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LiteraVision 2016


Programm

Am Freitag, 18. und Samstag, den 19. November 2016 im Literaturhaus Forum

Freitag, 18.11.2016
 

10:00 Uhr: Vorführung der Kurzbeiträge

Cappriccio: Mason Curreys „Musenküsse!“
Lydia von Freyberg, BR, 6:10 Min.
Der Versicherungsangestellte Franz Kafka bringt sich in Stimmung. Jeden Abend, ab halb acht: „10 Minuten Turnen,
nackt, bei offenem Fenster.“ Proust dagegen tut es ausschließlich im Bett, genau wie Truman Capote: „Ich bin ein durch
und durch horizontaler Schriftsteller. Dazu brauche ich Zigaretten und Kaffee. Ich muss ständig paffen und nippen.“ Wie
kann der Künstler ihn entzünden, den Funken, die Idee, die Erleuchtung? Braucht es Zucht oder Zügellosigkeit, damit sie
zu ihm kommt, die Inspiration? Davon erzählt die höchst unterhaltsame Anthologie „Musenküsse!“ von Mason Currey.


titel, thesen, temperamente: Umberto Eco: „NullNUMMER“
Reinhold Jaretzky, hr, 4:33 Min.

In Ecos Roman „NullNUMMER“ geht es um die perfide Maschinerie der journalistischen Manipulation – und um eine
Verschwörung. „Das Komplott ist eine Konstante menschlichen Lebens“, so Eco. Und sein Muster der immerwährenden
Suche nach Wahrheit, wie er in einem exklusiven Interview wenige Monate vor seinem Tod verriet. „ttt“ hat ihn in seinem
Sommerhaus in Norditalien getroffen. Dem Thema Skandaljournalismus hat er diesen bösartigen Roman gewidmet.
Mit Spaß am Denken, Verwirren, Infragestellen, am Zerstören von sicher geglaubten Wahrheiten. Der Leser soll sich
mit Heldenmut seines Verstandes bedienen, gegen die Einflüsterungen der Massenmedien – so die aufklärerische
Botschaft.


Bücher und Moor: Kat Kaufmann – Superposition
Julia Riedhammer & Christine Thalmann, rbb, 7:30 Min.

Izy Lewin ist Jazzpianistin, Mitte Zwanzig, und weiß mit ihrem Leben nicht viel anzufangen. Als Kind russischer Eltern
kam sie als Flüchtling nach Berlin, um hier ein besseres Leben zu leben. Doch was ist das? Auf der Suche nach
Antworten strauchelt Izy, wankt durch durchsoffene Nächte und sehnt sich nach der großen Liebe. Es ist Kat Kaufmanns
unverwechselbarer Ton, ihre Art russisch zu denken und deutsch zu schreiben (im Interview erklärt sie, wie das geht),
die das Buch so lesenswert macht. Sie trifft das Berlin-Gefühl. Handy-Video-Ästhetik steht für das Sprunghafte von
Kaufmanns Figur, die Musik der Band „Großstadtgeflüster“ unterstreicht Izys „rotzige“ Art, sich durchs Leben zu
schlagen.


titel, thesen, temperamente: David Peace: „GB 84“
Julia Schmidt-Jortzig, NDR, 5:29 Min.

Ein Streik spaltet das Land, wird zum Richtungskampf zwischen Links und Rechts: David Peace erzählt in seinem
Roman „GB 84“ vom legendären Bergarbeiterstreik 1984. Britische Bergarbeiter kämpfen gegen die Schließung
unrentabler Zechen. Doch die Gewerkschaft überschätzt ihre Möglichkeiten, und Margaret Thatcher setzt alle Hebel
in Bewegung, um sie kleinzukriegen. Nach einem Jahr müssen die Arbeiter aufgeben. Bei David Peace kommen die
Protagonisten auf beiden Seiten schlecht weg: Es wird manipuliert, abgehört, bestochen und gemordet. Eine harte
Lektüre, aber lesenswert. „ttt“ spricht mit dem Autor über diesen letzten Kampf der britischen Arbeiterklasse.


Hauptsache Kultur: Jan Seghers: „Die Sterntaler-Verschwörung“
Wero Lisakowski, hr, 5:41 Min.

Er war nur noch ein halber Ministerpräsident. Und wenn seine Gegner sich irgendwann einigen sollten, wäre er auch
das nicht mehr lange. Rolf-Peter Becker ist eine der Figuren in Jan Seghers „Die Sterntaler-Verschwörung“. Es ist der
fünfte Fall mit Kommissar Marthaler. In seinem neuen Krimi hat Jan Seghers u.a. die politischen Wirrungen rund um
die gescheiterte Regierungsbildung in Hessen von 2008 verarbeitet. Dafür hat er nicht nur Fakten studiert, sondern auch
Figuren, Orte und Stimmungen. „hauptsache kultur“ hat Seghers ins Machtzentrum der Landespolitik begleitet: Wie viel
Wahres steht hinter seiner Version des „größten Wortbruchs“ in der hessischen Landesgeschichte?


Nordmagazin: Peter Wawerzinek: „Der Schluckspecht“
Benjamin Unger, NDR, 3:11 Min.

Der Beitrag rezensiert das Buch „Der Schluckspecht“ von Peter Wawerzinek. Das Buch handelt vom Alkoholismus
des Schriftstellers. Der Beitrag soll die Liebe zum Alkohol, den Rausch, die Sucht, den Suff, die Selbstvernichtung
transportieren. Gedreht wurde auf einem verlassenen Bahnhofsgelände in Schwerin.


titel, thesen, temperamente: Phil Klay: „Wir erschossen auch Hunde“
Brigitte Kleine, hr, 5:38 Min.

Phil Kay verpflichtet sich mit 21 Jahren als US-Marine, genau in dem Moment, als die USA sich auf die größte militärische
und humanitäre Katastrophe der jüngeren Geschichte einließen: den Irak-Krieg. Jetzt erzählt von seinen Kriegserfahrungen
und wie es ist, zurück zu kommen – seinem Land entfremdet. Es sind brutale, witzige, bissige Erzählungen.


14:00 Uhr: Vorführung der Langbeiträge Freitag, 18.11.2016

Arthur Miller – Ein ehrgeiziges Herz
Henrike Sandner, ZDF/2sat, 59:36 Min.

Er ist eine amerikanische Ikone. 1949 schrieb er „Tod eines Handlungsreisenden“. Das Stück wirkte wie eine Bombe,
die man dem Kapitalismus untergeschoben hatte. Arthur Miller wurde für sein Werk mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet
und war mit einem Schlag berühmt. Über die Welt des Theaters und der Literatur hinaus bekannt wurde er durch die
kurze Ehe mit Marilyn Monroe. Der Film zeigt in seltenen Archivaufnahmen sein Leben und Werk. Weggefährten wie
Dustin Hoffman, Volker Schlöndorff und seine Schwester Joan Copeland kommen zu Wort. Ausschnitte aus den
Verfilmungen seiner Werke und zahlreiche Zitate des Autors selbst zeigen einen Schriftsteller von Weltrang in einem
poetischen und berührenden Dokumentarfilm .


Porträt von Ingeborg. Auf der Suche nach Ingeborg Bachmann
Angelika Kellhammer, BR, 44:00 Min.

Wer war Ingeborg Bachmann? Der Film zeichnet eine wechselvolle und von vielen Fehlurteilen geprägte Rezeptionsgeschichte
nach. Freunde und Weggefährten erzählen von einer Frau, die extrem schüchtern und verletzlich war, aber
auch kompromisslos liebte und lebte. Erstmals äußert sich auch der Bruder Heinz Bachmann vor der Kamera, führt
durch das Haus ihrer Kindheit und erzählt von ihrem tragischen Unfalltod. An wichtigen Lebensstationen – Klagenfurt,
Wien und Rom – zeigt der Film eine Autorin, die immer bereit war, auf das Verleugnete, Kranke, Gewalttätige hinzuweisen,
für die das Schreiben Berufung, Strafe und unverzichtbarer Lebensinhalt war.


Anita Albus – Schönheit und Strenge
Julia Benkert, BR, 43:00 Min.

Im Sommer 2015 öffnet die Schriftstellerin und Malerin Anita Albus der Dokumentarfilmerin Julia Benkert die Pforten zu
ihrem abgeschiedenen Schloss und damit ihrer Welt. Entstanden ist ein Film über ein Universum von großer Schönheit
und Strenge. Eine Strenge des Geistes, gepaart mit einer hoch verfeinerten Wahrnehmung. Eigenschaften, die in unserer
von Unruhe bestimmten Zeit immer rarer und wertvoller werden.

 

Samstag, 19.11.2016

10.00 Uhr: Vorführung der Langbeiträge (Fortsetzung) Samstag, 19.11.2016


Undine Gruenter: Das Projekt der Liebe
Anita Hugi, SRF, 52:58 Min.

„Freiheit beginnt, wo das Re-Agieren aufhört“, notiert Undine Gruenter in ihr Tagebuch, als sie Ende der 1980er-
Jahre nach Paris zieht. Ihr Journal ist Ausgangslage für den Film, der Gruenters Werk und Leben anhand ihrer eigenen
Texte vorstellt, gelesen von Bibiana Beglau. So messerscharf und zart zugleich, so leidenschaftlich und konsequent
wie wenige hat die 1952 geborene Schriftstellerin über die (Un-)Möglichkeit der Liebe, über Paris, den Rausch und den
Abgrund der Einsamkeit in der Großstadt geschrieben. Freiheit statt Sicherheit, Individualität statt Konvention – gerade
auch im leidenschaftlichen, stets gefährdeten 'Projekt der Liebe' – sind zentrale Themen in ihrem Werk.


Big in Japan. Ein Zeichner im Land der Zeichen
Nico Weber, ORF / 3sat, 45 Min.

Der Wiener Comicautor Nicolas Mahler reist anlässlich einer Ausstellung seines Werks nach Kyoto / Japan. Der Film
zeigt Mahlers vorsichtige Annäherung an die stark regulierte japanische Gesellschaft und ihre mächtige wie beliebte
Manga-Kultur. Die Kennzeichen seiner Arbeit, der Minimalismus, die Einfachheit, die Liebe zum Detail, finden sich
vortrefflich in der japanischen Gesellschaft. Und das behutsame Eintauchen in die fernöstliche Welt bringt Seiten und
Gedankten von Mahler hervor, wie sie bisher noch nicht zu hören oder zu sehen waren.


14.00 Uhr: Vorführung der Langbeiträge (Fortsetzung) Samstag, 19.11.2016


Arno Schmidt: „Mein Herz gehört dem Kopf“
Oliver Schwehm, RB / Arte, 60 Min.

Ausgehend von dem entlegenen Dorf Bargfeld in der Lüneburger Heide, in das er 1958 mit seiner Frau zog, und das
er nur selten und ungern verließ, erschuf Arno Schmidt ein in der jüngeren deutschen Literaturgeschichte einzigartiges
Werk. Als Pionier der Sprache, widerborstig, rebellisch und konsequent bis zur Besessenheit ordnete er sämtliche
Lebensbereiche seinem Schaffen unter, blieb aber zeitlebens auf Distanz zum literarischen Betrieb. Der Film zeichnet
Arno Schmidts schriftstellerischen Werdegang nach und widmet sich verstärkt den Nachkriegsjahren, als Schmidt mit
seiner Frau Alice als Heimatvertriebener eine neue Bleibe suchte und im kleinen Heidedorf Bargfeld fand.


Der Schriftsteller Volker Braun – Training des aufrechten Gangs“
Jens-Uwe Korsowsky, MDR, 29:47 Min.

Volker Braun wurde 2000 mit dem Georg-Büchner-Preis ausgezeichnet. Das Porträt zeichnet Brauns Lebensweg nach
und zeigt, wie er in seiner schriftstellerischen Arbeit immer wieder mit den politischen Verhältnissen in der DDR konfrontiert
wird. Literatur diene nicht der Versöhnung mit den Verhältnissen, erklärt Volker Braun richtungsweisend die Motivation
seines Schreibens. Der Film begleitet ihn in seine Heimatstadt nach Dresden, wo er 1939 geboren wurde. In ausführlichen
Gesprächen schildert er, wie sich die frühen Erfahrungen von Zerstörung und Tod auf sein Schreiben auswirkten.
Sein Werk entsteht auch immer in Auseinandersetzung mit persönlichen und gesellschaftlichen Verwerfungen.