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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Kunst-Insel am Lenbachplatz: Motive 2018


Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links - auf der Vordersetie des Billboards - sind die Noten zu dem Lied "Schlaf, Kindchen, schlaf!" zu sehen. Darunter steht der Text "Schlaf, Bürger, schlaf! Du weißt nicht mehr was war...". Rechts - auf der Rückseite ist die Fäche des Billboards ist komplett rot, klein steht in Weiß darauf: "* In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 proklamiert Kurt Eisner den Freistaat Bayern."  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Franka Kaßner. Foto: Sandra Singh

Schlaf, Bürger, schlaf!

Künstlerin: Franka Kaßner.
Zeitraum: 7. November 2018 bis 15. Januar 2019.

Die Künstlerin erinnerte mit ihrer Arbeit „Schlaf, Bürger, schlaf!“ an die Novemberereignisse 1918 und an Kurt Eisner, der vom 7. auf den 8. November 1918 den Freistaat Bayern proklamierte. Auf der Vorderseite war ein Notensatz des Kinderliedes "Schlaf, Kindlein, schlaf!" mit abgeändertem Text zu "Schlaf, Bürger, schlaf!" abgedruckt. Die Rückseite war in leuchtendem Rot monochrom gestaltet und mit einer Fußnote zu Kurt Eisner versehen.

Das Kunstwerk Franka Kaßners appellierte in Reminiszenz an Kurt Eisner – idealistischer Pazifist und einer der Begründer des Freistaats Bayern – an unsere gesellschaftliche und politische Verantwortung für den Erhalt der Demokratie. Es sollte gleichermaßen für historische wie für heutige politische Ereignisse sensibilisieren. Als Neufassung eines der populärsten deutschen Kinderlieder entwickelt „Schlaf, Bürger, schlaf!“ eine Aufforderung an uns alle. Die trügerische, einlullende Melodie steht im drastischen Widerspruch zum Inhalt des Textes. Mit dieser Dissonanz wollte die Künstlerin aufrütteln: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Und wogegen?

befindet sich die Strichzeichnung eines unbewegt dastehenden Jungen mit Ball. Daneben steht: „Jeder liebt mich. Sie wissen es nur noch nicht.“ Rechts - auf der Rückseite befindet sich die Strichzeichnung eines Mädchens, mit einem  Hula-Hoop-Reifen. Daneben steht: „Jeder liebt mich. Ich weiß es nur noch nicht.“  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Eran Shakine, Fotos: Daniel Schvarcz

You & Me

Künstler: Eran Shakine.
Zeitraum: 26. Juli bis Ende Oktober 2018.

Der israelische Künstler Eran Shakine gestaltete bei einem öffentlichen Live-Painting sein Motiv für die Kunst-Insel am Lenbachplatz. Parallel war er zu der Zeit mit seinen humorvoll-kritischen Zeichnungen in der Ausstellung „A Muslim, a Christian and a Jew“ im Jüdischen Museum München zu sehen. Für die Kunst-Insel entwickelte er mit dem Motiv „You & Me“ die Figur eines Jungen und eines Mädchens. Als gesichtslose Darstellung wurde ihre Individualität zugunsten universeller Aspekte des menschlichen Daseins aufgehoben. Das Mädchen befand sich innerhalb ihres Hula-Hoop-Reifens in einem begrenzten Raum, in dem sie sich nur um sich selbst drehen konnte und von der Außenwelt abgeschnitten war. Der unbewegt dastehende Junge mit dem Ball postulierte Stillstand und soziale Passivität. Dessen ungeachtet spielten die Liebe und das Wissen darum eine wichtige Rolle, was durch einen Schriftzug verdeutlicht wurde. Eran Shakine lud mit seinem Motiv mit leisem ironischen Humor dazu ein, sich selbst und seine Umgebung zu erkennen und kritisch zu reflektieren.

Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links - auf der Vordersetie des Billboards - ist eine Zeichnung mit drei nach oben hin gerichtetet Hände abgebildet, die zwei Herzen tragen. Darüber steht die Aufschrift "Vive la libert liberté". Rechts - auf der Rückseite ist eine einem Kinderbild anmutende Zeichnung mit Sarah Morris als Sebstportrait, auf einem Ungeheuer reitend zu sehen.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Der wilde Atem der Freiheit & Woman on a Horse (Self-Portrait)

Künstler und Künsterin: Alexander Kluge und Sarah Morris.
Zeitraum: 11. Mai bis 25. Juli 2018
im Rahmen von Public Art Munich 2018 „Game Changers“.

Alexander Kluge inszenierte mit Sarah Morris auf beiden Seiten des Billboards eine Unterwasseroper. Darin waren Revolution, Seeungeheuer und die Liebe den Urkräften des Elements Wasser ausgesetzt. Hierauf bezogen sich auch die beiden Motive: Morris zeigte sich auf einem Ungeheuer wie über den Loch Ness reitend, Kluge ein Standbild aus seinem Film „Angriff auf eine dicke Tür aus Glas“ (2018). Mit der Revolution, als einem abrupten sozialen Umbruch, knüpften die beiden an ein zentrales Thema des „Game Changers“ – das Motto von Public Art Munich 2018 – an.

Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links - auf der Vordersetie des Billboards - ist ein Gehörloser abgebildet. Er zeigt in Gebärdensprache „Karlsplatz/Stachus“ an. Ein Pfeil auf dem Bild zeigt in Richtung Karlsplatz. Rechts - auf der Rückseite zeigt ein anderer in Gebärdensprache „Königsplatz“ an. Ein Pfeil auf dem Bild zeigt in Richtung Königsplatz.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Albert Coers

Straßen Namen Zeichen (I)

Künstler: Albert Coers.
Zeitraum: 22. März bis 9. Mai 2018.

Gezeigt wurden zwei Gebärdensprachzeichen, die sich auf den Standort bezogen und in ihrer Verwendung spezifisch lokal sind, dargestellt von Münchner Gehörlosen: Richtung Süden „Karlsplatz/Stachus“, nach Norden „König“, für den „Königsplatz“, der in dieser Richtung liegt.

Die Bilder waren ein Ausschnitt aus einem größer angelegten Projekt, das einlud, über die Bedeutung und Entstehung von Zeichen und Namen zu reflektieren, sich hineinzudenken in die Welt der Gebärdensprache.

Zwei Fotografie von farbig bemalten Gipskartonplatten, die wie abstrakte Farbkomposition aussehen auf dem fünf mal fünf Meter großen Billboard auf dem Lenbachplatz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Tim Bennet

Stadtbild (Gelb und Blau)

Künstler: Tim Bennett.
Zeitraum: 26. Januar bis 22. März 2018.

Bennetts Plakatbilder am Billboard der Kunst-Insel sahen aus wie abstrakte Farbkompositionen. Bei näherer Betrachtung entpuppten sich die Bilder als Fotografien einer farbig bemalten Gipskartonplatte. Durch Umbrechen der gegenüberliegenden Ecken kam sowohl das Gipsmaterial aus dem Inneren der Platte zum Vorschein als auch das braune Trägermaterial. 
Die zehnfache Vergrößerung des Originalobjekts schuf eine ungewohnte Dreidimensionalität, die an die illusionistische Trompe-l'œil-Malerei erinnerte. 

Das Gemälde „Selbstbildnis im Pelzrock“ von Albrecht Dürer, stark verpixelt auf dem fünf mal fünf Meter großen Display auf dem Lenbachplatz  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Sofie Bird Møller.

Dürer sure is pixelated!

Künstlerin: Sofie Bird Møller.
Zeitraum: November 2017 bis Januar 2018.

Sofie Bird Møller verwandelte das berühmte Gemälde „Selbstbildnis im Pelzrock“ von Albrecht Dürer aus dem Jahr 1500 in große Pixel und spielte damit eine Art Versteckspiel mit dem Original. Von weitem war Sofie Bird Møllers Pixelbild als Dürers Selbstbildnis zu erahnen, was die allgemeine Erkennbarkeit des Gemäldes verdeutlichte. Je näher man jedoch an das fünf mal fünf Meter große Billboard herankam, desto mehr löste sich das Motiv in grau getönte Quadrate auf und das Selbstbildnis von Dürer verschwand.

Die Arbeit unterstrich einerseits die Berühmtheit des Werkes, andererseits warf sie die Frage auf, ob das Verpixeln das Bild schützen soll, so wie zum Daten- bzw. Personenschutz Auto-Kennzeichen oder Augen verpixelt werden. Oder wird „Selbstbildnis im Pelzrock“ für einen fremdartigen Zweck (aus)genutzt? Darüber hinaus äußerte sich Sofie Bird Møllers Arbeit kritisch zum Thema Original und Kopie. Wer nicht im Museum das Original betrachtet hat, kennt das Selbstbildnis heutzutage nur gepixelt als Reproduktion.

Was ist die Kunst-Insel am Lenbachplatz?

Mit der großformatigen Collage „Pay Nothing Until April“ von Ed Ruscha startete 2013 das neuartige Münchner Ausstellungsformat der „Kunst-Insel“ im öffentlichen Raum auf dem Lenbachplatz. Das fünf mal fünf Meter große Billboard war ein Teil der von Elmgreen & Dragset 2013 in München kuratierten Reihe „A Space Called Public / Hoffentlich öffentlich“. Seit 2013 ist diese „Kunst-Insel“ am Lenbachplatz eine zunehmend wichtige Adresse für temporäre großformatige Arbeiten Münchner Künstlerinnen und Künstler geworden. Formal den überdimensionierten Werbetafeln nachempfunden, ist die Kunst-Insel inhaltlich ein Ort für temporäre Kunst im öffentlichen Raum – garantiert kommerzfrei.

Kunst in öffentlichen Raum – ein Programm des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.

Standort

Kunst-Insel am Lenbachplatz