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Die Sanitätseinsatzleitung


Die Sanitätseinsatzleitung kommt bei größeren Schadenslagen unterhalb der Katastrophenschwelle zum Einsatz. Sie ist die höchste Führungsebene im Rettungsdienst und besteht aus dem Leitenden Notarzt und dem Organisatorischen Leiter. Letzterer unterstützt den Leitenden Notarzt bei der Erfüllung seiner medizinischen Aufgaben, insbesondere in dem er ihm die erforderlichen Ressourcen für Behandlung und Patiententransport bereitstellt.

Leitende Notärzte und Organisatorische Einsatzleiter

Zu den besonderen Aufgaben der Sanitätseinsatzleitung gehören die Lageerkundung aus medizinischer Sicht und die Koordination des Rettungsdienstes mit den Kräften des Sanitäts- und Betreuungsdienstes. Im Einzelnen werden betrachtet:

  • Art des Schadens
  • Art der Verletzungen/ Erkrankungen/ Betroffenheit
  • Anzahl der Verletzten/ Erkrankten/ Betroffenen
  • Intensität/ Ausmaß der Schädigung
  • Zusatzgefahren für die Patienten
  • Entwicklung der Schadenslage
  • Notwendige Befreiung aus Zwangslagen
  • Eingesetzten Kräfte und Einheiten des Rettungs-/ Sanitätsdienstes
  • Vorhandene Material (Verbrauchsmaterial, Medikamente, Geräte)
  • Vorhandene Transportkapazität

Für den Rettungsdienst München sind zurzeit 19 Leitende Notärzte und mehr als 40 Organisatorische Einsatzleiter bestellt.

Neben den gesetzlichen Voraussetzungen für eine Bewerbung zum Leitenden Notarzt müssen zudem auch folgende Merkmale erfüllt sein:

  • Anerkennung als Fachärztin/ Facharzt mit Bezug zur Intensivmedizin
  • Führungssimulationstraining bei der Berufsfeuerwehr München; Kenntnis der ortsspezifischen Einsatzpläne für einen Massenanfall von Verletzten
  • Hauptarbeitsfeld in einer Klinik in leitender Position mit Notarztdiensten (Boden- und gegebenenfalls Luftrettung)
  • Schriftliche Einverständniserklärung der Klinik, dass der Bewerber, wenn er dienstplanmäßig als Leitender Notarzt eingeteilt ist, im Alarmierungsfall auch während seiner Klinikschichten freigestellt wird.

Für das Bewerbungsverfahren ist der Rettungszweckverband zuständig.

First Responder

First Responder gibt es in der Stadt München und im Landkreis München.

Ein First-Responder ist das Bindemitglied zwischen Ersthelfern (Laien) und dem Rettungsdienst. Seit 1994 werden First Responder in Deutschland eingesetzt. Für die Ausbildung müssen Personen mindestens 18 Jahre alt sowie geistig, körperlich und gesundheitlich dazu geeignet sein. Für die Ausbildung im Landkreis München sind 72 Unterrichtseinheiten in Theorie und Praxis vorgesehen und zusätzlich acht Unterrichtseinheiten für Erstdefibrillation.

In den vergangenen Jahren haben sich immer mehr Initiativen gegründet, die auf örtlicher Ebene vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes organisiert Erste Hilfe leisten. Ziel der Initiativen ist es die Zeit zwischen dem Eintreten des Notfalls und der ersten medizinischen Versorgung zu verkürzen. In der Regel sind Mitglieder von Hilfsorganisationen und Feuerwehren als First Responder oder "Helfer vor Ort" tätig.


Die organisierte Hilfe ist allerdings kein Ersatz oder Bestandteil des öffentlichen Rettungsdienstes. Sie dient nur der Unterstützung und darf keine dem öffentlichen Rettungsdienst vorbehaltenen, genehmigungspflichtigen Maßnahmen vornehmen. Das bedeutet: Beim Eintreffen des Rettungsdienstes/ Notarztdienstes haben Ersthelfergruppen hilfebedürftige Personen an die Einsatzkräfte des öffentlichen Rettungsdienstes zu übergeben und diese über die geleisteten Maßnahmen der Ersten Hilfe zu informieren. Soweit es erforderlich ist, unterstützen die Ersthelferinnen oder Ersthelfer die Einsatzkräfte des Rettungsdienstes und die Notärztin oder den Notarzt nach deren Anleitung. Ein Transport von Patientinnen oder Patienten durch Ersthelfergruppen ist grundsätzlich unzulässig. Dieser ist dem öffentlichen Rettungsdienst vorbehalten und grundsätzlich genehmigungspflichtig.

Der Tätigkeit der Ersthelferinnen/ Ersthelfer soll grundsätzlich auf folgende medizinische Hilfeleistungen beschränkt werden:
• Beurteilung der Vitalfunktion
• Behandlung von Vitalfunktionsstörungen
• Sonstige Erste-Hilfe-Maßnahmen

Daneben können im Zusammenhang mit der medizinischen Hilfeleistung stehende organisatorische Maßnahmen (wie das Absichern der Einsatzteile, qualifizierte Rückmeldung an die Integrierte Leitstelle, Transport einer Rettungshubschrauberbesatzung zur Einsatzstelle) durchgeführt werden.

Die Alarmierung einer Ersthelfergruppe ist nur sinnvoll, wenn dadurch ein medizinisch relevanter Zeitvorteil bis zum Eintreffen des gleichzeitig alarmierten öffentlichen Rettungsdienstes erreicht werden kann. Die planerische Festlegung, in welchen Fällen und welchen Regionen des Rettungsdienstbereichs ein medizinisch relevanter Zeitvorteil zu erwarten ist, erfolgt durch den Zweckverband für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung im Rahmen der Alarmierungsplanung. Auf dieser Grundlage entscheidet die Integrierte Leitstelle unter Berücksichtigung des Meldebildes und der konkreten Umstände des Einzelfalls über den Einsatz der Ersthelfergruppe.

Bei Notfalleinsätzen wie Atemstillstand oder bewusstlose/ leblose Personen setzt die Feuerwehr München ihre Hilfeleistungslöschfahrzeuge (HLF) im Stadtgebiet als First Responder ein.

Sonderbedarf bei Großschadenslagen

Bei Großschadenslagen, die mit den als notwendig festgelegten Mitteln der rettungsdienstlichen Regelvorhaltung nicht bewältigt werden können, wird auf zusätzliche Einheiten zur Unterstützung des Rettungsdienstes zurückgegriffen. Diese werden als sogenannter "Sonderbedarf" von den Durchführenden des Rettungsdienstes vorgehalten. Das zusätzliche Leistungspotential ist unter anderem Eignungsvoraussetzung für die Teilnahme am Rettungsdienst und daher im Rahmen des Auswahlverfahrens zu berücksichtigen. Im Rettungsdienstbereich München gibt es bereits ein Kontingent an Sonderbedarfsfahrzeugen inklusiv der personellen Vorhaltung. Bei zukünftigen Auswahlverfahren wird dieses gegebenenfalls noch weiter vervollständigt.

Großveranstaltungen

Bei Großveranstaltungen überprüft der Rettungszweckverband München eine Vorhalteerhöhung im öffentlichen Rettungsdienst für die Stadt München und den Landkreis München. Dabei werden gegebenenfalls mehr Rettungsfahrzeuge und Notärzte für die Veranstaltungen einsatzbereit vorgehalten. 
 
Jedes Jahr werden daher beispielsweise bei Großveranstaltungen  die Vorhaltungen an Silvester und Oktoberfest ergänzt durch zusätzliche Rettungsmittel. Der Veranstalter ist verantwortlich für die Organisation eines Sanitätsdienstes auf dem Veranstaltungsgelände. Hierzu werden besondere Auflagen durch die Stadt München formuliert.