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Förderpreise 2013 der Landeshauptstadt München für Architektur, Bildende Kunst, Design, Fotografie und Schmuck


Preistraegerinnen und Preisträger 2013  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Im Bereich Bildende Kunst erhalten Anja Buchheister und Carsten Nolte die Auszeichnung, die mit jeweils 6.000 Euro verbunden ist. Den Förderpreis Architektur teilen sich Clemens Nuyken & Christoph von Oefele, die gemeinsam ein Architekturbüro betreiben. Die Keramikerin Christine Wagner wird für ihr Design gewürdigt. Julia Smirnova erhält den Förderpreis für Fotografie. Helen Britton wird mit dem Förderpreis Schmuck ausgezeichnet.

Die Jury begründete ihr Votum wie folgt:

Förderpreise für Bildende Kunst 2013

Preisträger: Carsten Nolte und Anja Buchheister

Jurybegründungen

Anja Buchheister

Anja Buchheisters künstlerische Arbeit bewegt sich zwischen Raumwahrnehmung und Raumdarstellung. Ihre Installationen aus Fotografien und Zeichnungen konstruieren und dekonstruieren den Raum, verorten sich zwischen Zweidimensionalität und Dreidimensionalität und definieren die Grenze zwischen beiden Dimensionen neu. Ihre Raumkonstruktionen wechseln von real zu imaginär und ermöglichen verschiedene Blickpunkte und deren Interpretation. In ihren Räume schaffenden Linienzeichnungen und mit dem Eingriff in ihre fotografischen Vorlagen durch Schneiden, Biegen und Neuarrangieren entstehen völlig neue räumliche Konfigurationen und narrative Assoziationen. 

Die in der Lothringer13 präsentierte Installation „possible ending“ besteht aus zwei an der Wand und am Boden befestigten Objekten aus Fototapete; sie zeigen die Abbildung einer Treppe, die am Boden beginnt und die Wand empor steigt, so dass sie ins Unendliche zu führen scheint, und, in unerreichbarer Höhe seitlich darüber angebracht, das fotografische Architekturfragment eines Gewölbes, das dreidimensional in den Raum hinein ragt. Während die Treppe graufarbig bleibt, lässt das Gewölbe durch seine gelbliche Verfärbung einen Mond assoziieren – eine Traumsequenz, wie sie sich auch in anderen Arbeiten von Buchheister finden lässt.

Anja Buchheister hat von 2004 bis 2011 an der Akademie der Bildenden Künste München Bildhauerei studiert und war Meisterschülerin von Prof. Stephan Huber. Die herausragende Qualität ihrer künstlerischen Arbeit wurde bereits mehrfach gewürdigt, so beispielsweise durch eine Beteiligung an der Ausstellung „Die ersten Jahre der Professionalität“ in der Galerie der Künstler oder als Debütantin 2012 der GEDOK München. Die weitere Entwicklung ihres bereits jetzt intensiven, eigenständigen Werkes soll mit dem Förderpreis ausgezeichnet und unterstützt werden.

Carsten Nolte

Carsten Nolte versteht seine künstlerische Arbeit als ein prozesshaftes, skulpturales Handeln. Seine Werke sind Ausdruck kultureller Reflexion und vermitteln zugleich die unmittelbare Dynamik eines ästhetischen Erlebnisraumes. Charakteristisch dafür sind seine situativen, raumgreifenden Installationen, die wie eindringliche Stilleben aus wiederverwendetem Material einer Massenkultur und Informationsgesellschaft erscheinen. Ein wesentliches Element in seinen künstlerischen Arbeiten ist das Motiv des Displays. Dabei greift Nolte meist auf klassische Displayformen zurück, wie man sie etwa von Ladeneinrichtungen kennt. Aus Insolvenzverfahren erwirbt er Pinboards und Lochbleche für flexible Regalsysteme oder Kartenständer, die dann wiederum als Ausgangsmaterial für seine bildhauerischen Inszenierungen dienen und in dieser Form in den Markt zurückgeführt und erneuert werden – ready for re-use. Die Spuren ihrer vorherigen Funktion bleiben als Leerstellen sichtbar; dadurch hinterfragt Nolte immer wieder die Wertigkeit von Objekten, die aus dem Alltag in den Kunstkontext versetzt werden.

Situativ, auf den jeweiligen Ort bezogen, werden diese Objekte immer wieder unterschiedlich zu räumlichen Collagen zusammengestellt, die in der jeweiligen Konstellation ihre Bezüge und Assoziationen neu definieren. Zugleich erinnern Noltes Werke an surreale Praktiken, die in der Verfremdung ihrer Motive und Objekte offene Neuinterpretationen und Bedeutungserweiterungen ermöglichen.

Carsten Nolte, 1976 in Marsberg (NRW) geboren, hat an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig mit Schwerpunkt Fotografiert studiert und sein Studium 2011 mit Diplom abgeschlossen. 2008 - 2009 hat er mit einem Erasmusstipendium an der Akademie der Bildenden Künste in Wien studiert, daneben war er Stipendiat der Friedrich-Ebert Stiftung und der Begabtenförderung des Cusanus Werks. Seit 2012 lebt und arbeitet er in München. Seine bisher überzeugende künstlerische Arbeit soll mit dem Preis in ihrer Weiterentwicklung gefördert werden.

Förderpreis für Architektur 2013

Preisträger: Clemens Nuyken und Christoph von Oefele

Jurybegründung

Clemens Nuyken und Christoph von Oefele (beide *1976) betreiben seit 2009 ihr Architekturbüro „Nuyken von Oefele Architekten BDA“ in München. Beide haben 2003 an der ETH Zürich bei Prof. Miroslav Sik ihr Diplom gemacht. Beide sind neben ihrer Arbeit im Architekturbüro an verschiedenen Instituten in München und in der Lehre tätig.

Ihre Projekte zeigen deutlich die intensive theoretische und praktische Auseinandersetzung mit dem Vorhandenen: mit den traditionellen Bauformen und Typologien der jeweiligen Umgebung, mit traditionellen Techniken und Materialien. Die entstehenden Gebäude oder Umbauten fügen sich nahtlos in ihre Umgebung ein; sie haben die - von ihrem Lehrer Miroslav Sik geforderte - Qualität des 'Alt-Neuen', der Ununterscheidbarkeit von Bestand und Hinzufügung. Eine Haltung, die ganz klar die Stärkung des 'Ensembles' über den individuellen Ausdruck des Einzelobjektes stellt. „Nuyken von Oefele Architekten“ verbinden ihr architektonisches Wissen und Können mit einem grundsätzlichen Interesse für die energetischen und logistischen Grundlagen der Herstellung und des Betriebs von Gebäuden. Dabei verfolgen sie das Ziel, die Vorteile von Handwerklichkeit und innovativen Produktions- und Montagetechniken zu verbinden. Die nahtlose Integration der Haustechnik in ihre architektonischen Konzepte ermöglicht eine radikale Reduktion des technischen Aufwands. Diese Reduktion dient dabei nicht nur der Erzielung günstiger Baukosten, sie ermöglicht die unmittelbar erfahrbare Einheit von Gebäude und Haustechnik, von Form, Gebrauch und Nutzen.

Ganz deutlich wird das in ihrem 'Haus mit Atelier in Reichersbeuern'. Durch die Nutzung innovativer Techniken werden traditionelle Prinzipien auf ein zeitgenössisches und zukunftsweisendes Niveau gehoben. Ganz nebenbei ist das Wohnhaus mit einer Einliegerwohnung und der Verbindung von Wohnen und Arbeiten auch ein Beitrag zum generationenübergreifenden und ressourcenschonenden Wohnen.
Indem sie ihre Gebäude als reduzierte und langlebige Gesamtkonzepte gestalten, leisten „Nuyken von Oefele Architekten“ Beiträge zu einer im besten Sinne nachhaltigen Architekturentwicklung.

Förderpreis für Design 2013

Preisträgerin: Christine Wagner

Jurybegründung

Christine Wagner repräsentiert seit 20 Jahren das Gestaltende Handwerk in München auf höchstem Niveau. Sie ist eine international tätige Keramikerin; ihren Arbeiten wird nicht nur in Fachkreisen höchste Wertschätzung entgegengebracht. Die Perfektion der handwerklichen Ausführung und die variantenreiche Wiederholung von Grundformen sind für Christine Wagner der Schlüssel zu ihrer Kunstfertigkeit. In bewusst langsamen und lang andauernden Gestaltungsprozessen entwickelt sie ihre Formen.
Angeregt durch eine mehrjährigen Lehre bei dem japanischen Keramikmeister Yasoji Sasaki in der Nähe von Nagoya und nach dem Studium an der Hochschule für Gestaltung in Linz entwickelte Christine Wagner ein für sie schlüssiges ästhetisches Prinzip. Die natürliche Schönheit des Materials zu zeigen ist ihr besonders wichtig. Dabei spielen sanfte, meist weiße oder graue Farbtöne und leicht gerillte oder raue Oberflächen eine wichtige Rolle. Ihre Formen entstehen oft in Anlehnung an Architekturen als zeitgemäße Gefäße. Mit ihrer Gruppe kubischer Vasenobjekte aus gebrannten Steinzeugtonen hat sie für die Präsentation zum Förderpreis in der Lothringerstraße ein beeindruckendes Stillleben komponiert, das ihre Arbeitsweise beispielhaft repräsentiert.

Förderpreis für Fotografie 2013

Preisträgerin: Julia Smirnova

Jurybegründung

Julia Smirnova ist eine Flaneurin, die bei ihren Streifzügen durch Städte und Landschaften das Medium Fotografie einsetzt, um durch wanderndes Schauen, durch erkennendes Sehen die Welt um sich herum – ebenso wie sich selbst – zu erkunden und zu verstehen. Mit The Place is not important legt die Fotografin ein über drei Jahre entstandenes, umfangreiches Projekt vor, das sich mit urbanen Situationen in unterschiedlichsten Kulturkreisen auseinandersetzt. Entgegen der ursprünglichen Absicht, Städte am Schwarzen Meer zu porträtieren, sind es jedoch nicht die charakteristischen Unterschiede, die in Odessa und Istanbul, später dann in Paris in ihr Blickfeld geraten, sondern scheinbar beiläufige Motive, die so auch an vielen anderen Orten der Welt zu finden wären. In der Zusammenschau entsteht ein subjektiver und unkonventioneller Bilderkosmos, der ebenso den Zeichen der Zeit nachspürt wie von den Bedingtheiten der eigenen, von Entwurzelung betroffenen Biographie geprägt ist.
Mit Julia Smirnova hat sich die Jury für eine noch am Anfang ihrer künstlerischen Laufbahn stehende Fotografin entschieden. Durch die große Intensität, formale Strenge und kompositorischer Dichte, mit der Julia Smirnova ihren Themen nachgeht, steht sie in einer bis ins 19. Jahrhundert zurückreichenden Bildtradition dokumentarischer bzw. archivalischer Straßenfotografie, aus der heraus sie eine zeitgemäße Haltung entwickelt. Sie verzichtet auf spektakuläre Darstellungen, große Formate oder starke Farbkontraste, statt dessen fordert sie den Betrachter auf, ihren im kleinen Format gehaltenen, farbig reduzierten Bildern näherzutreten und sich auf Motiv und Situation einzulassen. Inhaltlich wie formal entfalten ihre Fotografien dabei die Wirkkraft eines kurzen Gedichts, das gerade aufgrund seiner Schlichtheit nachhallt.

Förderpreis für Schmuck 2013

Preisträgerin: Helen Britton

Jurybegründung

Die Stadt München zeichnet mit der 1964 geborenen Australierin Helen Britton eine international in Ausstellungen, Museums- und Privatsammlungen präsente Schmuckkünstlerin aus. Ausgebildet an Hochschulen in Australien, den Niederlanden, in Amerika und in der Goldschmiedeklasse von Otto Künzli an der Akademie der Bildenden Künste München, hat Helen Britton eine völlig eigene Formensprache entwickelt. 2006 hat sie ihr Diplom an der Münchner Akademie abgeschlossen.

Mit ihrer künstlerischen Arbeit ist sie prägend geworden für eine junge Generation von Goldschmieden, und als einflussreiche Künstlerpersönlichkeit wirkt sie über die Landeshauptstadt München hinaus. Neben Fundstücken von Münchner Flohmärkten und von den Sandstränden Australiens entdeckt sie in Schwäbisch Gmünd Halbzeuge einer vergangenen Modeschmuckindustrie und im thüringischen Lauscha die Kleinodien einer fast nicht mehr existenten Christbaumschmuck-Herstellung. Daraus schafft sie Broschen, Ketten, Ohrgehänge oder Ringe, in denen sich eine faszinierende Mischung von klassischen Goldschmiedetechniken und einem experimentellen, unverkrampften und zugleich sehr ernsthaften Umgang mit Schmuck manifestiert, die die Tragbarkeit der einzelnen Arbeit immer mit einbezieht.

Seit 20 Jahren entwickelt Helen Britton ihre künstlerische Arbeit kontinuierlich weiter, ist ständig auf der Suche nach Neuem, und zugleich bleibt sie sich selbst, ihrer Formensprache und ihrem Anspruch treu.

Nominiert für die Förderpreise 2013 waren:

Bildende Kunst: Anja Buchheister, Judith Egger, Andrea Faciu, Heidi Mühlschlegel, Carsten Nolte, Max Schmidtlein, Mitra Wakil

Architektur: Caro Baumann & Johannes Schele, Florian Fischer & Sebastian Multerer, Clemens Nuyken & Christoph von Oefele, Tammo Prinz, Florian Wurfbaum & Inês Dantas, Jan Wagner

Design: Annahita Kamali, Steffen Kehrle, Isabelle von Medinger, Christine Wagner

Fotografie: Elmar Haardt, Martin Fengel, Barbara Trommeter & Georg Szabo,
Armin Smailovic, Julia Smirnova, Robert Voit, Malte Wandel

Schmuck: Alexander Blank, Helen Britton, Carina Chitsaz-Shoshtary, Despo Sophocleous, Mia Maljojoki