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Schwabinger Kunstpreise 2011


Jurybegründungen

Till Hofmann

Man könnte ihn den Großunternehmer der Schwabinger Kleinkunst nennen, wäre das nicht ein Widerspruch in sich. Und widerspräche seinem lausbübischen, spielerischen Charakter. Doch Till Hofmann ist etwas gelungen, was heutzutage nicht mehr selbstverständlich, ja, außergewöhnlich ist: Er hat die Kleinkunst gegen den Kommerz verteidigt. Dass er Altschwabinger Tradition, wenngleich in modernem Gewande, pflegt, in einem Viertel, in dem sich seit Jahren Handyläden, Coffee-To-Go-Theken und Trash-Mode breit machen, verdient Respekt und Würdigung. Mit der Übernahme des Lustspielhauses hat es begonnen, dann kamen Lach- und Schießgesellschaft, Cafe Ringelnatz und das Vereinsheim hinzu, und inzwischen funktioniert das Imperium Hofmann so prächtig, dass es über die Stadtviertel, ja, die Landesgrenzen bis nach Wien expandiert. Dem Impresario daraus einen Vorwurf zu machen, ginge an der Sache komplett vorbei. Denn er pflegt die hohe Kunst des Kabaretts genauso wie die Lust an der Blödelei, hier haben nicht nur die Großkopferten unter den bayerischen Kabarettisten, sondern auch jede Menge Nachwuchskünstler eine Chance. Der gebürtige Niederbayer, der nebenher auch noch eine Konzertagentur betreibt und die Band „La Brass Banda“ managt, hat das Vereinsheim zu einer beliebten Expermentierbühne für junge Autoren und Künstler entwickelt. Immer nach der Maxime: Spaß soll es machen, dem Publikum, den Künstlern und ihm selbst. Und weil in der Occamstraße 8 einst die Schwabinger Gisela ihr Lokal hatte, will er seiner Vorgängerin mit einem Musiktheater ein Denkmal setzen. Da lebt ein Stück Schwabing, wie es einmal war, und da schließt sich aufs Vortrefflichste der Kreis zwischen Wahnmoching und Generation Facebook.

Edmund Puchner

Der Steinmetz und Bildhauer Edmund Puchner wird nicht zu Unrecht als Urgestein der Schwabinger Künstlerszene bezeichnet. Seit seiner Studienzeit lebt Edmund Puchner in München und arbeitet seit 1962 als freischaffender Künstler in der Landeshauptstadt. Vor allem die zahlreichen Brunnen der Stadt München, wie beispielsweise im Cosimapark, der Fasanenparksiedlung, der Heß- oder der Schützenstraße, sind Zeugnisse seiner Ideen, die ein Denkmal für die Münchner Kunst setzten. Mit unterschiedlichsten Werken für Kunst im öffentlichen Raum machte er sich weit über die Grenzen Bayerns hinaus einen Namen. Der Materialeinsatz des Künstlers ist ausgesprochen vielfältig. Neben Stein verwendet er auch Holz, Gips, Bronze oder Eisen und lässt daraus Skulpturen entstehen, die meist durch den zusätzlichen Einsatz von Farbe zum vollkommenen Kunstwerk werden. Wichtig ist ihm dabei, dass alle seine Kunstwerke „ein Eigenleben haben müssen. Erst dann kann man es der Nachwelt hinterlassen“. Selbst der Raum um Skulpturen und Brunnen „hat Energie“. „Da liegt immer etwas Geheimnisvolles drin.“ Vielleicht ist es das, was die Menschen an seiner Kunst so anzieht. Ort seines Schaffens – ein Atelier am Englischen Garten, inmitten wilder Natur – ist Treffpunkt von Münchner Künstlerinnen und Künstlern, die sich von diesem Raum der Inspiration angezogen fühlen.
Seit seiner Ankunft ließ Schwabing den gebürtigen Tiroler nicht mehr los und war geistiger Antrieb für seine Kunst. Aus diesem Viertel schuf er Kraft; es machte ihn zu dem, was er heute ist: ein Künstler, der den Geist der einst renommierten Boheme wieder auferstehen lässt und dafür sorgt, dass dieses Flair auch heute noch bewahrt wird.

Hans Daucher

Professor Hans Daucher lehrt als Emeritus noch immer am Institut für Kunstpädagogik des Departements für Kunstwissenschaft der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU).

Den gebürtigen Amberger zog es kurz nach dem Krieg nach München, wo er zunächst Philosophie und Psychologie und dann an der Akademie der Bildenden Künste Malerei studierte. Seine Wohnung mit Atelier wurde bald zum Treffpunkt der Schwabinger Kunstszene. Denn Hans Daucher hatte damals schon nach der Devise gearbeitet: Mache Kunst und diskutiere darüber. Schon immer war es ihm wichtig, Menschen im besten Sinne Kunst beizubringen. In den 70er Jahren gelang ihm Dank seiner Überzeugungs- und Durchsetzungskraft, die Eingliederung der Kunstpädagogik in die Fakultät der Kunstwissenschaften der LMU. Fragt man nach Dauchers Verdiensten in seiner aktiven Zeit als Professor für Kunstpädagogik, fällt immer schnell der Begriff vom „frischen Wind“, den er entfachte. Nur ein Beispiel: Schon 1986 konnten sich seine Studenten aktiv mit der Bildgestaltung am Computer auseinandersetzen, eine Pioniertat und Indiz dafür, dass Neugier und Offenheit für künstlerisches Arbeiten unabdingbar sind. Zeit seiner Lehrtätigkeit hat Hans Daucher Tausenden angehenden Kunstpädagogen die Lust an einem Metier eingeimpft, das im schulischen Alltag immer mehr in den Hintergrund gedrängt wird. Nicht zuletzt durch seine Kurse auf Frauenchiemsee und seine legendären Mal-Reisen nach Capri, wo er Studenten ermöglicht, zu Jugendherbergspreisen in einer der welt-schönsten Villen zu arbeiten. Viele der dort entstandenen Werke werden in der Katholischen Hochschulgemeinde an der Leopoldstraße ausgestellt.
Hans Dauchers sechsbändiges Opus Magnum „Wege des Zeichnens“ ist zum Standardwerk für alle geworden, die sich mit Bildender Kunst beschäftigen. Seine „Große Zeichenschule“ wurde unlängst zum wiederholten Male neu aufgelegt.“

Jurymitglieder

Karl Forster, Süddeutsche Zeitung; Ronald Köhler, BR-Fernsehen; Gabriella Lorenz, Abendzeitung; Martina Scherf, Süddeutsche Zeitung, und Michael Schleicher, Münchner Merkur.