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Kunst-Insel am Lenbachplatz: Motive 2020


Zwei Fotos von amerikanisch anmutenden Reklametafeln, die frei in der Luft schweben  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Burke

Billboards

Künstler: Markus Burke
Zeitraum: Ab 14. September 2020.

Für „Billboards“ greift Markus Burke die Arbeitsweise der Werbeindustrie auf und hinterfragt deren Mechanismen, indem er sich ihrer eigenen Mittel – hier die digitale Manipulation durch Retusche – bedient. Er entfernt die Stützstruktur der Werbeflächen und nimmt ihnen so die Verankerung an ihren Ort und Zweck. Markenlogos werden zu unbekannten Flugobjekten, die mal wie bedrohliche Drohnen, mal wie absurd anmutende Luftschiffe über der Landschaft schweben.

Burkes minimale Manipulation der Bilder ändert die Wahrnehmung der Werbeflächen grundlegend: Anstatt weiterhin alltägliche Erscheinungen von Werbebotschaften in einer konsumorientierten Welt zu verkörpern, werden sie zu Fremdkörpern, die sich den öffentlichen Raum dreist, ja fast schon parasitär zu Eigen machen. Und hier knüpft sich eine weitere Frage an: In einer Zeit, in der Drohnen immer mehr den Luftraum erobern, wem gehört der öffentliche Raum und wie kann man oder soll man ihn vor Propaganda, Manipulation und privaten Interessen schützen?

Zwei Fotos von Landschaften in Galizien, in denen je ein mit dem Computer erzeugten kristallähnlichen Gebilde, das eine betonartige Oberfläche aufweist, schwebt   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Rut Massó

Pangea – Atlantik

Künstlerin: Rut Massó
Zeitraum: 1. Juli bis 14. September 2020.

Die beidseitige Installation „Pangea – Atlantik“ der galizischen Künstlerin Rut Massó zeigt zwei Collagen, die eine geographische Verbindung zur galizischen Landschaften am Atlantik darstellen. Die Luftlinie Lenbachplatz – Galizien hat die gleiche Ausrichtung wie die Billboards der Kunst-Insel, die, wie die Landschaften, nach Ost (Nordost) und West (Süd-West) gerichtet sind. So wird der atlantische Sonnenuntergang und -aufgang auf den Lenbachplatz versetzt.

Die Serie „Pangea“ von Rut Massó basiert auf räumlichen Vorstellungen aus einer Zeit vor rund 300 bis 150 Millionen Jahren, in welcher der Superkontinent Pangea um 138 Millionen Quadratkilometer expandierte. Durch das Wirken enormer Kräfte wurden in Millionen von Jahren die heutigen Landschaften geformt. Abstraktionen, die die Vergangenheit mit der Zukunft einigen, Primitives mit Science-Fiction, Bewegung und Statik, Leichtigkeit und Gewicht, Erkennbares und Unbekanntes.

Zwei Fotos eines Mannes von hinten in Jeans und Sakko, der auf einem Weg, gesäumt von Bäumen, läuft.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Saskia Groneberg

Der Weg

Künstlerin: Saskia Groneberg
Zeitraum: 16. März bis 30. Juni 2020.

Ein Mann in Jeans und Sakko, in der Hand Stift und Block, läuft auf einem Weg, gesäumt von Bäumen. Man sieht nicht, woher er kommt oder wohin er geht. Die Rückenfigur mutet romantisch an: Sie verortet den Menschen in Relation zur Natur, wie er ins Ungewisse schreitet. Die Bilder sind geheimnisvoll und profan zugleich, sie benennen keinen konkreten Ort, keine konkrete Zeit.

Auf der Kunst-Insel am Lenbachplatz, eingebettet zwischen mehrspurigen Straßen und einer Tramlinie, machen die Bilder einen gegensätzlichen Raum auf, konzentriert und kontemplativ. Auch wenn ein „zurück zur Natur“ nahe liegt, so führt „der Weg“ als visuelle Metapher doch weit darüber hinaus. Und wohin führt unser Weg? Vielleicht erst einmal auf die Grünfläche hinter dem Wittelsbacher-Brunnen oder Richtung Stachus hinunter nach rechts, in den Alten Botanischen Garten.

Saskia Groneberg beschäftigt sich in ihren Arbeiten mit dem Verhältnis von Mensch und Natur. Sie untersucht Landschaften, Parks oder Büropflanzen als Projektionen menschlicher Sehnsüchte und Bedürfnisse, die immer vor dem Hintergrund spezifischer politischer und gesellschaftlicher Umstände entstehen.

Zwei Fotos des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Links - auf der Vordersetie des Billboards - sind eine junge Frau und ein junger Mann, gut gekleidet im Stil der 1930er Jahre auf einer Parkbank sitzend mit je einer Flasche Bier in der Hand zu sehen. Die Frau trinkt aus der Flasche. Rechts - auf der Rückseite sitzt ein im Stil der 1930er Jahre, gut gekleideter junger Mann afrikanischer Herkunft lässig auf einer Parkbank mit einer Flasche Bier in der Hand.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Emeka Ogboh. Fotos: Kulturreferat

Sufferhead Original – Munich Edition

Künstler: Emeka Ogboh.
Zeitraum: 2. Januar bis 15. März 2020.

Im Zentrum des Projekts von Emeka Ogboh stehen ein speziell gebrautes Bier sowie eine dazugehörige Werbekampagne mit Videospot und Plakaten. „Sufferhead“ ist der Name eines Schwarzbiers, das Ogboh seit 2016 an verschiedenen Orten in lokalen Geschmacksvarianten brauen lässt. Für das Aroma des Biers befragt der Künstler vor Ort lebende Menschen mit afrikanischem Hintergrund nach ihren Geschmacksvorlieben und verbindet diese mit lokalen Brautraditionen. Mit seiner Arbeit spielt Ogboh auf ebenso subtile, sinnliche wie humorvolle Weise auf tradierte Vorstellungen von Migration, Heimat, Fremdheit, Identität, Stereotype und Rassismen an.

Die Plakatmotive sind im Münchner Hofgarten entstanden. Szenerie und Kostüme nehmen Bezug auf die historische Bedeutung des Orts als Schauplatz der nationalsozialistischen Propagandaausstellung „Entartete Kunst“ im Jahr 1937. Die „Munich Edition“ von „Sufferhead“ wurde für die Ausstellung „Tell me about yesterday tomorrow“ im NS-Dokumentationszentrum München realisiert, in der bis 30. August 2020 eine Installation von Ogboh zu sehen ist.

Foto des Lenbachplatzes mit einer fünf mal fünf Meter großen, aufgestellten Tafel. Darauf ist ein Verpackungskarton abgebildet, auf der rechten Seite sieht man die Beine eines Mannes herausragen. In fetten, weißen Großbuchstaben ist das Wort „Home“ im Vordergrund zu sehen.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Home/Shopping

Künstler: Matthias Edlinger.
Zeitraum: 20. November 2019 bis 2. Januar 2020.

Karton ist heutzutage allgegenwärtig und wirkt auf den ersten Blick bedeutungslos. Doch das Material erzählt Geschichten von extremen Gegensätzen und Kontrasten.

Die Altpapiertonnen quellen über: Wer es sich leisten kann, kauft heute alles online und lässt nach Hause liefern: Vom Flanksteak über die Schuhe bis hin zum dritten Flatscreen für das Kinderzimmer. Und jede Lieferung ist verpackt in Karton. Schnell wird die Ware von der Verpackung befreit und der Karton landet im Müll.

Auf der anderen Seite wird das Leben in der Stadt immer teurer. Immer mehr Menschen können sich die hohen Mieten nicht mehr leisten. Wer in der Stadt kein zu Hause mehr bezahlen kann, der verwendet die weggeworfenen Kartons und baut sich daraus sein improvisiertes Heim.
Diese extremen Gegensätze standen im Mittelpunkt der Arbeit „Home/Shopping“.

Was ist die Kunst-Insel am Lenbachplatz?

Mit der großformatigen Collage „Pay Nothing Until April“ von Ed Ruscha startete 2013 das neuartige Münchner Ausstellungsformat der „Kunst-Insel“ im öffentlichen Raum auf dem Lenbachplatz. Das fünf mal fünf Meter große Billboard war ein Teil der von Elmgreen & Dragset 2013 in München kuratierten Reihe „A Space Called Public / Hoffentlich öffentlich“. Seit 2013 ist diese „Kunst-Insel“ am Lenbachplatz eine zunehmend wichtige Adresse für temporäre großformatige Arbeiten Münchner Künstlerinnen und Künstler geworden. Formal den überdimensionierten Werbetafeln nachempfunden, ist die Kunst-Insel inhaltlich ein Ort für temporäre Kunst im öffentlichen Raum – garantiert kommerzfrei.

Kunst in öffentlichen Raum – ein Programm des Kulturreferats der Landeshauptstadt München.

Standort

Kunst-Insel am Lenbachplatz

Kontakt

Landeshauptstadt München

Kulturreferat
Abteilung 1
Bildende Kunst, Darstellende
Kunst, Film, Literatur, Musik,
Stadtgeschichte, Wissenschaft

Burgstraße 4
80331 München

Kontakt:
Team Kunst im öffentlichen Raum