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Stiftung „Münchner Bürgerpreis für Demokratie - gegen Vergessen“ 2017


Jurybegründungen

Projekt „Spurensuche“

Im Projekt „Spurensuche“ haben sich 41 Schülerinnen und Schüler des Ernst-Mach-Gymnasiums Haar und der Mittelschule Haar intensiv mit der NS-Zeit und den von der NS verübten „Euthanasie“-Verbrechen und ihren Opfern insbesondere in Haar und München auseinandergesetzt und ein Theaterstück ent­wickelt. Initiiert und professionell begleitet wurde das Projekt von den Theaterlehrern, Farina Simbeck und Thomas Ritter, mit Unterstützung der Bürgerstiftung Haar und der Weiße-Rose-Stiftung München.

Mit dem Theaterprojekt bringen die 13 bis 16 jährigen Schülerinnen und Schüler Menschen in Erinne­rung, die wegen einer psychischen Erkrankung oder körperlichen Behinderung unter dem NS-Regime in der Heil- und Pflegeanstalt Eglfing Haar ermordet wurden. Höchst verantwortlich haben sich die Schülerinnen und Schüler mit den lokalen Ereignissen auseinandergesetzt und aktuelle Bezüge zum Leitbild Inklusion hergestellt. Entstanden ist eine dokumentarisch-performative Inszenierung "Spuren­suche - Was für ein Mensch willst du sein?", die das Publikum mit einbezieht und zum Handeln und Reflektieren veranlasst.

Das Projekt „Spurensuche“ zeichnet sich aus durch seinen partizipativen und kreativen Ansatz, der den gesamten Prozess von der Recherche zum Thema bis zur theatralen Umsetzung umfasst. Nach einjährigen Vorbereitungs- und intensiven Recherchearbeiten hatte die Performance "Spurensuche - Was für ein Mensch willst du sein" am 26. April 2016 in der Aula des Ernst-Mach-Gymnasiums in Haar Premiere. Dass das Projekt weit über den Raum der Schule hinaus Wirkung zeigt, ist unter an­derem am großen Zuspruch und an den Anfragen nach weiteren Aufführungen nicht nur in Haar und München, sondern bundesweit erkennbar.

Das Projekt wird dem Anliegen des „Bürgerpreises für Demokratie - gegen Vergessen“ besonders gerecht, da es zur Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit im Sinne einer lebendigen Erinne­rungskultur beiträgt. Junge Menschen wirken aufklärend und setzen sich aktiv gegen Diskriminierung und Ausgrenzung in der heutigen Gesellschaft ein.


Ehrenpreis 2017: Romani Rose

Mit dem Ehrenpreis würdigt die Stiftung „Münchner Bürgerpreis für Demokratie – gegen Verges­sen“ Romani Rose, der mit seinem langjährigen politischen Engagement für die Gleichbe­rechtigung von nationalen Minderheiten bis heute einen maßgeblichen Beitrag zur Förderung der liberalen Bürgergesellschaft und Demokratie leistet.

Romani Rose hat sich insbesondere um die Aufklärung über die Menschheitsverbrechen der NS-Zeit und um die internationale Wahrnehmung des Völkermords an den Sinti und Roma verdient gemacht. Die Bürgerrechtsarbeit für Minderheitenrechte, der Kampf gegen Rassis­mus sowie das Bemühen um Gleichberechtigung, haben besonders auch in München die öf­fentliche Debatte gegen Diskriminierung von Sinti und Roma gestärkt.

Romani Roses entschlossenes Wirken als Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma und Leiter des Dokumentations- und Kulturzentrums Deutscher Sinti und Roma in Hei­delberg gegen die bis heute andauernde Ausgrenzung und Benachteiligung ist ein wichtiger Beitrag zur Verteidigung unserer Demokratie.

Jurymitglieder

Kulturreferent der Landeshauptstadt München, Dr. Hans-Georg Küppers, Verena Miriam Hamm, Detlef Esslinger, Ilse Macek, Lukas Muffler, Karin Schmidbau­er, Mi­chael Schneider-Velho, Ilse Ruth Snopkowski, Dr. Mi­chael Stephan
 

Die Preisverleihung findet am Montag, 22. Mai, um 18 Uhr vor geladenen Gästen im NS-Doku­mentationszentrum München statt.