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Bridge Sprout


Illustration einer Brücke über die Isar, die links und recht jeweils nach wenigen Metern endet.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Atelier Bow Wow

Internationales Kunstprojekt im Stadtraum: „Bridge Sprout“ von Atelier Bow Wow

In seiner Sitzung am 19. September 2019 beschloss der Kulturausschuss, das Kunstprojekt im öffentlichen Raum „Bridge Sprout“ des international renommierten japanischen Architekturbüros Atelier Bow Wow, Tokio, zu realisieren.

Das eigens für München entwickelte Konzept sieht vor, frühestens im Sommer 2020 temporär zwei Brückenköpfe im Sinne einer unvollendeten Brücke auf der westlichen Seite der Isar – auf Höhe der Gewürzmühlstraße – und gegenüber auf der Schwindinsel zu errichten.

Atelier Bow Wow nimmt dabei das lokale handwerkliche traditionelle Wissen auf, um es mit ihrer eigenen Formensprache zu verbinden. Die Brückenköpfe orientieren sich in ihrer Anmutung und Materialität an traditionellen Holzbrücken in den Alpen und machen – teilweise begehbar - den Luftraum zwischen Westufer und Schwindinsel völlig neu erfahrbar. Dabei beziehen sie sich auch auf die Tradition der Flößerei in München, und die alte Symbiose zwischen dem Fluss Isar und dem Material Holz.

Das japanische Architekturbüro erwählte die Schwindinsel, da sie ein besonderer, unentdeckter Naturraum in der Großstadt ist. „Bridge Sprout“ versteht sich als Projekt für den Naturraum der Schwindinsel, keineswegs als Störfaktor – ganz im japanischen Sinne als eine Verbeugung vor der Natur. Wie in einem japanischen Garten wird der Natur respektvoll begegnet, mithilfe einer künstlerischen Intervention im öffentlichen Raum.

Das Unvollendete an dieser Brücke ist dafür maßgeblich. Die Sehnsucht der Großstadtbevölkerung nach der Natur wird eben nicht erfüllt. „Bridge Sprout“ verbindet damit Architektur und konzeptionelle Installation im öffentlichen Raum, die an die romantische Tradition der Ruine anknüpft. Gleichzeitig sind die beiden Brückenköpfe als Sprösslinge zu verstehen - daher der Titel „Sprout“.

Der Vorschlag „Bridge Sprout“ ging aus einem neuen Format der Kunst im öffentlichen Raum in München hervor, der „Carte Blanche“. Der Programmbeirat wählte unter einer Reihe von Vorschlägen eine künstlerische Position von internationalem Rang aus, die die Chance erhalten soll, ein Kunstprojekt im öffentlichen Raum Münchens mit einem Finanzrahmen von 250.000 € frei von Wettbewerbsdruck zu realisieren. Das Atelier Bow Wow erarbeitete das Konzept „Bridge Sprout“ in Zusammenarbeit mit dem Kulturreferat und dem Münchner Architekten Hannes Rössler.

„Die Isar ist ein wichtiger Ort für die Münchnerinnen und Münchner. Daher drehen sich viele Überlegungen zur Stadtentwicklung auch um den Stadtfluss. Er trennt Viertel und ermöglicht gleichzeitig Begegnungen. Die Isar steht für Natur, Erholung, Muße – und für Großstadt, wenn man sieht, wie viele Menschen sich dort aufhalten. Bow Wow nimmt alle diese Aspekte künstlerisch auf und ermöglicht uns eine neue Perspektive auf die Isar als einzigartigen urbanen Raum“, so Kulturreferent Anton Biebl.

Atelier Bow Wow zählt zu den renommiertesten japanischen Architekturbüros. Es wurde 1992 durch Yoshiharu Tsukamoto und Momoyo Kajima gegründet und nahm sich die dichte Bebauung der Städte Japans als Ausgangspunkt. So erregten sie international Aufsehen mit außergewöhnlichen Gebäuden, die sie für sehr kleine und oft verschachtelte Grundstücke konzipierten. Ihr Werk umfasst mehr als 40 Wohnhäuser, öffentliche Bauten sowie zahlreiche Installationen, die im Kontext von Ausstellungen und Biennalen (z. B. die Architekturbiennale von Venedig oder die São Paulo Biennale) entstanden sind. Zudem sind ihre städtebaulichen Analysen, theoretischen Schriften und akademische Forschung wesentlich. Ein Grundzug ihrer Arbeiten ist die Verbindung von ethnologischem Wissen vor Ort mit einer innovativen Architektursprache, um neue Formen des Zusammenlebens zu erarbeiten. Momoyo Kajima ist Professorin an der ETH Zürich, Yoshiharu Tsukamoto am Tokyo Institute of Technology.

Drei Beispiele umreißen die Vielseitigkeit dieses Büros: In Linz errichteten sie den „Linz Super Branch“, eine spektakuläre Stegarchitektur über den Dächern des OK (Offenes Kulturhaus Oberösterreich), das Plattformen für Kunstinstallationen, Kino- und Theaterperformances bildet und in den Kirchturm einer benachbarten Kirche hineinragt. Das BMW Guggenheim Lab in New York, eine dreimonatige temporäre Architektur, diente 2011 in New York als Forum, um Probleme und Herausforderungen des städtischen Lebens zu thematisieren. In München wurde gemeinsam mit Hannes Rössler das Studentenwohnheim „Reserl“ an der Brudermühlstraße erbaut und 2017 eröffnet. Es nimmt münchnerische und japanische Stilelemente in sich auf.