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Schwabinger Kunstpreise 2014


Jurybegründungen

Roman Bunka

ist Oud-Spieler, Gitarrist, Komponist und gilt als Pionier der „Weltmusik“-Szene.
Die Biographie des 1951 in Frankfurt am Main Geborenen steht für ein eigenes Kapitel jüngerer deutscher Musikgeschichte. 1971 zog er nach München. Seit Ende der 80iger Jahre lebt er in Schwabing und bereist die Welt, vorzugsweise Indien, Korea und Nordafrika.
In den 70iger Jahren gehörte er dem in München gegründeten Musiker-Kollektiv Embryo an. Mit dieser Weltmusik-Band unternahm er ausgedehnte Konzertreisen in andere Kontinente und nahm zahlreiche Alben auf. 1976 spielte er mit dem indischen Meister-Perkussionisten Trilok Gurtu, der später mit John Mclaughlin seine größten Erfolge feierte, in Bombay. Auf der Suche nach einem zweiten Saiteninstrument, das geeigneter für seine musikalische Entwicklung in Richtung modale und mikrotonale Tonsysteme scheint, entdeckte er die arabische Laute, die bundlose Mutter der Gitarre, die "Oud". Solo-Konzerte in Tunis, Kairo, Assuan, Damaskus, Aleppo, Sanaa, Beirut und sein Auftritt auf dem Jazz-Festival in Granada bringen seine "ganz persönliche Entdeckungsreise durch die arabische Musik" einem interessierten Welt-Musik Publikum näher.
Auch in der Welt der Filmmusik und Hörfunkproduktionen ist Roman Bunka zu Hause. Unter anderem spielt er die Musik zum Kinofilm "Bin ich schön?" von Doris Dörrie ein. Mit der Regisseurin Grace Yoon realisierte er Hörspiele wie z.B. "Tunguska-Guska" (Prix Futura BBC) und "Earborn".
Das Berliner Jazz Festival präsentierte mit Roman Bunka einen der profiliertesten deutschen Oud-Spieler und Gitarristen, über den die Zeitschrift "Stereo" einmal schrieb: "Roman Bunka verbindet mit seinem märchenhaften Solo auf der arabischen Laute alle Völker und Kulturen!"

Helmut Färber

Ob Doris Dörrie, Wim Wenders, Bernd Eichinger, Sönke Wortmann oder Roland Emmerich, sie alle sind wie viele weit weniger Berühmte bei ihm in die Schule gegangen, haben den Inbegriff dessen, was filmisches Erzählen ausmacht, bei ihm studiert. Helmut Färber hat als Filmhistoriker, Autor und Journalist ganze Generationen junger Filmemacher in Deutschland und damit den europäischen Film maßgeblich und stilbildend beeinflusst. Helmut Färbers Artikel in der Zeitschrift Filmkritik und in der Süddeutschen Zeitung waren dafür ein genauso wesentlicher Bestandteil wie sein Unterricht in Filmgeschichte an der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) München und der Deutschen Film- und Fernsehakademie in Berlin (DFFB), der weit über dreißig Jahre lang Filmstudenten mit kinematographischer Kultur und Poesie in Dialog brachte. Der gelernte Buchdrucker, der mit dreiundzwanzig das Abitur nachgeholt hatte, fotografierte in mühevoller Kleinarbeit einen Film Einstellung für Einstellung vom Schneidetisch ab und beschrieb diese minutiös in einem Begleitband des zweibändigen Werkes, das er selbst verlegte.
Helmut Färber ist unter den Deutschen Filmern längst legendär. Er produzierte mehrere Fernsehsendungen für den WDR und verfasste zahlreiche weitere Texte, die in den letzten Jahren auch in der französischen Zeitschrift "Trafic" erschienen sind. Die Bücher und Texte des Schwabinger Filmhistorikers, u.a. "Baukunst und Film", über Mizoguchi Kenji, Yasujiro Ozu, D.W. Griffith, aber ganz besonders über Jean Renoir, sind beispielhaft für Helmut Färbers Fähigkeit, gerade jene oft übergangenen Meisterwerke, die zeitlos sind, für den Betrachter neu zu entschlüsseln und in ihrem Wesen zu verstehen. 1995 wurde Färber mit dem Petrarca Preis ausgezeichnet.

Cornelia von Seidlein

Die Grafikerin, Illustratorin und Zeichnerin Cornelia von Seidlein steht allein schon mit diesen drei Berufungen in einer großen Schwabinger Tradition vom Simplicissimus bis heute. Sie beherrscht die Kunst, mit wenigen Strichen eine Szene darzustellen, ebenso perfekt, wie sie es vermag, die Essenz einer Geschichte oder gar eines Buches meist durch stilistische Reduktion auf den Punkt zu bringen. Wäre Cornelia von Seidlein eine Köchin, so müsste man sagen: Sie versteht es, eine Sauce so einzukochen, dass ihre Aromen erst richtig zur vollen Entfaltung gelangen - ihre Themen behandelt sie selten direkt illustrierend, meistens umspielt sie sie mit dem Zeichenstift, mal konterkariert sie sie, aber stets trifft sie erstaunlich genau.
Mit drei Jahren begann sie zu zeichnen und hat nie mehr damit aufgehört, sie
studierte Kostümkunde, Grafik und Malerei in München und London und begann 1977 mit einem eigenen Atelier für Illustration und Gestaltung. Seither arbeitet sie für Zeitungen und Zeitschriften, macht politische Karikaturen und Schriftstellerporträts. Daneben gehört ihre Leidenschaft auch der künstlerischen Collage. Ihre Arbeiten waren schon in Berlin, Hamburg , London und natürlich in Schwabing, wo sie lebt, in verschiedenen Galerien zu sehen.

Undotierter Ehrenpreis 2014 an Christian Ude

Im vergangenen Jahr wurde der undotierte Ehrenpreis des Schwabinger Kunstpreises ersetzt durch einen mit schnödem Mammon ausgestatteten normalen Preis. Angesichts bekannter besonderer Umstände hat das Entscheidungsgremium mit großer Mehrheit, ja geradezu einstimmig beschlossen, diesen prestige- und traditionsreichen undotierten Ehrenpreis noch einmal aufleben zu lassen. Für eine Person, eine Persönlichkeit, ein Gesamtkunstwerk, um das uns Münchner die ganze Welt beneidet, für ein Schwabinger Urgestein, das so alt ist und wertvoll, dass es nicht einmal mehr Oberbürgermeister sein darf: Christian Ude.

So überragend sind seine Verdienste, so vorwiegend heldenhaft seine Taten, so reich die Facetten seiner Persönlichkeit und so unübertroffen seine Wortgewalt, dass er allein in der Lage wäre, dies alles intellektuell und rhetorisch in den Griff zu bekommen. Das Entscheidungsgremium hat sich dieser Erkenntnis gebeugt und die Waffen gestreckt und hofft, dass der kundige und kampferprobte Laudator der Herausforderung gewachsen ist.

Jurymitglieder

Christiane Böhnke-Geisse (Jazzclub Unterfahrt), Jürgen Eickhoff (Galerie Spektrum), Franz Kotteder (Süddeutsche Zeitung), Gabriella Lorenz (Abendzeitung) und Christian Pfeil (Monopol-Kino)