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Bridge Sprout


Illustration einer Holzbrücke über die Isar, die nach wenigen Metern über dem Wasser endet.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Atelier Bow-Wow, Foto: Christoph Knoch

Kunstprojekt von Atelier Bow-Wow im Stadtraum

Ein hölzerner Brückenkopf über die Isar an der Schwindinsel. Ab August 2020.

Atelier Bow-Wow hat das Projekt „Bridge Sprout“, auf deutsch „Brücken Spross“ für die Münchnerinnen und Münchner und ihren Fluss entwickelt, um eine neue Erfahrung im öffentlichen Raum zu ermöglichen. Gegenüber einer der beschaulichsten Flussinseln, der Schwindinsel, wird ab August 2020 ein hölzerner Brückenkopf über die kleine Isar ragen. Er erreicht das Ufer der Schwindinsel aber nicht, sondern bricht jäh auf halber Höhe ab. Auf der Seite der Schwindinsel wird diese gedankliche Linie in Form einer Holzplattform fortgeführt, die sich behutsam und respektvoll in das Naturschutzgebiet der Schwindinsel einfügt.

Die temporäre Installation orientiert sich in ihrer Anmutung und Materialität an traditionellen Holzbrücken in den Alpen und macht – teilweise begehbar - den Luftraum zwischen Westufer und Schwindinsel völlig neu erfahrbar. Dabei bezieht sie sich auch auf die Tradition der Flößerei in München, und die alte Symbiose zwischen dem Fluss Isar und dem Material Holz.

Das Projekt versteht sich auch im japanischen Sinne als eine Verbeugung vor der Natur. Der Natur der Schwindinsel wird respektvoll begegnet, mithilfe einer künstlerischen Intervention im öffentlichen Raum, die den Inselcharakter betont, aber nicht antastet.

Das Unvollendete an dieser Brücke ist dafür maßgeblich. Beim Betreten des Brückenkopfes stellt sich ein Sehnsuchtsmoment ein, das nicht erfüllt wird. „Bridge Sprout“ verbindet damit Architektur und konzeptionelle Installation im öffentlichen Raum, die an die romantische Tradition der Ruine anknüpft.

Es geht Atelier Bow-Wow darum, neue Perspektiven durch eine neue Erfahrung von Raum zu ermöglichen. Die ungewöhnliche, einzigartige Architektur eines begehbaren Brückenteils im freien Luftraum über der Isar schafft Weite und die Imagination neuer gedanklicher Räume.

Neues Format der Kunst im öffentlichen Raum in München

Der Vorschlag „Bridge Sprout“ ging aus einem neuen Format der Kunst im öffentlichen Raum in München hervor, der „Carte Blanche“. Der Programmbeirat wählte unter einer Reihe von Vorschlägen eine künstlerische Position von internationalem Rang aus, die die Chance erhalten soll, ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum Münchens mit einem Finanzrahmen von 250.000 € frei von Wettbewerbsdruck zu realisieren. Das Atelier Bow-Wow erarbeitete das Konzept „Bridge Sprout“ in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat und dem Münchner Architekten Hannes Rössler.

„Die Isar ist ein wichtiger Ort für die Münchnerinnen und Münchner. Daher drehen sich viele Überlegungen zur Stadtentwicklung auch um den Stadtfluss. Er trennt Viertel und ermöglicht gleichzeitig Begegnungen. Die Isar steht für Natur, Erholung, Muße – und für Großstadt, wenn man sieht, wie viele Menschen sich dort aufhalten. Bow-Wow nimmt alle diese Aspekte künstlerisch auf und ermöglicht uns eine neue Perspektive auf die Isar als einzigartigen urbanen Raum“, so Kulturreferent Anton Biebl.

Atelier Bow-Wow

Atelier Bow-Wow zählt zu den renommiertesten japanischen Architekturbüros. Es wurde 1992 durch Yoshiharu Tsukamoto und Momoyo Kaijima gegründet und nahm sich die dichte Bebauung der Städte Japans als Ausgangspunkt. So erregten sie international Aufsehen mit außergewöhnlichen Gebäuden, die sie für sehr kleine und oft verschachtelte Grundstücke konzipierten. Ihr Werk umfasst mehr als 40 Wohnhäuser, öffentliche Bauten sowie zahlreiche Installationen, die im Kontext von Ausstellungen und Biennalen (z. B. die Architekturbiennale von Venedig oder die São Paulo Biennale) entstanden sind. Zudem sind ihre städtebaulichen Analysen, theoretischen Schriften und akademische Forschung wesentlich. Ein Grundzug ihrer Arbeiten ist die Verbindung von ethnologischem Wissen vor Ort mit einer innovativen Architektursprache, um neue Formen des Zusammenlebens zu erarbeiten. Momoyo Kaijima ist Professorin an der ETH Zürich, Yoshiharu Tsukamoto am Tokyo Institute of Technology.

Drei Beispiele umreißen die Vielseitigkeit dieses Büros: In Linz errichteten sie den „Linz Super Branch“, eine spektakuläre Stegarchitektur über den Dächern des OK (Offenes Kulturhaus Oberösterreich), das Plattformen für Kunstinstallationen, Kino- und Theaterperformances bildet und in den Kirchturm einer benachbarten Kirche hineinragt. Das BMW Guggenheim Lab in New York, eine dreimonatige temporäre Architektur, diente 2011 in New York als Forum, um Probleme und Herausforderungen des städtischen Lebens zu thematisieren. In München wurde gemeinsam mit Hannes Rössler das Studentenwohnheim „Reserl“ an der Brudermühlstraße erbaut und 2017 eröffnet. Es nimmt münchnerische und japanische Stilelemente in sich auf.