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Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Literatur 2019


Jurybegründung

Annegret Liepold: „Überlandfahrt“

Annegret Liepolds Romanprojekt „Überlandfahrt“ beschäftigt sich mit der Frage nach  Standpunkten. Auf Handlungsebene muss sich die Protagonistin Franka zu ihrer eigenen Geschichte verhalten, eine Haltung zu den Ereignissen ihrer Vergangenheit gewinnen. Weil ein enger Freund zu Schulzeiten in rechtsextreme Netzwerke eingebunden war, wurde Franka als „Nazischlampe“ beschimpft. Ein Skandal entwickelt sich, Franka muss die Schule verlassen. Elf Jahre später sieht sie sich erneut mit den Ereignissen von damals konfrontiert. Virtuos zeichnen sich ihre Unsicherheit, ihre Durchlässigkeit auch in der Erzählhaltung ab. Frankas Perspektive auf die Welt ist nicht stabil, genauso wenig wie ihre Stimme, immer wieder sind sie offen für die Meinungen und Wörter anderer. Durch das Erzählen in „Überlandfahrt“ schimmert deutsche Realität. Ein Campingplatz im Naherholungsgebiet, ein Brotzeitbrett aus Plastik, das die Aufschrift „Weltmeister 2014“ trägt. Es wird hier nicht nur von Franka erzählt, die sich mit ihrer Geschichte befasst, Verantwortung übernimmt und Scham überwindet, sondern auch die jüngste Geschichte Deutschlands in den Blick genommen.

Annegret Liepold, 1990 geboren, hat bis 2018 Allgemeine und Vergleichende Literaturwissenschaft an der LMU studiert und arbeitet heute dort. Ihre Erzählung „Die Schwäne“ war für den Literaturförderpreis New Voices Award nominiert; 2018 nahm sie am Studierendenseminar der Bayerischen Akademie des Schreibens teil.

 

Jurymitglieder

Britta Claus (Penguin), Dr. Florian Kessler (Hanser Verlag), Vladimir Kholodkov (Literaturstipendiat 2017), Eva-Maria Kaufmann (dtv), Dr. Katrin Lange (Literaturhaus München) und Hannes Ulbrich (Piper Verlag);

für die Kinder und Jugendbuchstipendien: Christine Knödler (Publizistin), Silke Kleemann (Stipendiatin 2015), Edith Offermann (Kuratorin Kinderprogramm Bücherschau) und Sebastian Zembold (Verlag mixtvision);

für das Übersetzungsstipendium: Regina Rawlinson (Stipendiatin 2017), Wanda Jakob (Verlag Antje Kunstmann), Dr. Katrin Sorko (Blessing Verlag);