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Georg Elser-Preis der Landeshauptstadt München


Peter Ohlendorf bei der Preisverleihung 2013  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Michael Nagy

Georg Elser-Preis 2013 an Thomas Kuban und Peter Ohlendorf

Jurybegründung

Unter dem Pseudonym Thomas Kuban arbeitet der Kameramann, Journalist und Sachbuchautor vor allem über die rechtsradikale Musik-Szene in Deutschland. Als Kameramann hat er für die Aufnahmen von Rechts-Rock-Konzerten sein Leben aufs Spiel gesetzt. Aus diesen Aufnahmen entstand der Film „Blut muss fließen“.

Der gebürtige Münchner Peter Ohlendorf studierte an der Deutschen Journalistenschule und lebt seit 1989 in Freiburg. Der Regisseur und Drehbuchautor des Films „Blut muss fließen“ ist ein wichtiger und unersetzlicher Partner für Thomas Kuban - nicht nur für die Produktion des Films.
Seit seinem Erscheinen im Jahr 2012 führt Peter Ohlendorf den Film in ganz Deutschland vor - in Schulen und Kinos. Er diskutiert mit dem Publikum und beantwortet Fragen, Tag für Tag, Woche für Woche - immer in einer anderen Stadt, in einem anderen Dorf, in dem die Rechtsradikalen ihr Territorium gefestigt haben und verzweifelte Anwohner dagegen ankämpfen. Er geht vormittags in Schulen und führt ihn abends in Kinos mit anschließender Diskussion vor.

„Blut muss fließen“ ist nicht einfach ein eintöniger, langweiliger Dokumentarfilm, in dem dokumentarisches Filmmaterial zusammengeschnitten wurde. Dieser Film zeigt genau, wie blind die Bundesländer und der Verfassungsschutz vor Ort waren und wie sehr die rechtsextreme Gefahr unterschätzt wurde und wird.
Dieser Film geht nicht nur unter die Haut. Er vermittelt einem überzeugend ein ekeliges, grauenhaftes Gefühl bei grölenden, hetzenden Neo-Nazis.
Jeder Mensch, der von diesem Film hört oder ihn schon einmal gesehen hat, wundert sich, warum er noch nicht im Fernsehen lief. Damit hatten wohl auch die beiden Macher nicht gerechnet. Die erwartete Reaktion nach dem Erscheinen des Films blieb aus. Der Film traf lediglich auf desinteressierte Rundfunksender. Doch die beiden ließen sich nicht beirren, und aus diesem Grund verbreitet Peter Ohlendorf den Film einfach selber.

Die Arbeit und das gesellschaftliche Engagement von Thomas Kuban und Peter Ohlendorf entsprechen in idealer Weise den Zielsetzungen des städtischen Georg-Elser-Preises.

Dort heißt es, dass die Demokratie kritische und aufmerksame Bürger braucht, Menschen mit Zivilcourage, die sich für die demokratischen Errungenschaften einsetzen und auch durch unangepasstes Handeln den Blick auf aktuelle Gefährdungen der Demokratie richten. Diese Menschen machen durch ihr Agieren deutlich, dass immer wieder neu um die Demokratie gerungen werden muss.

Menschen wie Thomas Kuban und Peter Ohlendorf handeln dabei ohne feste organisatorische und institutionelle Einbindung, sie setzen sich gegen undemokratische Strukturen, Organisationen und Entwicklungen auf ganz individuelle Weise zur Wehr und treten mit ihrer Arbeit ganz vehement rechtsextremen Entwicklungen entgegen.

Für beide ist dieser Film nicht einfach nur ein „Dokumentarfilm“. Sie setzen sich vehement für seine Verbreitung ein und tun weiterhin alles, damit in Deutschland über das Thema richtig aufgeklärt wird.
Die Einstiegs-Droge „rechte Musik“ darf vor allem in den Köpfen unserer Jugendlichen keinen Halt mehr finden.
 

Der Georg-Elser-Preis wurde am 4. November 2013 verliehen.