verwendet kein Gift

Christian Voll, Brandinspektor der Feuerwache in Pasing, ist seit 1988 bei der Feuerwehr und seit mehr als 30 Jahren Hobby-Imker. Bei Einsätzen zur Bekämpfung von Insektengefährdungen ist er mit seiner ganzen Erfahrung und Leidenschaft zur Stelle, um Bürgerinnen und Bürger, aber auch die Tiere zu schützen. Wir haben mit ihm über die Gefahren und Verhaltensregeln gesprochen. Christian Voll erklärt, warum man Wespen und Hornissen durchaus ihr Leben lassen sollte, warum die Feuerwehr kein Gift im Einsatz hat und wann die Feuerwehr eingreift.

Naturschutz bei der Feuerwehr  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Christian Voll ist einer der Experten bei der Feuerwehr München, wenn es um ...

Wie wird bei Anrufen unter der Notrufnummer 112 entschieden, ob die Feuerwehr zu einem Wespen-Einsatz ausrückt?

In erster Linie ist der Disponent in der Rettungsleitstelle gefragt, der den Anruf annimmt und im Vorfeld abklärt, um was genau es sich handelt. Geht es um Bienen, Wespen, Hornissen oder Hummeln? Ist es im Privatbereich? Befindet sich das Nest in einem Rollladenkasten? Es geht darum so viele Informationen, wie möglich zu erhalten, damit den Anruferinnen und Anrufern eine nachvollziehbare und zufriedenstellende Lösung angeboten werden kann. Gegebenenfalls wird auch an einen Kammerjäger verwiesen. Im Branchenbuch von München sind zahlreiche Kontaktadressen von Firmen zu finden, die in nahezu jedem Fall weiterhelfen können.
Es gibt keine konkreten Kriterien, die zu einem Einsatz für die Feuerwehr führen. In der Regel rücken wir aus, wenn der Kammerjäger nicht weiterkommt, oder ein Kindergarten, eine Schule oder ein anderer öffentlicher Ort betroffen ist.
 

Welche Gefahren gehen von Wespen aus?

Wespennester haben einen Hoheitsbereich von rund drei Metern. Gerade durch Erschütterungen innerhalb dieses Bereiches muss man mit Angriffen von Wespen rechnen.

Ist jemand gegen Wespenstiche allergisch, kann es gefährlich werden. Es ist nicht das Insektengift als solches, das für den Menschen gefährlich ist. Das alte Märchen „Drei Hornissenstiche töten einen Menschen, neun ein Pferd“ ist absoluter Aberglaube. Es genügt unter Umständen ein Stich und dann kommt es zum Schock. In der Folge kommt es zu einer allergischen Reaktion und der Vorfall endet meist im Krankenhaus. Das muss aber nicht passieren.
 

In welchen Fällen sollte die Feuerwehr gerufen werden?

Ich persönlich habe mehrere Einsätze mit Nestern gehabt, bei denen es wirklich gefährlich war: Ein Nest war zum Beispiel in einer Dachgaube angelegt. Die Tiere hatten sich durch die Innenverkleidung des Gebäudes durchgefressen. Die Betroffenen hatten daher jede Nacht etwa 200 bis 300 Wespen im Kinderzimmer. Das Zimmer war nicht mehr benutzbar und der Kammerjäger hatte selbst keine Möglichkeit das Problem zu bekämpfen. Er hat dann die Feuerwehr alarmiert. Am Einsatzort eingetroffen, haben wir dann das Wespennest entfernt, nachdem wir zusammen mit einer Fachfirma die Dachgaube geöffnet hatten.

Ein weiteres Nest war in einem Fehlboden über dem Schlafzimmer einer Familie aus München. Die Tiere haben sich durch die Bretter durchgebissen. Auch hier sind in der Nacht die Wespen umhergeflogen. Wir haben die Dielen aufbrechen müssen und haben das Nest dann aber giftfrei entfernen können.

In diesen Fällen war die Tierart nicht gesondert geschützt, aber die Gefährdung so hoch, dass die Feuerwehr tätig werden musste. Zu berücksichtigen ist immer, dass die Feuerwehr sich nicht zu weit in das Terrain der Kammerjäger und Schädlingsbekämpfer einmischt, ansonsten sind hier auch Arbeitsplätze in Gefahr. Die Feuerwehr verfolgt öffentlich-rechtliche Aufgaben und ist vorwiegend für vordefinierte Notsituationen da.
 

Wie schaffen es die Tiere, sich durch Holz zu beißen, und was kann man vorbeugend unternehmen, damit die Wespen erst gar nicht ins Haus eindringen?

Die Königinnen wachen im Frühjahr aus dem Winterschlaf auf und machen sich auf die Suche nach einem geeigneten Nistplatz. Deshalb sollte man kurz vor dieser Zeit Ritzen und Fugen in Fassadenverkleidungen und Rollladenkästen abdichten und den Flugbetrieb vor der eigenen Haustür beobachten.

Ende März bis Ende April sind alle Wespen, die man sieht, Weibchen beziehungsweise Königinnen. Wenn man es schafft, diesen keine Möglichkeiten zum Einnisten zu bieten, kann man schon viel erreichen. Stellen, an denen man kein Nest haben möchte, sollte man den Tieren so wenig wie möglich schmackhaft machen und praktisch verbauen. Klebeband reicht hierfür völlig aus. Zusätzlich sollten Geräteschuppen und Gartenhäuser regelmäßig kontrolliert werden.

Der Nestbau beginnt mit einem ganz kleinen Schirmchen aus papierartiger Zellulose. Dieser hat zu Anfang nur die Größe eines Tischtennisballs. Wenn man diese Nester entfernt, hat die Königin noch eine Chance sich einen anderen Platz zu suchen. Sie zieht um und baut an anderer Stelle ein neues Nest.

Im August sieht die Lage schon kritischer aus. Meistens rufen Bürger erst an, wenn sie durch den hohen Flugbetrieb mit 100 wenn nicht 1000 Wespen das Nest entdeckt haben. Es ist jedoch nicht so, dass der Schwarm innerhalb eines Tages eingezogen ist, sondern er bewohnt das Terrain dann schon eine ganze Weile.

Wabe mit Bienen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Bienenwabe

Wie können die Betroffenen von der Belästigung durch die Insekten befreit werden?

Früher wurde grundsätzlich alles mit Gift niedergemacht. Zum Glück ist dies heute nicht mehr der Fall. Zum einen war es für uns Feuerwehrleute nicht gesund, täglich mit den Giften zu arbeiten. Ein Gift ist nun mal ein Gift. Wenn ein Insekt mit der Substanz besprüht wird und nach fünf Zentimetern bereits zu Boden geht, kann das auch nicht gut für den Organismus des Menschen sein.

Zum anderen sollte man nicht grundsätzlich alles vernichten. Wespen zum Beispiel haben zwar keinen primären Nutzen für den Menschen, haben aber ihren Sinn in unserem Ökosystem und halten es im Gleichgewicht. Sie produzieren zwar keinen Honig, sind aber Fleischfresser und ernähren sich von Blattläusen, Raupen, Fliegen und anderen Insekten. Hierdurch kann der Bestand von anderen Schädlingen auf natürliche Art und Weise niedrig gehalten werden.

Das Wespenaufkommen ist zusätzlich jedes Jahr unterschiedlich. Zum Beispiel gibt es wespenstarke Jahre, in denen viele Königinnen überwintern. Ist dies der Fall, hat man nahezu überall Wespen. Wenn man dann ein Nest vernichtet, kommen die Tiere einfach von woanders her.

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Hornissen sind eine geschützte Wespenart.

Sind Einsätze aufgrund ganzer Nester aktuell der Regelfall, wenn Bürgerinnen und Bürger bei der Feuerwehr anrufen?

Nein, die meisten Probleme haben die Bürgerinnen und Bürger mit einzelnen "Brummern“ in der Wohnung. Hornissen beispielsweise sind zusätzlich nachtaktiv. Wenn die Bürger bei heißen Temperaturen nachts lüften und innen das Licht eingeschaltet haben, fliegen die Hornissen – wie andere Insekten auch – zur Lichtquelle. Mein Tipp: Bringen sie Fliegengitter an den Fenstern an. Diese sind in jedem Baumarkt kostengünstig erhältlich und leicht zu montieren. Dadurch kann man das Einfliegen von Hornissen in der Nacht gut verhindern.
 

Wie sollte ich mich verhalten, wenn ich dennoch eine Hornisse in meinem Schlafzimmer entdecke?

Das Beste wäre ein Glas über das Tier zu setzen, ein Stück Papier unterzuschieben und das Insekt draußen wieder in die Freiheit zu entlassen. Gerade Hornissen sind in der Regel friedlich und sich ihrer Stärke bewusst. Man könnte sogar seine Hand vor ein Einflugloch eines Hornissennestes halten und die Tiere würden einfach über die Hand in das Nest krabbeln. Sie ignorieren den Menschen meistens.

Anders ist es bei klassischen Wespen. Diese fliegen zumeist richtige Attacken, um den Störenfried loszuwerden. Sie reagieren auf Bewegungen, Erschütterungen und die Atemluft des Menschen. Die Insekten wissen um die Schwachstellen an den Atemwegen. In der Nähe der Atemwege kommt es daher häufig zu Stichen. Hier bestehen auch die größten Gefahren für Allergiker, wenn die Atemwege aufgrund der starken allergischen Reaktion zuschwellen.

Welche Wespenarten sind besonders geschützt und dürfen nicht vernichtet werden?

Die besonders geschützten Wespenarten sind zum Beispiel die Hornisse und die mittlere Wespe. Hornissen bauen erdfarbene, bräunliche Nester. Die mittlere Wespe hingegen, die als kleine Hornisse angesehen wird, baut gräuliche Nester frei in Büschen.

Die gemeine deutsche Wespe, die am häufigsten vertreten ist, baut gräuliche Nester an und in Gebäuden und ist nicht geschützt.
 

Wie geht die Feuerwehr vor, wenn ein Nest beseitigt werden muss?

Zunächst führt die Feuerwehr mit den Betroffenen ein Beratungsgespräch vor Ort und klärt über die Tiere auf. Die größte Angst entsteht bei den Bürgerinnen und Bürgern durch Unwissenheit. Sie kennen sich nicht aus, sehen eine große Kugel aus der ein großer Schwarm herausfliegt und wissen nicht, was zu tun ist. Wir erklären dann, dass ein Nest einen Hoheitsbereich hat, dass die Tiere auch nützlich sind und dass ein Wespennest grundsätzlich nur einjährig ist. Das Nest geht mit Beginn der Frostperiode zugrunde. Im Herbst fliegen von diesen Nestern junge Königinnen aus, die dann wieder als Einzeltiere überwintern und im Frühjahr wieder ein neues Nest gründen.

Es geht in diesem Abschnitt darum, den Leuten die Biologie nahezubringen. Viele sagen dann „Oh ja, das haben wir gar nicht gewusst“ und erfreuen sich sogar möglicherweise daran, dass sie ein Nest im Garten haben. Mit einem gewissen Abstand kann man die Tiere und ihr Treiben gut beobachten, wenn einem die Angst einmal genommen ist. Damit ist schon viel gewonnen. Rund 98 Prozent der Nester können deshalb vor Ort verbleiben und stellen keine Gefahr dar.

In Grenzsituationen, wenn zum Beispiel ein Balkon den gesamten Sommer über nicht mehr genutzt werden kann oder wenn es zu Stichen gekommen ist, vor allem in Kindergärten, Schulen, öffentlichen Gebäuden, wird die Feuerwehr gegebenenfalls tätig und versucht so viele Nester wie möglich umzusiedeln und umzusetzen. Das Umsetzen stellt allerdings einen riesigen Zeitaufwand dar. Ein Hornissennest umzusetzen dauert mindestens drei bis fünf Stunden.

Bei der klassischen Wespe rechtfertigt dies den Zeitaufwand nicht. Diese Nester werden meistens vernichtet, wenn man sie nicht am Ort belassen kann.

Bei der Umsetzaktion selbst werden die Tiere vom Flugloch weg mit einer speziellen Vorrichtung abgesaugt. Je nach Zustand des Nestes wird dann versucht es umzusetzen. Die einzelnen Segmente werden abgebaut und in einem Wespenkasten an einem anderen Ort genau so wieder aufgebaut. Wichtig ist hierbei, dass die Königin auch dabei ist. Wir versuchen auch immer, die Königin zuerst aus dem Nest zu entnehmen und zum Schutz in einem eigenen Käfig zu belassen, damit sie bei der Umsetzaktion weder verletzt, noch verloren geht. Die abgesaugten Tiere werden kurz mit Kohlendioxid betäubt und anschließend in den Wespenkasten geschüttet. Wir legen dann immer noch einen Apfel dazu, damit die Tiere es leichter haben, wieder auf die Beine zu kommen. Über Nacht wird der Kasten im kühlen Keller gelagert, damit der Betrieb wieder aufgenommen werden kann. Am nächsten Tag stellen wir den Kasten draußen auf dem Gelände der Feuerwache auf und die Tiere fliegen wieder munter drauf los. Dieses Verfahren klappt hervorragend.

(Yannick Monnot)