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Projektstipendien Junge Kunst / Neue Medien im Bereich Bildende Kunst 2011


Jurybegründung für Alexis Dworsky

Der Stadtrat der Landeshauptstadt München hat auf Vorschlag einer Jury in seiner Sitzung am 7. Juli die Vergabe der Projektstipendien Junge Kunst / Neue Medien 2011 beschlossen: Das Projektstipendium für Bildende Kunst in Höhe von 12.000 Euro erhält Alexis Dworsky. Mit den alle zwei Jahre vergebenen Stipendien sollen konkrete, anspruchsvolle Kunstprojekte gefördert werden, die in besonderem Maße neue Medien bzw. Technologien miteinbeziehen.

Der Jury (Dr. Meret Forster, Musikredakteurin; Christian Gögger, Kurator; Gottfried Hattinger, Festivalleiter; Dr. Katja Kwastek, Kunsthistorikerin und Medienwissenschaftlerin; Yvonne Leinfelder, Künstlerin; Christoph Reiserer, Komponist; und aus dem Stadtrat Haimo Liebich und Regina Salzmann (SPD), Marian Offman und Ursula Sabathil (CSU)sowie Thomas Niederbühl (Bündnis 90/Die Grünen/RL)) begründete ihre Entscheidungen wie folgt:

Alexis Dworsky

„Alexis Dworsky reflektiert in seinem Projekt 'Mit Google Street View um die Welt reisen' die zunehmend medial geprägte Wahrnehmung unserer Umwelt, die er als 'kollektive virtuelle Welt' bezeichnet. Er entwickelt dazu einen Reisevortrag, der vollständig auf der Fortbewegung im digitalen Datenraum basiert. Während einerseits mobile Endgeräte Informationen jederzeit und allerorten abrufbar machen, kann man andererseits vom heimischen Sofa aus jeden beliebigen Ort ansteuern, ihn auf digitalen Karten und Bildern betrachten und sich sogar in ihm fortbewegen, und mittels Twitter, Chatrooms und anderen Kommunikationskanälen die nötigen Informationen recherchieren.

Dworsky wird seine Erfahrung mit diesen neuen Formen der Telepräsenz in einen traditionellen Reisevortrag rückführen, der die übliche Form des individuellen Reiseberichts, mit hochauflösenden Fotografien, zu einer multimedialen Performance kombiniert. Dabei dienen die Präsenz des Vortragenden und die Vorstellung von der Fotografie als indexikalischem Medium als vermeintliche Garantie für Authentizität. Dworskys Projekt fragt danach, welche Berechtigung diese Vorstellungen noch haben, wenn Reisen vollständig virtuell vonstatten gehen können, Kommunikationen medial vermittelt werden und Bewegungen durch solche Räume zugleich die Repräsentationen derselben sind?

Die Jury ist beeindruckt von dem innovativen Projektkonzept, das ein Hybrid aus Fiktion und Dokumentation, künstlerischer Forschung und Performance, Medienaktivismus und Medienarchäologie entwirft. Sie ist überzeugt, dass es Dworsky gelingen wird, mit diesem Projekt einen spannenden künstlerischen Beitrag zur Reflexion unserer medial geprägten Umwelt und zur hoch aktuellen und kontrovers diskutierten Frage öffentlich zugänglicher Geo-Informationssysteme zu leisten.“