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Schwabinger Kunstpreise 2013


Jurybegründungen

Ilse Neubauer

Wenn man Ilse Neubauer etwas vorwerfen kann, dann, dass sie sich im Theater viel zu rar gemacht hat. Ihr Debüt gab sie am Residenztheater, wo sie dann gelegentlich gastierte.
1975 spielte sie mit Jörg Hube die Uraufführung des Kroetz-Stückes „Das Nest“ im Modernen Theater - ein Highlight der freien Theaterszene. Das Bayerische Fernsehen wurde dann aber schnell auf die dialektsichere Münchnerin aufmerksam und holte sie in den 1970er Jahren von der Bühne weg vor die Kamera. Da spielte sie sich in die erste Riege bayerischer Volksschauspieler. Sie war in fast allen Kult-Fernsehserien dabei: „Meister Eder und sein Pumuckl“, „Polizeiinspektion 1“, „Münchner G'schichten“, „Café Meineid“, „München 7“,
„Der ganz normale Wahnsinn“, „Irgendwie und sowieso“, „Monaco Franze“ sowie in zahlreichen Filmen. Richtig populär wurde sie als „Ilse-Hasi“ neben Helmut Fischer in der Serie „Die Hausmeisterin“.
Zahlreiche Sendungen im Bayerischen Rundfunk machten ihre Stimme zum Erkennungs-merkmal. In Willy Puruckers Hörspiel-Serie „Die Grandauers und ihre Zeit“ verkörperten
sie und Karl Obermayr sowohl die erste wie die zweite Generation der Ehepaare Grandauer. Dank einer Ausnahmegenehmigung spricht sie weiter regelmäßig im BR, obwohl sie das Rentenalter erreicht hat.
Ilse Neubauer wohnte jahrzehntelang in Schwabing, jetzt betreibt sie in der Innenstadt mit ihrem Sohn Andreas, einem Fotografen, die kleine Galerie „Schauraum 1899“. Aber man
sieht sie oft - und meist hoch zu Rad - in Schwabing, wo sie dem früheren Traumstadt-Salon und dem Seerosenkreis eng verbunden ist.

Holger Paetz

Vielleicht liegt es daran, dass er – obgleich gebürtiger Münchner - in Leider aufgewachsen ist, einem Stadtteil von Aschaffenburg. Das „Leider“ ist sozusagen ein Grundmotiv des Bühnenmenschen Holger Paetz geworden. Keiner in der Kabarettszene nörgelt so schön wie der hagere Schlacks mit den wild rudernden Armen, den stets spöttisch herabgezogenen Mundwinkeln und der nöligen Stimme. Seit 1977 macht er das von Schwabing aus. Er fing als Liedermacher – als „Folkie“, wie er selbst sagt – in den einschlägigen Münchner Talentbühnen wie dem KECK, dem Hinterhoftheater oder der Liederbühne Robinson an, nebenbei jobbte er als Kellner, Friedhofsgärtner oder Archivar. Bald aber verlagerte sich der Schwerpunkt auf das Wort. Die Ohnmacht des Einzelnen gegenüber den Zumutungen der Zivilisation ist seit langem ein Leitmotiv seiner mal hinreißend polemischen, mal fast literarisch-poetischen Texte – in dieser Mischung typisch Schwabing, möchte man meinen. Ob in diversen Soloprogrammen, im Duo mit Uli Bauer, kurz als Mitglied des wiedererstandenen Lach- und Schieß-Ensembles oder viele Jahre lang als Westerwelle-Darsteller und Chefautor des Nockherberg-Singspiels, ob bei Kabaretthochämtern wie dem „Scheibenwischer“ oder bei intimen Stelldicheins wie seinem Monatsrückblick im Karl-Valentin-Musäum – die Republik muss zur Kenntnis nehmen, was bei Holger Paetz in der Isabellastraße satirische Gestalt annimmt.

Michael Wladarsch und Dr. Sylvia Katzwinkel

Einmal im Jahr blüht Schwabing auf. Dann öffnen sich ein Sommerwochenende lang die Türen zu den, man sage und staune, fast 150 Ateliers im Viertel. Die Kunst, die übers Jahr hier mehr im Verborgenen gedeiht, wird lautstark wahr genommen. Menschen feiern zusammen, hören Musik und Lesungen, sehen Performer und Pantomimen und die neuesten Arbeiten der bildenden Künstler in ihrem Viertel – und wundern sich, welche Kostbarkeiten in ihrer Nachbarschaft sie bisher übersehen hatten. Zum zehnten Mal gibt es in diesem Sommer „Kunst im Karree“. Michael Wladarsch und Sylvia Katzwinkel gebührt der Dank für dieses Ereignis, das aus dem Jahreskalender nicht mehr wegzudenken ist und das Westschwabing zu einer fast verloren gegangenen Identität verhilft. Das Paar hat sich der zeitgenössischen Kunst verschrieben und hilft auch unterm Jahr kreativen Köpfen, sich zu präsentieren. Im ehemaligen Bierkeller ihres Grafikdesignstudios in der Georgenstraße 84 veranstalten die beiden unter dem Label „84 GHz“ monatlich einen Jour fixe mit Vorträgen, Performances, Ausstellungen. Junge Künstler der Münchner Akademie, aber auch Avantgardisten aus New York oder Talinn dürfen den Raum kostenlos nach Herzenslust bespielen.
Dass sich Wladarsch und Katzwinkel auch noch beim Straßenfestival „Corso Leopold“ engagieren, sei ebenfalls erwähnt. So viel Engagement, um den Geist von Schwabing wiederzubeleben, ist preiswürdig.
 

Jurymitglieder

Oliver Hochkeppel, Kulturjournalist; Ronald Köhler, Bayerisches Fernsehen, Gabriella Lorenz, Abendzeitung, Christian Pfeil, Monopol-Kino, und Martina Scherf, Süddeutsche Zeitung.