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Schwabinger Kunstpreise 2018


Jurybegründungen

Thomas Kuchenreuther

Claude Chabrol schrieb ihm ins Gästebuch: „Wer das Kino liebt, muss mit dem ABC beginnen.“ Vertieft haben viele ihre Leidenschaft für die Sprache der Filmkunst in Thomas Kuchenreuthers ABC Kino und in seinen beiden anderen Kinos „Leopold“ und „Münchner Freiheit“. Darunter die Filmemacherriege des Neuen Deutschen Films: Kluge, Reitz, Fassbinder, Wenders, Herzog, Lemke. Als sie noch Studenten waren an der Münchner Filmhochschule, füllten sie ihre Bilderwelten, gebannt vor Kuchenreuthers Leinwänden, bei den älteren Meistern auf. Noch heute kommen Wenders und Herzog, um ihre eigenen Werke zu präsentieren und mit dem kundigen Publikum zu diskutieren, das Kuchenreuther herangebildet hat.

Er sei ein „Besessener“, sagt er von sich, und diese Obsession hat sich manchmal schon derart Bahn gebrochen, dass er selbst als Produzent aufgetreten ist. Gemeinsam mit seinem Bruder, dem unvergessenen Steffen Kuchenreuther, hat er Werner Schroeters "Malina" (1991) und Herbert Achternbuschs Filme "Hades" (1995) und "Ab nach Tibet!" (1994) produziert. Dass er trotzdem immer in Schwabing geblieben ist, und von dort aus die deutsche Filmkultur mitgeprägt hat, dafür sei ihm gedankt.

Uli Oesterle

Der Autor und Zeichner Uli Oesterle (Jahrgang 1966) erhält den Schwabinger Kunstpreis in der Rubrik Literatur. Uli Oesterle, brillanter Erzähler und genialer Zeichner in einem, ist eine feste Größe der Comic-Szene – in München, überregional und längst auch international. In seinen Büchern und Alben gehen Text und Illustration, Tradition und Innovation eine geniale Verbindung ein. In seinem Schwabinger Studio entstehen seit den neunziger Jahren großangelegte Comics mit einem außerordentlichen Gespür für Rhythmus und Geschichte(n). Unvergesslich: „Hector Umbra“, ein Künstlertyp, der sich durch den Münchner Untergrund, durch die Nacht, durch Kneipen, Träume und Vorahnungen kämpft, natürlich immer an Originalschauplätzen, wobei bekannte Orte oftmals aus überraschenden Perspektiven gezeichnet werden und die Leserinnen und Leser in einen ganz eigenen Kosmos entführen: eine Art „Wahnmoching“ unserer Zeit. Beide zusammen, Hector und sein Erfinder Uli Oesterle, haben den Schwabinger Kunstpreis unbedingt verdient.

Klavierduo Yaara Tal / Andreas Groethuysen

Seit mehr als 30 Jahren startet das Klavierduo Tal/Groethuysen von Schwabing aus seine Reisen in die ganze Welt. Sie begeistern die Zuhörer auf allen Kontinenten mit ihrem klanglich-ästhetisch ausgewogenen Spiel in traumwandlerischer Synchronität von Atem, Technik und Virtuosität. Ihnen zuzuhören gleicht dem Erlebnis, einem Fabelwesen mit zwei Köpfen zu lauschen, welches aus zwei Mündern spricht und doch wie eine Stimme klingt. Aufregend, wie ihre Interpretation der berühmten Klassiker, oft in unbekannten Bearbeitungen neu entdeckt, selbst dem abgebrühten Klassikhörer ungeahnte Dimensionen öffnet!

Daneben gilt ihre Leidenschaft der Entwicklung spannender Programme, verbunden mit der ständigen Erweiterung ihres und damit allgemein der seltenen Gattung des Klavierduo-Repertoires. Dass sie schon vielfach Preise der deutschen Schallplattenkritik und fünfmal den ECHO KLASSIK einheimsten, hindert uns nicht, ihnen für ihren einmaligen und originellen Weg mit ihrem bisherigen Lebenswerk den Schwabinger Kunstpreis zu verleihen.