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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Kunst-Insel am Lenbachplatz: Motive 2019


Foto des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Darauf ist ein Verpackungskarton abgebildet, auf der rechten Seite sieht man die Beine eines Mannes herausragen. In fetten, weißen Großbuchstaben ist das Wort „Home“ im Vordergrund zu sehen.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Home/Shopping

Künstler: Matthias Edlinger.
Zeitraum: 20. November 2019 bis 2. Januar 2020.

Karton ist heutzutage allgegenwärtig und wirkt auf den ersten Blick bedeutungslos. Doch das Material erzählt Geschichten von extremen Gegensätzen und Kontrasten.

Die Altpapiertonnen quellen über: Wer es sich leisten kann, kauft heute alles online und lässt nach Hause liefern: Vom Flanksteak über die Schuhe bis hin zum dritten Flatscreen für das Kinderzimmer. Und jede Lieferung ist verpackt in Karton. Schnell wird die Ware von der Verpackung befreit und der Karton landet im Müll.

Auf der anderen Seite wird das Leben in der Stadt immer teurer. Immer mehr Menschen können sich die hohen Mieten nicht mehr leisten. Wer in der Stadt kein zu Hause mehr bezahlen kann, der verwendet die weggeworfenen Kartons und baut sich daraus sein improvisiertes Heim.
Diese extremen Gegensätze standen im Mittelpunkt der Arbeit „Home/Shopping“.

Portraitfotos von Erika, 11 Jahre und Herbert, 16 Jahre alt von ca. 1940  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

AugenBlicke

Künstler: Georg Soanca-Pollak.
Zeitraum: 30. Oktober bis 20. November 2019.

Am 20. November 1941 wurden die ersten jüdischen Bürgerinnen und Bürger aus München deportiert und wenige Tage später ermordet. Der Münchner Künstler Georg Soanca-Pollak erinnerte mit seiner Installation AugenBlicke an das Schicksal jener Münchnerinnen und Münchner, die Opfer dieser ersten Deportation geworden waren.

Zwei überlebensgroße Portraits blickten von der Kunst-Insel auf Autofahrer und Passanten. Erika, 11 Jahre und Herbert, 16 Jahre alt. Beide hatten etwas gemeinsam: sie waren jüdisch und wurden mit dem gleichen Zug deportiert. Am 25. November 1941 wurden beide in Kaunas, Litauen ermordet.

Sie waren zwei der Schulkinder, die mit dem ersten Transport die Straßen und ihre Klassenzimmer verlassen hatten und nicht mehr in ihre Heimatstadt München zurückkehren sollten. Durch die überlebensgroße Darstellung entriss Soanca-Pollak das Schicksal der beiden der Anonymität. Die Installation gab der individuellen Geschichte dieser zwei Menschen wieder ein Gesicht und ermöglichte so dem Betrachter eine sehr persönliche Begegnung mit der Vergangenheit. Am 20. November 2019 hatten sie uns - wie damals „als die Menschen aus der Stadt verschwanden“ - wieder verlassen.

Als Grundlage für das Projekt AugenBlicke diente das „Biographische Gedenkbuch der Münchner Juden 1933-1945“, das vom Stadtarchiv München herausgegeben worden ist. Fotos: © Stadtarchiv München.

Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links - auf der Vordersetie des Billboards - ist ein Mann mit einer Gesichtverletzung abgebildet, über der ein großer, weißer Verband geklebt ist. Darüber steht klein geschrieben "Good". Rechts - auf der Rückseite des Billboards - prankt ein roter Balken mit der Aufschrift "Censored".  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Kulturreferat

Blame the Algorithm

Künstlerinnen und Künstler: Das Fotokollektiv „Der Greif“.
Zeitraum: August bis Oktober 2019.

„Blame the Algorithm“ beschäftigte sich mit dem Umgang mit Bildern auf Social Media-Plattformen. Was machen diese Mechanismen der Bildauswahl mit unserem Blick auf die Welt in digitalen Zeiten? Und wie bestimmen soziale Medien die Art und Weise, mit der wir Bilder betrachten, aufnehmen und bewerten? Neben dem Motiv am Lenbachplatz umfasste das Projekt die Ausgabe 12 des Fotomagazins „Der Greif“ und eine Kabinettausstellung im Münchner Stadtmuseum.

Für das Projekt „Blame the Algorithm“ fragten Adam Broomberg und Oliver Chanarin über eine öffentliche Ausschreibung nach Fotografien, die zu privat, zu still, zu gewalttätig, zu politisch, zu subversiv oder zu explizit waren, um sie online zu teilen. Bilder, die niemals auf Facebook, Instagram oder anderen sozialen Netzwerken gezeigt werden würden. Ein ehemaliger Content-Moderator von Facebook sichtete die Einreichungen und unterteilte sie in „good“ – unzensierte Bilder – und „bad“ – zensierte Bilder.

Zwei quadratische Gemäldemotive nebeneinander: Links eine Frau im Badeanzug mit Kind im Arm an einem idyllischen Baggersee: Rechts eine Person ein Kind in Rettungsschwimmweste aus stürmischer See ans Ufer tragend  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Barbara Yelin

Es passiert

Künstlerin: Barbara Yelin.
Zeitraum: 4. Juni bis Anfang August 2019.

Während eine Frau mit ihrem Kind einen schönen Tag am Badesee verbringt, kämpfen zeitgleich Menschen im Mittelmeer ums Überleben. In ihrem Comic „Es passiert“ zeigte Barbara Yelin, dass durchaus Zusammenhänge bestehen zwischen den zeitungslesenden Wohlstandsbürgern am Strand und den Rettungsschiffen, denen die Zufahrt in europäische Häfen verweigert wurde. Diese Aussage hatte sie für die Kunst-Insel in zwei Bilder komprimiert: „Ich glaube, es ist wichtig, dass wir uns unserer Privilegiertheit bewusst sind. Und uns überlegen, wie wir Menschen in Not helfen können.“

Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links, der Vorderseite, ist auf blauem Hintergrund ist ein gezeichnetes Bierglas mit einer weißen Wolke als Schaumkrone zu sehen. Rechts, der Rückseite, ist auf einer spiegelnden Fläche der Buchstabe "I" und dahinter eine Wolke zu sehen.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Ayzit Bostan, Fotos: Fabian Frinzel

Blau

Künstlerin: Ayzit Bostan.
Zeitraum: März bis Juni 2019.

Eine Seite zeigte eine Handzeichnung in Form eines Kruges mit der Wolke, die den Schaum darstellte. Die andere Seite ware ein Spiegel, auf dem ein großes I und eine Wolke aufgedruckt waren.

Die Designerin Ayzit Bostan lässt immer wieder bestehende Symbole der Popkultur in ihre Arbeiten einfließen und transferiert sie durch klare und radikale Eingriffe in neue Kontexte. Ikonische Symbole werden dekonstruiert und kondensiert, ohne eine klare Aussage zu verlieren. So stellen sie unsere Sehgewohnheiten ästhetisch in Frage. Humor kennzeichnet viele ihrer Arbeiten.

Die zwei Seiten des Billboards zeigten das gleiche Motiv der Wolke in unterschiedlichen Zusammenhängen, so dass der Inhalt ein anderer wurde. Auf der einen Seite fungierte sie als Bierschaum und knüpfte so eine Verbindung zu München und der hier lebendigen Bierkultur. Auf der anderen Seite wurde das allgemein bekannte Symbol von „I ♥ NY“ zu „I ☁“ transformiert.

Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links - auf der Vordersetie des Billboards - ist eine betagte Dame sitztend abgebildet, die einen Teller mit einem Stück Kuchen in der Hand hält. Darüber steht geschrieben:"Ein größeres Stück vom Kuchen?". Rechts - auf der Rückseite ist eine Torte abgebildet, auf der sich drei Kerzen befinden, die die Zahl 100 darstellen. Die Hand einer betagten Person greift nach einem Stück Torte davon. Darüber steht geschrieben: "Hunger auf 50 %".  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Janine Mackenroth und Bianca Kennedy. Fotos: Kulturreferat

Auf die nächsten 100!

Künstlerinnen: Janine Mackenroth und Bianca Kennedy.
Zeitraum: Januar bis März 2019

100 Jahre Frauenwahlrecht in Deutschland.

Sind 100 Jahre sehr viel, oder verschwindend gering? Wie viel soziale Gerechtigkeit kann, soll und muss in 100 Jahren möglich sein? Feiern wir nun das 100. Jubiläum des Frauenwahlrechts auf nationaler Ebene, oder verdeutlicht der 19. Januar 1919 vielmehr die endlose Zeitspanne davor, in der die Hälfte der Gesellschaft kategorisch als unmündig abgestempelt wurde?

Das Plakat der beiden Künstlerinnen Janine Mackenroth und Bianca Kennedy spielt mit dieser Diskrepanz. Es karikiert die aktuellen Verhältnisse, in denen Frauen changieren zwischen der Hoffnung auf eine gerechtere Zukunft und einer nüchternen Analyse des Status quo. Hella und Resi auf dem Plakat lassen sich den Kuchen schmecken, wenngleich das Stück ein wenig dürftig ausfiel. Da hätten sie 100 Jahre später schon auf die Hälfte gehofft.

Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links - auf der Vordersetie des Billboards - sind die Noten zu dem Lied "Schlaf, Kindchen, schlaf!" zu sehen. Darunter steht der Text "Schlaf, Bürger, schlaf! Du weißt nicht mehr was war...". Rechts - auf der Rückseite ist die Fäche des Billboards ist komplett rot, klein steht in Weiß darauf: "* In der Nacht vom 7. auf den 8. November 1918 proklamiert Kurt Eisner den Freistaat Bayern."  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Franka Kaßner. Foto: Sandra Singh

Schlaf, Bürger, schlaf!

Künstlerin: Franka Kaßner.
Zeitraum: 7. November 2018 bis 15. Januar 2019

Die Künstlerin erinnerte mit ihrer Arbeit „Schlaf, Bürger, schlaf!“ an die Novemberereignisse 1918 und an Kurt Eisner, der vom 7. auf den 8. November 1918 den Freistaat Bayern proklamierte. Auf der Vorderseite war ein Notensatz des Kinderliedes "Schlaf, Kindlein, schlaf!" mit abgeändertem Text zu "Schlaf, Bürger, schlaf!" abgedruckt. Die Rückseite war in leuchtendem Rot monochrom gestaltet und mit einer Fußnote zu Kurt Eisner versehen.

Das Kunstwerk Franka Kaßners appellierte in Reminiszenz an Kurt Eisner – idealistischer Pazifist und einer der Begründer des Freistaats Bayern – an unsere gesellschaftliche und politische Verantwortung für den Erhalt der Demokratie. Es sollte gleichermaßen für historische wie für heutige politische Ereignisse sensibilisieren. Als Neufassung eines der populärsten deutschen Kinderlieder entwickelt „Schlaf, Bürger, schlaf!“ eine Aufforderung an uns alle. Die trügerische, einlullende Melodie steht im drastischen Widerspruch zum Inhalt des Textes. Mit dieser Dissonanz wollte die Künstlerin aufrütteln: Wofür lohnt es sich zu kämpfen? Und wogegen?

Was ist die Kunst-Insel am Lenbachplatz?

Mit der großformatigen Collage „Pay Nothing Until April“ von Ed Ruscha startete 2013 das neuartige Münchner Ausstellungsformat der „Kunst-Insel“ im öffentlichen Raum auf dem Lenbachplatz. Das fünf mal fünf Meter große Billboard war ein Teil der von Elmgreen & Dragset 2013 in München kuratierten Reihe „A Space Called Public / Hoffentlich öffentlich“. Seit 2013 ist diese „Kunst-Insel“ am Lenbachplatz eine zunehmend wichtige Adresse für temporäre großformatige Arbeiten Münchner Künstlerinnen und Künstler geworden. Formal den überdimensionierten Werbetafeln nachempfunden, ist die Kunst-Insel inhaltlich ein Ort für temporäre Kunst im öffentlichen Raum – garantiert kommerzfrei.

Kunst in öffentlichen Raum – ein Programm des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.

Standort

Kunst-Insel am Lenbachplatz