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Förderpreise 2014 der Landeshauptstadt München für Architektur, Bildende Kunst, Design, Fotografie und Schmuck


Die Preisträgerinnen und Preisträger 2014  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Alescha Birkenholz

Die jeweils mit 6.000 Euro dotierten Förderpreise werden vergeben an in München arbeitende und lebende Künstlerinnen, Künstler und Gestalterinnen und Gestalter als Auszeichnung für herausragende Leistungen in den Bereichen Bildende Kunst (zwei Preise), Architektur, Design, Fotografie und Schmuck. Beurteilt wird das gesamte bisherige Schaffen.

Auf Basis einer Juryempfehlung hat die Vollversammlung des Stadtrates am 20.11.2014 (Turnuswechsel) über die Preisvergabe entschieden. Die Jury begründete ihr Votum wie folgt:

Förderpreise für Bildende Kunst 2014

what remains gallery – René und Christian Landspersky

Was bleibt übrig? Um diese Frage kreist what remains gallery seit ihrer Gründung 2009. In konsequenter Weise stellen René und Christian Landspersky die Rolle der Autorenschaft in Frage und treten anonymisiert hinter das Projekt zurück. Statt Neues zu produzieren, besteht ihre künstlerische Praxis in der Überprüfung und Transformation von bereits Vorhandenem. Was bleibt also übrig von einer künstlerischen Arbeit und deren Idee nach einer Ausstellung? what remains gallery spürt diesem Ende nach, um einen erneuten Beginn zu entdecken und Originalmaterialien Aufmerksamkeit zu widmen, die im zeitgenössischen Kunstbetrieb austauschbar, temporär und reproduzierbar scheinen. Die Idee von what remains gallery ist weniger die einer Galerie, sondern die eines Raums für Transformationen.

Die Ausstellungen der what remains gallery sind Reflexionen zum Format der Ausstellung, aber auch von Konzepten des Archivierens und Dokumentierens. Material anderer Künstlerinnen und Künstler wird gesammelt, an neue Orte versetzt und zu ihnen in Beziehung gesetzt, so dass sich überraschende Perspektiven auf die vermeintlich wertlos gewordenen Überbleibsel öffnen und Projektionsräume für vielfältige Diskurse entstehen. Damit legt what remains gallery nicht nur Strategien des Erinnerns im Kunstgefüge und Prozesse der Bedeutungszuschreibung offen, sondern verändert diese auch: durch Reduktion, Hinzufügungen und Umdeutungen. Die Vorstellungs- und Erfahrungskraft des Betrachters wird neu herausgefordert, und so werden neben what remains gallery auch ihre Rezipienten zu Forschenden eines kulturellen Gedächtnisses

Lisa Reitmeier

Lisa Reitmeier kombiniert Zeichnungen und Skulpturen mit gefundenen und bearbeiteten Alltagsgegenständen und platziert diese Elemente mit größter Präzision im Raum oder schafft eigene Präsentationssituationen für die Arrangements. Dabei zählt jedes Detail, die einzelnen Komponenten ebenso wie ihre räumliche Anordnung.

In der Ausstellung der Förderpreise 2014 zeigt Lisa Reitmeier einen Ausschnitt aus ihrer raumgreifenden Installation „Sweetwater“ (2012-2013). Vor einem skulpturalen Hintergrund – einem großformatigen schwarzen Gestell, über das eine lange schwarze Gummimatte gehängt und bis auf den Boden ausgerollt ist – ist die zarte Bleistiftzeichnung eines Frauenkörpers zu sehen, der mit Seilen peinigend in verschiedene Richtungen gezogen wird, daneben eine abgenutzte schwarze Zange, deren eine Griffinnenseite rot bemalt ist, und eine kleine, sargförmige Kiste, die innen von einer grauen Schuppenflechte befallen zu sein scheint. Vergänglichkeit und Qualen, aber auch Kontrolle und Grenzüberschreitung sind Assoziationen, die durch diese Zusammenstellung geweckt werden.

Lisa Reitmeiers Stärke ist es, unheimlich anmutende Geschichten heraufzubeschwören, die von einer starken, beunruhigenden Emotionalität zeugen. Mittels profunder Recherchen und auf durchdachte und doch intuitive Weise schafft die Künstlerin verstörende und spannungsvolle narrative Bilder, die durch ihre Materialität physisch erfahrbar werden.

Im Lauf der Jahre hat Lisa Reitmeier in ihren Arbeiten einen steten und sehr vielversprechenden Weg verfolgt, der mit dem Förderpreis effektiv gefördert werden soll.

Förderpreis für Architektur 2014

Dominikus Stark

Dominikus Stark (*1973) gründete 2004 in München sein eigenes Architekturbüro, das er heute unter dem Namen „Dominikus Stark Architekten GmbH“ betreibt. Die intensive Auseinandersetzung mit dem Vorgefundenen, also den gewachsenen Gegebenheiten eines Ortes, prägt seine Arbeit. Die dabei ermittelten Bedingungen und Qualitäten fließen in den Entwurf ein und verankern ihn in Kultur und Tradition des Ortes. Die Funktion und Gestalt des Gebäudes werden in zeitloser Abstraktion entwickelt. In seinen Arbeiten versteht er Konstruktion, Gestalt und Detaillierung als eine untrennbare Einheit und entwickelt sie aus dem vor Ort verfügbaren Material und dem damit verbundenen handwerklichen Können. In der Überlagerung von Raum, Licht, Proportion und Material erreicht Stark eine seltene kompositorische Kraft. Qualität im Detail, Einfachheit und Schönheit im Altern garantieren die Dauerhaftigkeit seiner Bauwerke. Dabei sind seine Gebäude nicht nur der praktischen Funktionalität verpflichtet, sondern insbesondere der Würde des Menschen, der sie nutzt.

All dies weist Dominikus Stark mit seinem „Education Center Nyanza“ in Ruanda nach. Die Entwicklung des Projekts aus der lokalen Bauweise heraus hat den einheimischen Menschen nicht nur Arbeit, sondern auch Stolz auf das Geschaffene gebracht. Durch die Anwendung traditioneller bauphysikalischer Prinzipien kann auf jegliche Klimatisierungstechnik verzichtet werden. Im besten Sinne nachhaltig, sichert Dominikus Stark den langfristigen Nutzen des Gebäudes und setzt neue Impulse für die örtliche Bauproduktion. Die Verdichtung von Ort, Klima, Raum, Gestalt und Material führt zu einem ruhigen, kraftvollen Bauwerk von beeindruckender Präsenz und Permanenz.

Dominikus Stark schreibt im Vorwort zu seiner Publikation „12 Projekte“: „Letztlich geht es um den Versuch, am richtigen Ort das richtige Gebäude zu bauen – nicht mehr und nicht weniger. Dabei gibt es immer mehrere richtige Lösungen, und wir versuchen, eine davon zu finden.“ Eine bemerkenswerte Haltung, die sich bescheiden und anspruchsvoll zugleich zeigt.

Förderpreis für Design 2014

Friederike Daumiller

Die Arbeiten von Friederike Daumiller bewegen sich zwischen Produktdesign und Ausstellungsgestaltung. In den letzten Jahren hat sie unter Beweis gestellt, wie vielfältig ihr Interessengebiet ist und mit welcher Neugierde und Genauigkeit sie sich in verschiedenste Gestaltungsfragen einarbeitet. Sie ist auf inhaltlicher und gestalterischer Ebene tätig; sowohl in Teams und Projektgruppen als auch alleine, bei Auftragsarbeiten und eigeninitiierten Projekten sucht sie nach einem künstlerischen Ausdruck.

In ihrem Recherche-Projekt „Pets“ (dt. Haustiere) beschäftigt sie sich anhand von Holzmodellen mit Kleinmöbeln, einem Hybrid aus Möbel und Objekt. Die Pets kommen in den verschiedensten Bereichen des Alltags zum Einsatz, wobei eine spezifische Funktion durch die gewählte Materialität angedeutet wird. Sie erwecken durch ihre handliche Mobilität und ihr Äußeres eine Sympathie, die an die Zuneigung zu Haustieren erinnern lässt. In Anbetracht des Phänomens eines immer knapper werdenden urbanen Wohnraums und häufigeren Ortswechsels, ist der Ansatz ein spannender Beitrag, sich mit unseren heutigen Lebensformen auseinanderzusetzen.

Friederike Daumiller ist seit ihrem Diplom freiberuflich tätig. Sie steht am Anfang ihrer beruflichen Laufbahn, und der Förderpreis soll sie unterstützen, den bereits gelungenen Einstieg konsequent weiterzuverfolgen.

Förderpreis für Fotografie 2014

Armin Smailovic

Armin Smailovic, in Zagreb geboren und als Kind bosnischer Eltern in München aufgewachsen, hat an der Bayerischen Staatslehranstalt für Photographie studierte. Seine Reportage- und Portraitfotografien wurden wiederholt prämiert, u.a. mit dem Hansel-Mieth Award und dem Stipendium für zeitgenössische deutsche Fotografie der Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. In München ist er nicht zuletzt durch seine zahlreichen Veröffentlichungen im SZ-Magazin bekannt und als Mitgründer des FotoDoks-Festivals.

In seinen künstlerischen Arbeiten setzt sich Armin Smailovic seit Jahren intensiv mit der Nachkriegssituation in Ex-Jugoslawien auseinander. In Videoarbeiten und Fotografien begleitete er z.B. bosnische Frauen, die im Bürgerkrieg Opfer sexueller Gewalt von serbischen Militärs wurden. Daneben realisierte er eine Langzeit-Dokumentation zu den Überlebenden des Massakers von Srebrenica (1995). Im Fokus seiner aktuellen Arbeit zum Thema steht das ehemalige Holiday Inn-Hotel in Sarajewo, das in seiner wechselvollen Geschichte u.a. die internationalen Journalisten während des Krieges beherbergte. Smailovic verbindet in seiner dokumentarischen Spurensuche vorgefundene Filmstills mit eigenen Aufnahmen zu einer eindrucksvollen Studie über das Erinnern an die jüngste Geschichte der Balkanstaaten.

Förderpreis für Schmuck 2014

Alexander Blank

Alexander Blank ist einen sehr eigenen Weg gegangen, der die Qualität seiner Arbeit ausmacht. Dabei hat er es sich nicht leicht gemacht: kompromisslos sucht er immer wieder nach dem richtigen Material und den passenden Techniken, die ausschließlich der angemessenen Umsetzung seiner Ideen dienen sollen, die im Schmuck ihre konsequente Form finden.

Auf der Meta-Ebene verbindet viele seiner Arbeiten eine sanfte Melancholie, sie spiegeln verpasste, vergebene Möglichkeiten und Paradoxien wider. Eine heilsame Melancholie: man trifft auf Idole wie die charmanten Verlierer in den Loony Tunes Cartoons, deren Schädel man dank Alexander Blank jetzt als Talisman tragen kann - wieder aufstehen und weitermachen, einen neuen Anfang setzen, mit der Lust am Tun, an der Suche und der Jagd, im Fall von Alexander Blank nach neuen Ideen und Lösungen.

Alexanders Blanks Denken hat eine große Spannweite und eine Ernsthaftigkeit. Er stellt Fragen nach der Oberflächlichkeit der westlichen, gesellschaftlichen Normen, nach den Widersprüchen unserer Zivilisation und dem Ringen des Künstlers, den Idealismus seiner Jugend abzulegen. Eine jüngste Arbeit sind Broschen aus der Reihe „Ahoi Acapulco“ von 2014, die die Assoziation einer paradiesischen Insel mit der traumhaften Vorstellung von Acapulco verbinden. Alexander Blanks Palmeninseln aber sind aus Jet (Gagat), einem traditionellen und zugleich dem stimmigsten Material für Trauerschmuck. Aber Acapulco ist ja auch keine Insel; und da ist man wieder tief berührt von der Präzision, dieser genauen Übereinstimmung aller Facetten in den Arbeiten von Alexander Blank.

Nominiert für die Förderpreise 2014 waren

Bildende Kunst: Dörthe Bäumer, Tim Bennett, Endy Hupperich, René und Christian Landspersky,
Lisa Reitmeier, Max Schmidtlein

Architektur: Lydia Haack und John Höpfner / Katharina Leuschner und Victoria von Gaudecker / Christian Neuburger, Jan Bohnert und Anick Bohnert / Philipp Neutard und Babette Schneider / Stefan Speier, Reinhard Unger und Florian Zielinski / Dominikus Stark / Teleinternetcafe und TH Treibhaus / Max Otto Zitzelsberger

Design: Steven Brüningk, Friederike Daumiller, Hannes Gumpp, Catherine Hersberger, Frank von Grafenstein, Gerhardt Kellermann

Fotografie: Elmar Haardt, Sebastian Linder, Armin Smailovic, Franz Wanner, Silke Witzsch

Schmuck: Alexander Blank, Attai Chen, Christine Graf, Melanie Isverding, Mia Maljojoki, Gisbert Stach