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Dieter-Hildebrandt-Preis 2019 an Christine Prayon


Jurybegründung

„Wenn Christine Prayon als Diplom Animatöse die Bühne betritt, ist es für das Publikum ebenso betörend wie verstörend. Das liegt zum einen an ihrer wunderbaren Stimme und den eigenwilligen Outfits, zum anderen an den Geschichten, die sie uns erzählt. Hier geht jemand ein hohes Risiko ein, denn es werden keine gängigen Erwartungshaltungen bedient, sondern erst einmal ad absurdum geführt. Das was dann aber im Laufe des Abends folgt, ist schlicht und ergreifend komisch!

Mit ihren Figuren, die sie radikal und konsequent bis zur Schmerzgrenze ausspielt, konfrontiert sie uns mit der ständig weiter um sich greifenden Volksverblödung. Sich hinzustellen und sich darüber aufzuregen, dass wir verblödet werden, ist das eine, es uns vorzuspielen und zu zeigen, ist das andere. Sie klagt nicht einfach an – sie entlarvt, und wir sind ihre Zeugen.

Humor bekommt durch sie eine neue Dimension. Frei von Klischees und den handelsüblichen Schlagwörtern oder Zoten überzeugt sie uns als präzise Analytikerin, Poetin und Satirikerin. Sie setzt ihre Anliegen schauspielerisch und künstlerisch meisterhaft in Szene und verzichtet dabei auf Plattitüden oder Schrillheiten. Wo andere schön sind, wird sie hässlich, wo andere schnell sind, wird sie langsam, und wo andere laut sind, bleibt sie leise. Das muss man sich erst mal trauen. Aber sie kann das!

Ihre künstlerische Arbeit auf der Kabarettbühne geht weit über die Addition politisch klingender Themen hinaus. Anstatt mit einer Haltung zu kokettieren, findet sie als Autorin und Darstellerin kreative Lösungen, die an Doppelbödigkeit ihresgleichen suchen. Sie verzichtet auf die Nennung von Namen und die explizite Benennung von Missständen, sorgt aber in ihrem künstlerischen Kontext dafür, dass wir wissen, wer oder was gemeint ist. Sie nimmt ihr Publikum ernst, lässt es entdecken, mitdenken und staunen. Dabei bleibt sie eigensinnig, wunderbar komisch und immer bei sich.

Diese Eigenschaften führen zu einem Alleinstellungsmerkmal, das Christine Prayon zu einer würdigen Preisträgerin macht.“

Die Preisverleihung findet im Rahmen einer geschlossenen Veranstaltung am 14. Mai 2019 um 18 Uhr im Alten Rathaussaal statt.

Mitglieder der Jury

Die Jury 2019 unter dem Vorsitz von Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers setzte sich gemäß Stadtratsbeschluss wie folgt zusammen: Christiane Brammer (Schauspielerin, Kabarettistin), Andreas Rebers (Kabarettist, Preisträger 2018), Marcus H. Rosenmüller (Filmemacher), Helge Rösinger (Bayerischer Rundfunk / Fernsehen), Renate Hildebrandt (Kabarettistin), Helmut Schleich (Kabarettist, Preisträger Kabarettpreis 2007), Stadträtin Ulrike Grimm (CSU-Fraktion), Stadtrat Richard Quaas (CSU-Fraktion), Stadtrat Horst Lischka (SPD-Fraktion), Stadtrat Dr. Christian Vorländer (SPD-Fraktion), Stadtrat Dr. Florian Roth (Die Grünen - rosa liste).