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Förderpreise 2018 der Landeshauptstadt München


Für Bildende Kunst, Architektur, Design, Fotografie und Schmuck

Die jeweils mit 6.000 Euro dotierten Förderpreise werden vergeben an in München arbeitende und lebende Künstlerinnen, Künstler und Gestalterinnen und Gestalter als Auszeichnung für herausragende Leistungen in den Bereichen Bildende Kunst (zwei Preise), Architektur, Design, Fotografie und Schmuck. Beurteilt wird das gesamte bisherige Schaffen.

Auf Basis einer Juryempfehlung hat der Kulturausschuss des Stadtrates am  9. Mai 2018 über die Preisvergabe entschieden. Die Jury begründete ihr Votum wie folgt:

Förderpreise 2018 für Bildende Kunst

Babylonia Constantinides

Babylonia Constantinides hat sowohl an der Akademie der Bildenden Künste in München studiert, als auch an der Ludwig-Maximilians-Universität Germanistik, Kunstgeschichte und Filmwissenschaft. Dabei hat sie das 1. Staatsexamen, den Master of Arts sowie den Magister Artium erlangt. Diesen interdisziplinären Ansatz, der bereits bei der Ausrichtung ihres Studiums erkennbar war, verfolgte sie in ihrer künstlerischen Arbeit konsequent weiter. Zentrales Medium in ihrem Werk ist das bewegte Bild. In Verbindung mit Texten und Musik konzipiert sie inhaltlich, technisch und ästhetisch komplexe Installationen.

Bisheriger Höhepunkte ihrer künstlerischen Laufbahn waren die Präsentation ihrer 3-Kanal-Installation „Radiation Room“ bei der Ausstellung „Favoriten III“ (2016) im Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus sowie die szenografische Installation „Schwarze Spiegel“ (2017) im MaximiliansForum. Beide Werke beschäftigen sich mit atomarer Strahlung. Eine grundlegende Fragestellung, die sie verfolgt, ist, wie sich Phänomene, die nicht sichtbar sind, sprachlich, bildlich oder theatralisch darstellen lassen. In ihrer künstlerischen Arbeit verwebt sie subtil Textfragmente, gefundene Bilder und wissenschaftliche Informationen, die sie bei ihrer Recherche gesammelt hat, und verwandelt sie zu kongenialen Installationen, die den Betrachter auch physisch miteinbeziehen. Um ihre künstlerischen Ziele weiterzuverfolgen, arbeitet sie mitunter mit interdisziplinären Teams zusammen, wie aktuell für die Neuproduktion des Musiktheaterstücks „Nomictic Solutions“, das im Juni 2018 auf der Münchener Biennale für Neues Musiktheater 2018 Premiere hat.

Philipp Gufler

Philipp Gufler studierte von 2008 bis 2014 an der Akademie der Bildenden Künste in München und an der Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Bereits während seines Studiums wurden Galerien, Museen und Kunstvereinen auf seine künstlerische Arbeit aufmerksam. Seitdem ist er an zahlreichen Ausstellungen im In- und Ausland beteiligt. Ein wichtiges Motiv ist für ihn die Zusammenarbeit mit anderen Künstlerinnen und Künstlern in kollaborativen Projekten.

Die Medien, die er zur Realisierung seiner Werke einsetzt, reichen von Siebdruck und Videoinstallationen bis hin zu Künstlerbüchern und Performances.

Im Zentrum seines Schaffens steht das Thema des menschlichen Körpers und seiner Begehren sowie die Frage nach der eigenen Identität. Ein Kernthema seiner künstlerischen Forschung bildet die jüngere Geschichte der Homosexualität, sowohl der lokalen Münchner wie der internationalen Szene. Wissenschaftliche Quellen ebenso wie literarische Texte, Reportagen und Berichte über historische und aktuelle Ereignisse und den Alltag, die Kultur und die Geschichte von Homosexuellen fließen in seine Projekte ein. So erinnert Philipp Gufler etwa in seiner komplexen Installation, die er in der Lothringer13 Halle präsentiert, an den Maler Paul Höcker (1854 - 1910) und seine Geschichte. Höcker musste seine Professur an der Münchner Akademie 1907 aufgeben, weil er einen befreundeten, stadtbekannten Strichjungen als Modell für ein Madonnenbild gewählt hatte. Philipp Gufler bringt mit dieser Installation den Betrachter auf berührende poetische Art und Weise zur kritischen Reflexion über eine gesellschaftliche Thematik, die heute wie damals nichts an Relevanz verloren hat.

Philipp Gufler überzeugte die Jury durch sein beeindruckendes künstlerisches Werk, das seine grundlegende Recherche und Reflexion über historische und aktuelle Ereignisse in überzeugende künstlerische Darstellungen transformiert.

Förderpreis für Architektur 2018

Sofia Dona

Sofia Donas Talent hat die Jury nicht zuletzt durch ihre dreiteilige Installation überzeugt, die sie in der Ausstellung der Förderpreise 2018 präsentiert, und die deutlich macht, was für sie alles Architektur sein kann. „Alles ist Architektur“ schrieb schon Hans Hollein 1969 in einem Manifest, mit dem er für einen erweiterten Architekturbegriff plädierte. Ganz in diesem Sinne installierte Dona in der Ausstellung die Winterabdeckung des Gärtnerplatzbrunnens, die nun im Ausstellungsraum die Rolle des Brunnens als Versammlungsort übernimmt, ebenso aber auch Schutzraum für ein tête-à-tête sei kann. Daneben zeigt sie ein von ihr angelegtes Herbarium, eine Sammlung konservierter Pflanzen, die rund um eine Neuperlacher Mauer gepflanzt worden waren. Diese vier Meter hohe Mauer war gebaut worden, um Einfamilienhäuser von einer Flüchtlingsunterkunft abzuschotten. Die Pflanzen sollten die stadträumliche Geste wiederum verschleiern. Als drittes projiziert sie die Aufnahme einer monumentalen Hausfassade, die in Weimar steht. Dona brachte an dieser Fassade einen zusätzlichen Balkon aus Schaumstoff an und löste so den repräsentativen Charakter des Gebäudes auf oder stellte ihn zumindest in Frage.

Solche Projekte sind Statements einer engagierten Architektin und einer aufmerksamen Bürgerin. Sofia Dona arbeitet dabei präzise, zum Teil mit einfachsten Mitteln, mit einzelnen architektonischen Elementen. Daneben aber baut Sofia Dona auch Häuser, renoviert Wohnungen, realisiert Bühnenbilder, bespielt mit Studierenden den Münchner Stadtraum und vieles mehr.

Dies alles zusammen hat die Jury davon überzeugt, Sofia Dona mit dem Förderpreis für Architektur 2018 auszuzeichnen.

Förderpreis für Design 2018

Christian Zanzotti

Christian Zanzotti sucht in seiner Arbeit als Industriedesigner nach neuen Wegen, Material und Form symbiotisch zu verbinden. Dabei taucht er tief in innovative Fertigungstechnologien ein und überrascht mit unverwechselbaren Interpretationen alltäglicher Produkte. In den fünf Jahren seit der Gründung seines Designstudios in München ist ein beachtliches Repertoire an Arbeiten entstanden. Dazu gehören Auftragsarbeiten genauso wie eigene Objekte, die in limitierter Auflage entstehen.

Zanzotti zieht es immer wieder in seine alpine Heimat Südtirol. Die archaische Strenge seiner Entwürfe spiegelt die enge Verbindung zur Natur wider. Das Studium absolvierte er in München und arbeitete im Anschluss für Büros wie Hannes Wettstein und IDEO. Besonders intensiv fand die Auseinandersetzung mit dem High-Tech-Material Carbon statt. Als Ergebnis steht das extrem leichte Stadtfahrrad COREN. Mit seinem Team realisiert Zanzotti aufwendige Einzelobjekte, wie die Riedel Glass Sphere in Kufstein, oder das Interieur der Rossini Cocktail Bar in Meran. Als Kontrast dazu entstehen serielle Produkte, wie die prämierte Glasflasche für Puni Whisky und die minimalistische Shicha IOOI. Noch visionärer zeigt sich die futuristische Motorradstudie Digimoto, deren experimenteller Entwurfsprozess gänzlich im virtuellen Raum stattgefunden hat.

Die Jury des Münchner Förderpreises für Design überzeugte die außergewöhnliche Gestaltungsqualität und das besonders breite Spektrum der Arbeiten von Christian Zanzotti. Der Mut, einen ganz eigenen Weg abseits des Mainstreams zu verfolgen und sich keinem Gestaltungsdiktat zu unterwerfen, verdienen Anerkennung und Förderung.

Förderpreis für Fotografie 2018

Mara Pollak

Mit Mara Pollak wird eine Fotografin ausgezeichnet, die noch am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn steht, jedoch bereits auf eine Vielzahl beachtenswerter Arbeiten zurückblicken kann. In ihren umfangreichen dokumentarischen Projekten beschäftigt sie sich mit architektonisch-skulpturalen Themen. Ein Beispiel dafür ist ihre Fotoserie „Kamping“, eine Arbeit über temporäre Behausungen auf tschechischen Campingplätzen, mit der Mara Pollak ihr Studium an der Hochschule München abgeschlossen hat. Ihrem zentralen Thema der Behausungen widmet sich die Künstlerin mit genauem Blick auch in ihrer Arbeit „Zurückgebaut“, die eine fotografische  Bestandsaufnahme des Umsiedlungsprozesses ist, der im größten Braunkohletagebaugebiet in Deutschland stattfindet. Pollak arbeitet dabei mit dem Journalisten Sammy Khamis zusammen. Ihre Recherche begann sie aus dem Interesse an den ästhetischen Ausformungen des klassischen Einfamilienhauses und der gewachsenen ländlichen Strukturen im Umfeld des Braunkohleabbaus. Die Künstlerin reiste mehrmals ins Abbaugebiet und begann die konzeptuelle Dokumentation der verschiedenen Stadien der Umsiedlung. Die in der Ausstellung präsentierten Bilder sind der Beginn des fortlaufenden Projektes, das 2018 mit der Veröffentlichung eines Buches zum Abschluss gebracht wird. Neben dem dokumentarischen Schwerpunkt wird Mara Pollaks experimentelle Herangehensweise an die Fotografie deutlich, mit der sie unterschiedlichste Aspekte des Mediums beleuchtet und sich in ihren Arbeiten konsequent damit auseinandersetzt. Mit dem Förderpreis soll das bisherige Schaffen gewürdigt und die weitere Entwicklung der künstlerischen Arbeit von Mara Pollak unterstützt werden.

Förderpreis für Schmuck 2018

Annamaria Leiste

Annamaria Leiste analysiert in ihrem künstlerischen Schmuckschaffen die Bedeutung von Schmuck und Schmücken in Bezug auf Fragen der eigenen Identität, dem Umgang mit Werten und der Vergänglichkeit. In ihren Schmuckstücken erzählen die verwendeten Materialien, wie das Holz eines Redwood Baumes oder am Strand gefundene Kunststoffpellets, eine Geschichte über den Umgang des Menschen mit der Natur und ihren Ressourcen. Hintergründig und poetisch spiegeln ihre Arbeiten durch ihre Ästhetik und ihre inhaltliche Komplexität die Widersprüche unserer Zeit.

Nominiert für die Förderpreise 2018 waren

Bildende Kunst

Babylonia Constantinides
Judith Egger
Philipp Gufler
Leonhard Hurzlmeier
Anton Kaun
Raphael Krome

Architektur

Sofia Dona
Katharina Leuschner und Victoria von Gaudecker
Sebastian Multerer
Stephan Rauch
Olga Ritter und Kilian Jockisch
Andy Westner, Werner Schührer und Christian Zöhrer
Max Otto Zitzelsberger

Design

Marion Blomeyer
Steffen Kehrle
Gerhardt Kellermann
Theresa Reiter & Katharina Weber
Sebastian Thies
Christian Zanzotti

Fotografie

Kilian Blees
Elke Dreier
Florian Freier
Erica Overmeer
Mara Pollak
Carola Vogt & Peter Boerboom

Schmuck

Nicole Beck
Christine Graf
Junwon Jung
Annamaria Leiste
Nadja Soloviev