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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Förderpreise 2020 der Landeshauptstadt München


Für Bildende Kunst, Architektur, Design, Fotografie und Schmuck

Die jeweils mit 6.000 Euro dotierten Förderpreise werden vergeben an in München arbeitende und lebende Künstlerinnen, Künstler und Gestalterinnen und Gestalter als Auszeichnung für herausragende Leistungen in den Bereichen Bildende Kunst (zwei Preise), Architektur, Design, Fotografie und Schmuck. Beurteilt wird das gesamte bisherige Schaffen.

Auf Basis einer Juryempfehlung hat der Kulturausschuss des Stadtrates am 19. August 2020 über die Preisvergabe entschieden. Die Jury begründete ihr Votum wie folgt:

Förderpreis für Bildende Kunst 2020

Maria VMier

Die künstlerische Praxis von Maria VMier (gesprochen Maria von Mier) beeindruckt durch ein außerordentlich breites Spektrum. Sie ist Gründerin und Mitbetreiberin des Hamman von Mier Verlages, der als selbstorganisierte Plattform der kollaborativen künstlerischen Produktion und als Netzwerk zum Austausch von Ideen seit Jahren Künstlerbücher auf höchstem Niveau pu­bliziert. Zudem ist VMier Teil der kuratorischen Leitung des nomadischen Ausstellungsraums „Ruine München“. Sie betreibt für ihre Projekte ebenso extensive wie intensive Recherchen und schreibt zu politischen, künstlerischen sowie ökologischen Themengebieten. Daneben hat sie sich zuletzt wieder verstärkt einer malerischen und bildhauerischen Praxis zugewandt.

Maria VMiers künstlerische Arbeit zeichnet sich dabei nicht lediglich durch den schieren Um­fang unterschiedlicher Perspektiven aus, sondern vor allem durch das engagierte und kritische Denken, das im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht. Dieses kritische Denken treibt ihre künstlerische Selbstverortung zwischen Geschichte und Gegenwart, Politik und Formalismus, Autonomie und Kollaboration an, und macht ihre umfangreichen Projektvorhaben derart produktiv und interessant.

Sophia Süßmilch

Das Werk von Sophia Süßmilch ist geprägt durch Extreme. Sie hat in der letzten Dekade ein kaum zu überblickendes Konvolut an Arbeiten geschaffen, die sich zwischen den Genres Ma­lerei, Fotografie, Video, Performance und Objektkunst bewegen. Ihre Arbeiten oszillieren zwi­schen hoher Komplexität und bestechend direkter Klarheit. Ihr künstlerisches Schaffen ist poe­tisch und eingängig und sprengt ein ums andere Mal mit teils clownesken Gesten Tabus, wo man längst keine mehr vermutet hätte. In Sophia Süßmilchs Malerei wird die Liebe zum Plaka­tiven sichtbar. Die Wesen, die Süßmilch erschafft, entstammen einer scheinbar heiteren Welt, die sich bei genauerer Betrachtung als ein matriarchaler, kriegerischer Kosmos entpuppt. Ihre Performance- und Videoarbeiten erscheinen schonungslos verwoben mit ihrer Biografie. Nicht selten werden so Familienmitglieder als mitwirkende in ihren Bildkompositionen inszeniert. Mit dem Förderpreis wird die intensive und fordernde künstlerische Arbeit von Sophia Süßmilch ausgezeichnet.

Förderpreis für Architektur 2020

Carsten Jungfer und Norbert Kling / zectorarchitects

Mit Carsten Jungfer und Norbert Kling, die von den beiden Standorten München und London aus arbeiten, wird der forschungsorientierte, kritische und vielfältige Ansatz von zectorarchi­tects ausgezeichnet. Die Projekte von zectorarchitects reichen von minimalen Eingriffen bis hin zu städtebaulichen Konzepten. Sie verbinden Stadt, Ökologie und Gesellschaft, und zeich­nen sich durch Offenheit und Flexibilität aus. Sie experimentieren mit adaptiven Planungsin­strumenten, um Mitbestimmung und Teilhabe in die Veränderungsprozesse unserer gebauten Umwelt zu integrieren. Bei ihrer Arbeit an wichtigen Themen der Architektur, Forschung und Lehre kooperieren sie mit unterschiedlichen Gruppen und Akteuren aus Architek­tur, Stadtpla­nung oder künstlerischen Disziplinen.

Die auszeichnungswürdige Qualität der gemeinsamen Arbeit von Carsten Jungfer und Norbert Kling zeigt sich insbesondere in ihrem sozialen Engagement, in der Breite und Tiefe ihrer Inter­essen, sowie in der Fähigkeit, sich in verschiedenen Interventionsmaßstäben zu bewegen. Sie kombinieren diese Aspekte in einer Arbeitsweise, die im Bereich der Architektur eine Ausnah­me darstellt. Ihr Ansatz Architektur zu verstehen und zu realisieren ist mit Blick auf die Heraus­forderungen unserer heutigen Gesellschaft und die zunehmende Komplexität der urbanen Welt vorbildhaft und von hoher Relevanz.

Förderpreis für Design 2020

Leonhard Rothmoser

Leonhard Rothmosers Werk zeichnet sich aus durch eine hohe Eigenständigkeit und Vielsei­tigkeit, in Verbindung mit einer kritischen Reflexion von Gestaltung und der eigenen Rolle als Gestalter. In Zeichnungen und Illustrationen für Tageszeitungen und Magazine – wie Disegno, Brandeins, SZ Magazin oder die Neue Züricher Zeitung – erkundet und hinterfragt Rothmoser die Gestaltung von Prozessen, Systemen, Normen und Dingen, die unseren Alltag und das gesellschaftliche Zusammenleben prägen. Mit minimalen zeichnerischen Mitteln verdeutlicht er die Allgegenwärtigkeit und vielfältigen Erscheinungsformen von Design und die Rollen der gestaltenden Akteur*innen. Dabei gelingt es ihm, Gedankengänge nicht nur zu illustrieren, sondern weitere Denkanstöße zu geben und die Betrachter*innen zur Selbstreflexion herauszufordern, die sich in seinen in durchgängig fließenden Linien gezeichneten, auf wenige Merkmale reduzierten Figuren leicht selbst wieder erkennen können.

Dass Rothmoser neben Auftragsarbeiten souverän eigenen Fragestellungen nachgeht und da­bei in den Medien und Formaten der Umsetzung seiner Werke nicht festgelegt ist, zeigte er unter anderem mit der Arbeit „Projecting Age“, die für die Förderpreisausstellung 2020 entstanden ist. Der Verlag KlickKlack Publishing, den Leonhard Rothmoser 2013 gemeinsam mit Jonas Hirschmann und Roman Häbler gegründet hat, widmet sich der Erforschung der visuellen Kultur, insbesondere der sozialen, kulturellen und ästhetischen Entstehungsgeschichte von Graffiti in München. Die daraus entstehenden Publikationen und Veranstaltungen schaffen die Basis für Vernetzung, Austausch und Kollaborationen. Mit Publikationen, Veranstaltungen und Ausstellungen schafft Rothmoser Resonanzräume, die verschiedene Kollaborateur*innen und das Publikum involvieren. In der Konsequenz, in der er seinen Weg verfolgt, hat er in vielerlei Hinsicht eine Vorbildwirkung für die Gestaltungslandschaft in München und darüber hinaus.

Förderpreis für Fotografie 2020

Saskia Groneberg

Saskia Groneberg geht in ihrer fotografischen Praxis Fragen der Künstlichkeit menschenge­machter Umgebungen nach. Sie untersucht das Verhältnis von Mensch und Natur beispielhaft etwa an der Begrünung von Büroräumen oder der konstruierten und konzeptuell vereinnahm­ten Pflanzenwelt von Stadtlandschaften und Parks. Dabei offenbart sich die domestizierte Flo­ra in ihren hoch ästhetischen Fotoarbeiten auf subtile Weise als Spiegelbild und Projektionsflä­che individueller wie gesellschaftlicher Vorstellungen.

Ihr Projekt „Garden City“, aus der die Künstlerin sechs Fotografien für die Förderpreisausstel­lung als Leuchtkästen präsentiert, zeigt diese extremen Kontraste in einer Fotoserie, die in der indischen Megacity Bangalore entstanden ist, einer der am schnellsten wachsenden Metropo­len der Welt. Die ehemals attraktiven Eigenschaften der Stadt –  mildes Klima, historische Gärten, Seen und blühende Prachtstraßen – gehören mittlerweile der Vergangenheit an und sind gigantischen Baustellen, modernen Malls, endlosen Staus und brennenden Seen gewi­chen. In ihren bestechenden Aufnahmen von rätselhafter Schönheit zeigt Groneberg alltägli­che Details, in denen sich historische und neue Strukturen überlagern: ein gekrümmter Baum taucht so in die blaue Folie einer Baustellenabsperrung ein; oder die Rauchschwaden illegaler Müllver­brennung ziehen durch eine von der Abendsonne beschienene Baumkrone.

Saskia Gronebergs ausgeprägter Sinn für eine starke Verbindung von Inhalt und Form, von Konzept, Recherche und Präsentation haben ihr bereits zahlreiche, international renommierte Auszeichnungen und Ausstellungen eingebracht. Der Förderpreis soll ihr künstlerisches Schaf­fen einmal mehr würdigen und die Weiterentwicklung ihres Werkes unterstützen.

Förderpreis für Schmuck 2020

Carina Shoshtary

Die Schmuckobjekte von Carina Shoshtary sind behutsam auf den Körper bezogen und strahlen innere Ausdruckskraft und Zerbrechlichkeit aus. In ihren zwischen 2008 und 2020 entwickelten Schmuckobjekten geht es unter anderem um eine intensive Auseinandersetzung mit dem Thema Farbe. So findet sie für ihren Werkzyklus „Krypton“ die Materialien im Münchner Schlachthofviertel an einer über die Jahre immer wieder übersprühten Graffitiwand. Die durch Korrosion abgefallenen Farbschichten sammelt sie ein und schafft aus diesen Fundstücken kubische Körper, die in Form und Farbigkeit wie Kristalle anmuten. „Karma Chroma“ nennt Sie ihren zweiten Werkzyklus, in dem sie Fundstücke aus der Natur, wie abgebrochene Aststücke, zerfallenes Holz oder Mandelschalen, mit feinsten Schuppen aus Graffiti-Pigmentschichten be­legt. Ihre eigenen Assoziationen zu den Farben Blau und Rot verdeutlicht sie in Ausstellungstiteln wie „Where Blue Hides After Dark“ oder „In The Beginning There Was Red“.

Seit 2019 befasst sie sich mit dem inzwischen hochaktuellen Thema „Maske“. In der Serie „Hunter“ experimentiert sie mitunter mit 3D-Drucktechniken. Im Spannungsfeld zwischen Imagination und Transformation entwickelt sie magische Gebilde für Kopf, Gesicht, Hals und Ohr. Aus kulturellen Überresten schafft Shostary Schmuck, der neu ist, Gefühle freisetzt, auf großer handwerklicher Geläufigkeit beruht und seinen Träger*innen die Freiheit der Verwandlung anbietet. Als tragbare und aktuelle Novellen zum Schicksal des Menschen in seiner Rolle als Sammler und Jäger in einer von ihm selbst geschaffenen Welt, stoßen ihre Werke Geschichten von Wandlungen und Häutungen an. Virtuos und mit poetischem Feinsinn trägt Shostary so zum Fortbestand der Schmuckkunst in einer höchst aktuellen Form bei.

Daneben hat Shostary die eigene Instagram-Seite „Fashion for bank robbers“ (instagram.com fashion_for_bank_robbers/) initiiert, die weltweit nicht nur zahlreiche Follower*innen hat, son­dern mittlerweile auch eine eindrucksvolle Bandbreite an Beispielen anderer Kreativer zum Thema Maske zeigt, denen Shoshtary dort eine Plattform bietet. Mit dieser Seite vernetzt sie eine interdisziplinäre und diverse Szene international zum angewandten Diskurs über das Thema Körper, Schmuck und Maske.