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Erstmals verliehener Dieter-Hildebrandt-Preis für Claus von Wagner


Jurybegründung

In einem Interview vier Jahre vor seinem Tod nannte Dieter Hildebrandt auf die Frage, wen er als seine Nachfolger im politischen Kabarett sähe, als ersten Claus von Wagner. Freilich war der in Miesbach als Sohn preußischer Eltern Aufgewachsene - eine Fremdheitserfahrung, die er mit dem schlesischen Münchner Dieter Hildebrandt teilte - zu dieser Zeit schon kein Nachwuchs mehr. Parallel zu seinem Geschichts-, Kommunikationswissenschafts- und Medienrecht-Studium, das er fast prophetisch mit einer Magisterarbeit zum Thema „Kabarett im deutschen TV“ abschloss, hatte er mit seinem fulminanten Debüt „Der Rest ist Schweigen“ Aufsehen erregt und etliche Preise gewonnen. Dies baute er mit dem jugendlichen Furor, den sich Dieter Hildebrandt bis zu seinem Tod bewahrte, zu einer Trilogie aus, die aus individuellem Erleben ein kritisches Generationenporträt rund ums Erwachsenwerden entwarf. Gleichzeitig päppelte er mit seinen Freunden und Kollegen Mathias Tretter und Philipp Weber als „Erstes Deutsches Zwangsensemble Mach 3“ das verkümmernde Genre des Ensemblekabaretts wieder auf. Und selbst der zumeist trägen Radio-Comedy verschaffte er mit seinem „Tagebuch des alltäglichen Wahnsinns“ neuen Glanz.

Retrospektiv wirkt all dies trotzdem nur wie ein Aufgalopp: Zum einen für sein immer noch aktuelles Solo „Theorie der feinen Leute“: ein glänzend recherchiertes, wuchtig dargestelltes und wie alle seine Programme in einen theatralischen Erzählungsrahmen eingebundenes Stück zur Wirtschafts- und Finanzkrise, über das die Süddeutsche Zeitung befand, dass es in die „Annalen der Kabarettgeschichte eingehen“ werde. Und dann für den großen Fernseh-Auftritt auf den Spuren von Dieter Hildebrandts „Notizen aus der Provinz“ oder dem legendären „Scheibenwischer“: An der Seite von Max Uthoff und zusammen mit dem Co-Autor Dietrich Krauß hat Claus von Wagner die ZDF-Reihe „Neues aus der Anstalt“ in der Nachfolge von Frank-Markus Barwasser und Urban Priol noch populärer gemacht, satirisch zugespitzt und obendrein zur Renaissance eines Ensemble-Kabaretts neuer Form genutzt. Wie Hildebrandt hat er sich damit Feinde erspielt, aber auch viel Ehr und viele Fans. Die Jury ist sich einig, dass der verdiente und perfekte erste Preisträger des Dieter-Hildebrandt-Preises Claus von Wagner heißt.“

Jurymitglieder

Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers (Vorsitz), Angelika Beier (Kabarettistin), Oliver Hochkeppel (Süddeutsche Zeitung), Volker Isfort (Abendzeitung), Sabine Rinberger (Karlstadt-Valentin-Musäum), Christian Springer (Kabarettist), Katinka Strassberger (Bayerischer Rundfunk) und die Stadträte Ulrike Grimm und Marian Offman (CSU), Horst Lischka und Christian Vorländer (SPD) und Dr. Florian Roth (Bündnis 90/Die Grünen/Rosa Liste).