Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Kultureller Ehrenpreis 2020 an Hannah Schygulla


Jurybegründung

"Ihr Blick scheint somnambul, als sehe sie die Filmbilder im Entstehen schon von fern, dabei ist sie ganz präsent im Hier; spielt scheinbar unbeteiligt und doch mit höchster Intensität; undramatisch, fast bewegungslos, mit einer Stimme ohne große Schwingungen, im typischen Fassbinder-Schygulla-Sound. Bis heute ist Hanna Schygulla das Gesicht in Fassbinders Ouevre und die Stimme, die sein Erbe lebendig hält. 1967 hatte sie der junge Regisseur als "Antigone" ans Münchner "Action-Theater" geholt und zur tragenden Figur seines "Anti-Theaters" gemacht. Mit "Liebe ist kälter als der Tod" begann 1969 ihre Filmkarriere, mit "Die Ehe der Maria Braun" und "Lili Marlen" kam der große Ruhm. Auf Fassbinder folgten George Tabori, Wim Wenders, Volker Schlöndorff, Margarethe von Trotha und andere; zu Beginn eine "Vorstadt-Diva", später ein Star des deutschen Autorenfilm und der europäischen Filmszene. Mit Regisseuren wie Ettore Scola, Jean-Luc Godard und Carlos Saura wurde Hanna Schygulla zur Stil-Ikone und betörte Generationen von Kinogängern. Vielfach ausgezeichnet, holte sie das Filmband in Gold, den Silbernen Bären aus Berlin, die Goldene Palme aus Cannes nach München, spazierte mit Helmut Newton durch den Englischen Garten, widmete sich über Jahre ihren pflegebedürftigen Eltern am Rande der Stadt und startete dann neu mit jungen Regisseuren wie Jörg Graser, Hans Steinbichler und Fatih Akin. Als liebenswerte Schwester Myriam war sie jüngst in Cédric Kahns "Auferstehung" zu sehen. Berlin ehrte sie mit dem Goldenen Bären für ihr Lebenswerk. Ihre Autobiographie erzählt, wie aus dem schlesisch-polnischen Flüchtlingskind im zerstörten Nachkriegsmünchen ein Weltstar wurde, der Glamour in die Isar-Metropole brachte. Der Buchtitel klingt wie ihr Lebens- und Schauspiel-Motto: "Wach auf und träume".

Mit dem Kulturellen Ehrenpreis an Hanna Schygulla ehrt die Stadt München eine Chanteuse und Schauspielerin, die in Paris lebt; die Filmgeschichte schrieb und ihre Bindung an München aufs Natürlichste mit französischer Lebensart, internationalem Renomée und Weltläufigkeit in Einklang bringt."

Mitglieder der Jury

Oberbürgermeister Dieter Reiter; Kulturreferent Anton Biebl; Dr. Roger Diederen, Direktion Kunsthalle der Hypo-Kulturstiftung; Meret Forster, Bayerischer Rundfunk – Bayern 4 Klassik;  Susanne Hermanski, Süddeutsche Zeitung – Kultur; Prof. Bettina Reitz, Hochschule für Film und Fernsehen München; Cornelia Zetzsche, Bayerischer Rundfunk – Literatur; Nina Hümpel, Kuratorin DANCE und aus dem Stadtrat: Angelika Pilz-Strasser, Fraktion Die Grünen-Rosa Liste; Dr. Florian Roth, Fraktion Die Grünen-Rosa Liste; Julia Schönfeld-Knor, Fraktion SPD/Volt; Beatrix Burkhardt, Fraktion der CSU sowie Hans-Peter Mehling, Fraktion ÖDP/FW