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Grüne Wellen


Ampel mit 'Grüner Welle' - Foto: KVR  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© KVR

Das Kreisverwaltungsreferat der Landeshauptstadt München ist seit jeher daran interessiert, Lichtzeichenanlagen (LZA oder auch Ampel genannt) innerhalb eines Streckenzuges zu einer sogenannten "Grünen Welle" zusammenzufassen. Dabei sind allerdings etliche Rahmenbedingungen zu beachten. Bitte informieren Sie sich:

Wirkungsweise der Grünen Welle

Die aufeinanderfolgenden Ampeln einer Straße sind so geschaltet, dass sie ein PKW in einem Zug passieren kann, ohne anhalten zu müssen. Er hat also immer Grün, während der Verkehr aus den kreuzenden Straßen jeweils Rot hat.
Eine solche Grüne Welle ist natürlich auch in der Gegenrichtung möglich.
Schwieriger wird es, wenn man versucht, beide Richtungen - also Hin- und Rückrichtung - gleichzeitig als Grüne Welle zu schalten. Dazu müsste das Münchner Straßennetz aussehen, wie ein großes Schachbrett. Die Abstände zwischen den Kreuzungen müssten - bei Tempo 50 und einem 90 Sekunden Umlauf - entsprechend dem Weg-Zeit-Diagramm jeweils exakt 625 Meter betragen. Warum das so ist? Lesen Sie weiter!

Umlauf mit 2 Phasen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Ampelumlauf mit 2 Phasen

Informationen zur Umlaufzeit und Aufteilung der Grünzeiten

In einem Umlauf muss den vorhandenen Verkehrsgruppen jeweils einmal eine Freigabezeit (also Grün) angeboten werden.

Als Umlauf wird zweckdienlicher Weise die Dauer von Grünbeginn einer bestimmten Richtung über Gründauer und sogenannte Schutzzeiten (Nicht-Grün-Zeiten) bis zum neuen Grünbeginn bezeichnet. Die Umlaufzeit (auch: Umlaufdauer) richtet sich nach dem Verkehrsaufkommen. Zum Beispiel kann standardmäßig bei viel Verkehr die Umlaufzeit 90 Sekunden betragen oder bei schwachem Verkehrsaufkommen nur 60 Sekunden. Bei modernen verkehrsabhängigen Ampeln kann die Verkehrsmenge auch die Gründauer bestimmen.

Zeit-Weg-Diagramm  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Zeit-Weg-Diagramm

Das Zeit-Weg-Diagramm

Aus der erlaubten Geschwindigkeit und der festgelegten Umlaufdauer einer Ampelschaltung lässt sich der ideale Abstand für eine Grüne Welle in Hin- und Gegenrichtung berechnen.

Die Grafik erklärt, dass bei einer Umlaufdauer von t = 90 Sekunden und einer Geschwindigkeit von v = 50 km/h der ideale Abstand zwischen den Lichtzeichenanlagen 625 m beträgt.

Grüne Welle gleichzeitig  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Die ideale Grüne Welle von links und rechts gleichzeitig

Die Ampelabstände sind sehr wichtig

Das Münchner Straßennetz ist über Jahrhunderte historisch gewachsen - von einer quadratischen Anordnung der Straßen mit festgelegtem Abstand also keine Rede sein kann - und deshalb ist eine gleichzeitige Grüne Welle in beiden Richtungen nicht möglich.
Aus diesem Grund hat man in München folgenden Kompromiss gefunden: Die Bevorzugung wechselt sich regelmäßig ab! Morgens ist die Grüne Welle stadteinwärts geschaltet, abends stadtauswärts. Wer genau entgegengesetzt zu dieser Regelung pendelt, kann die Vorzüge der Grünen Welle nicht nutzen.

Natürlich reicht es nicht aus, einen einzigen Straßenzug in der einer oder anderen Richtung zu koordinieren: Wie anhand der Grafik zu erkennen ist, verkompliziert sich die Frage, wer wann den Vorzug einer Grünen Welle haben kann, in einem komplexen Straßennetz um ein Vielfaches. Es kann nicht nur 'Sieger' geben.

Wichtig ist, dass die jeweils in Gegenrichtung fahrenden Verkehrsteilnehmer (leider) nicht nur keine Verbesserung ihrer Koordinierung erfahren, sondern mitunter sogar eine Verschlechterung hinnehmen müssen. Aufgrund der Grünen Welle!

Im Klartext: Will man durch eine Grüne Welle eine Verbesserung des Verkehrsflusses in eine bestimmte Richtung erreichen, provoziert man unter Umständen gleichzeitig eine Verschlechterung in der jeweiligen Gegenrichtung. Dieser Effekt wird umso stärker, je dichter das Ampelnetz wird.

Grüne Welle einseitig  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Grüne Welle von links und der Gegenverkehr muss warten

Diese Grafik verdeutlicht, dass die Grüne Welle in eine Richtung (in diesem Fall von links nach rechts) durchaus möglich ist. Nicht aber gleichzeitig in Gegenrichtung: Der Fahrzeugstrom, der von rechts kommt, wird an jeder Ampel zum Warten gezwungen. Von einer Grünen Welle in dieser Fahrtrichtung kann keine Rede sein. Diese physikalische Konsequenz kann man nicht aus den Angeln heben - durch keine auch nach so raffinierte Änderung der Ampelschaltung.

Quadratische Straßenstruktur  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Quadratisches Straßennetz

Welche Richtung soll denn nun bevorzugt die Grüne Welle erhalten? Und was ist mit der anderen Richtung? Und welchen Einfluss haben die Links- oder Rechtsabbieger?
 

Forderungen aus der Bevölkerung

Zudem gibt es eine Reihe von Forderungen aus der Bevölkerung, aber auch gesetzlich vorgeschriebene Sicherheitsbeschränkungen, die einer optimal ausgereizten Grünen Welle entgegenwirken. Hier ein paar Beispiele.

Fußgänger Grün-Gehen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Grün für Fußgänger
© KVR

Wir Fußgänger wollen länger Grün bekommen. Alte Leute trauen sich sonst nicht über die Straße.

Fußgängerfurten über mehrspurige Hauptstraßen bewirken, dass lange Grünzeiten für die Fußgänger zum sicheren Überqueren der Fahrbahn eingeplant werden müssen. Da pro 90-Sekunden-Umlaufzeit aber nur eine bestimmte Grünzeit vorhanden ist, bedeuten längere Grünzeiten für Fußgänger über die breite Straße zwangsläufig kürzere Grünzeiten für die Grüne Welle des Fahrverkehrs.

Die Forderungen der Fußgänger sind ein Problem für die Grüne Welle.
Die Grünzeiten für Fußgänger können nicht beliebig gekürzt werden - im Gegenteil: Regelmäßig kommen Forderungen aus der Bevölkerung, die Grünzeiten für Fußgänger zu verlängern. Dies begünstigt die Fußgänger, behindert eine Grüne Welle jedoch noch mehr.

Mindestgrün für Fußgänger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Das Mindestgrün für Fußgänger
Derzeitige Situation: Die Mindestgrünzeit für Fußgänger zum Queren der Straße muss bis zur Hälfte der gegenüberliegenden Fahrbahn ausreichen. Den Rest übernimmt die Räumzeit des Fußgängers.

Maximalgrün für Fußgänger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Forderungen der Fußgänger
Ein oft geäußerte Forderung der Fußgänger ist: Die Mindestgrünzeit für Fußgänger muss für den kompletten Weg über die Fußgängerfurt ausreichen.

Lange Querungszeit für Fußgänger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Viel Grün für die Fußgänger - aber nicht für die Grüne Welle

Queren einer breiten Straße
Breite Straßen sind auch der Grund für die langen Grünphasen der oft wenig belasteten Nebenrichtungen. Nicht die wartenden Fahrzeuge, sondern die querenden Fußgänger werden bei der Ermittlung des Zeitbedarfes der Nebenrichtung maßgeblich. Dadurch geht der Grünen Welle der Hauptrichtung kostbare Zeit verloren. Konsequenz: Die Grüne Welle muss eher abgebrochen werden.

Wenig Verkehr in der Nebenrichtung - TROTZDEM LANGE GRÜN - wegen der Fußgänger, welche die breite Straße in einem Umlauf queren wollen. Diese Grünzeit fehlt der Grünen Welle der Hauptrichtung.

Linksabbieger  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Linksabbieger hat viel Gegenverkehr
© KVR

Der Gegenverkehr ist immer so stark! Als Linksabbieger muss man lange warten, ehe man endlich fahren kann!

Ist am Knoten aufgrund der größten Anzahl der Linksabbieger eine sichere, d.h. eigene Signalisierung der Linksabbieger (ohne Gegenverkehr) notwendig, so bedeutet dies, dass eine zusätzliche Phase geschaltet werden muss. Die Situation für die Linksabbieger verbessert sich spürbar. Nachteil: Die Grünzeit für die Grüne Welle innerhalb eines Umlaufes wird reduziert. Die Grüne Welle muss eher abgebrochen werden.

Umlauf mit 3 Phasen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Zusätzliche Grünphase für Linksabbieger

Die Grünphase für den Linksabbieger
Wenn ein starker Linksabbiegestrom eine eigene Signalisierung erhält, erhält er damit automatisch auch eine eigene Grünphase.

Diese Grünphase muss in der Umlaufzeit enthalten sein.
Die Dauer der Grünphase kann unterschiedlich lang sein. Der Linksabbieger kann vor oder nach der Hauptrichtung seine eigene Grünphase erhalten. Diese Grünphase bewirkt einen früheren Abbruch der Grünen Welle.

Priorität für Bus und Tram  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Bus und Tram haben Priorität
© KVR

Wir wollen, dass Bus und Straßenbahn pünktlich kommen!

Ein sicherer 10-Minutentakt der Busse ist nicht allein Ergebnis des fahrerischen Könnens der Busfahrer, sondern es wird mit modernster Technik nachgeholfen.

Müsste ein Bus an jeder Ampel stehen bleiben, käme er oft unpünktlich. Aus diesem Grund kommuniziert der Bus während der Fahrt über Funk mit den entsprechenden Ampeln und erreicht, dass die jeweilige Ampel - wie durch Zauberei - bei Eintreffen des Busses Grün hat. Das ist schön für die Fahrgäste - aber unter Umständen nachteilig für die Grüne Welle.

Denn der Beschleunigung für den öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) wird nach Münchner Verkehrspolitik eine höhere Priorität eingeräumt, als der Grüne Welle des Individualverkehrs. Das bedeutet in der Praxis: Jedes Mal, wenn sich die Ampel zwischen Busbeschleunigung und Grüner Welle für den Individualverkehr "entscheiden" muss, "bevorzugt" sie gemäß ihrer Programmierung die Busbeschleunigung. Umsteigen auf ÖPNV lohnt sich also tatsächlich!

Mehr Informationen:

Viele Forderungen bedingen Kompromisse.

Und so gibt es viele weitere Forderungen der Verkehrsteilnehmer, die - für sich selbst gesehen - gut und nachvollziehbar sind. In ihrer Gesamtheit gesehen schließen sie sich jedoch sehr oft gegenseitig aus. Die Lösung kann - wie so oft - nur ein Kompromiss sein, der versucht, den Ansprüchen aller in vertretbarem Rahmen gerecht zu werden. Vieles, was technisch zwar möglich ist, muss aus Gleichbehandlungsgrundsätzen beschränkt werden. Dazu zählt auch die Grüne Welle.

Der Beschluss des Stadtrates zur Grünen Welle

Die Beschlusslage des Stadtrates zur Grünen Welle in München enthält der Beschluss vom 17.07.2007 des Kreisverwaltungsausschusses zur "Grünen Welle in München" (Vorlagen-Nummer: 02-08 / V 10416).

Sie finden den Beschluss im Internet unter: