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Stipendien für Musik 2011


Musikstipendien der Landeshauptstadt München 2011

Jurybegründungen

Nélida Béjar
Nélida Béjar engagiert sich mit ihrem experimentellen Musiktheater in einer Kunstform, die in München im Gegensatz zu anderen europäischen Städten noch relativ wenig kultiviert wird. Dabei setzt sich die hier geborene Komponistin mit großem Mut und kompositorischem Können dem Risiko eines prozessorientierten Arbeitens aus. Vor allem die Wahl ihrer Akteure passt sie konsequent den inhaltlichen Fragestellungen ihrer jeweiligen Projekte an. So arbeitet sie beispielsweise in ihrem Stück "Zum Ewigen Frieden" mit polnischen Zeitzeugen des 2. Weltkriegs oder am Münchner Flughafen in "Schwerer als Luft" mit 20 Flugzeugabfertigern.
Ihre bisherigen Arbeiten, die eine stilübergreifende Ausrichtung haben, überzeugten die Jury, weil sie auf der einen Seite sinnliche Erfahrbarkeit garantieren und auf der anderen Seite die komplexen konzeptionellen Denkansätze der Komponistin widerspiegeln. Deshalb empfiehlt die Jury, Nélida Béjars Kompositionsvorhaben "Entdeckung Amerikas" für elfköpfiges Ensemble und Chor, für das sie sich auch intensiv mit der Musik der Renaissance beschäftigen möchte, durch ein Musikstipendium zu fördern.
 

Monika Roscher
Mit dem Stipendium soll Frau Roscher die Fortsetzung ihres Big Band Projektes ermöglicht werden und damit zusammenhängend die Arbeit an der Weiterentwicklung ihres Kompositionsstils. Frau Roscher besitzt ein hohes Potential an musikalischer Fantasie und Ausdruckskraft sowie großes handwerkliches Können. Ihr Stilspektrum verbindet sowohl Elemente der Jazztradition als auch Jazzavantgarde bruchlos und spielerisch mit Anklängen aus der Popularmusik, der Weltmusik und der Minimal Music.
In Verbindung mit Monika Roschers Energie, Geduld und Durchsetzungskraft kann ihr Big Band Projekt zu einer beständigen Einrichtung in der freien Münchner Musikszene werden und hier entsprechend neue Akzente setzen. Auf die Realisation des Big Band Projektes und vor allem auf die neuen Kompositionen dafür darf man sich freuen, da Monika Roscher offensichtlich auch die Fähigkeit hat, musikalische Grenzen mutig zu überschreiten, ohne dabei ihre Authentizität zu verlieren.
 

Arash Safaian
Arash Safaian ist im Iran geboren, lebt aber seit vielen Jahren in Deutschland und ist ein von der westlichen Musiksprache geprägter Komponist. Er studierte Komposition bei Hans-Jürgen von Bose, Jan Müller-Wieland und Enjott Schneider.
In der Zither hat der Komponist Arash Safaian nicht nur ein missing link zwischen europäischer und orientalischer Musiktradition entdeckt, sondern auch ein ganzes Arsenal aus magischen Klangbildern und unverbrauchten Klangkategorien. Safaian lernte das Instrument über den Münchner Zitherspieler Georg Glasl kennen, für den u.a. Komponisten wie Violeta Dinescu, Georg Friedrich Haas, Bernhard Lang oder Dieter Schnebel komponiert haben.

In seinem Kompositionsprojekt „Circles“ für Zither (Georg Glasl) und Bratsche (Kelvin Hawthorne) trifft die so genannte Neue Musik auf Einflüsse orientalischer Hochkulturen. Das Ergebnis ist ein gelungenes Beispiel von Akkulturation im Bereich zeitgenössischer Musik. Auch wenn Safaian in der Tradition europäischer Musik aufwuchs, ist er nicht zentriert auf den europäischen Begriff der Neuen Musik. Unverstellt öffnet er sich Einflüssen anderer Kulturen, hinterfragt den Topos „Schönklang“ und eröffnet den Interpreten zeitgenössischer Musik neue Herausforderungen.

Auch beschäftigt Safaian sich in dem Stück mit der Zahlensymbolik innerhalb der sufistischen Weltanschauung. Er führt Musiker und Hörer in neue musikalische und außermusikalische Denkmuster, deren Verwandtschaft mit christlich-barocker Zahlensymbolik ihnen jedoch das allzu Fremde nehmen. Interessant vor allem für das Münchner Publikum ist die Tatsache, dass der Aufführungsort in jedem Konzert als Teil der Komposition in Erscheinung tritt. Safaian denkt dabei an außergewöhnliche Orte, denen eine mystische Kraft innewohnt, wie die Allerheiligenkirche oder die Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen. Denkbar seien aber auch, so der Komponist, Aufführungen an „Anti-Orten“ wie Tiefgaragen und anderen Hallen.
Die Jury empfiehlt, Arash Safaian mit einem Musikstipendium der Stadt München bei der Umsetzung dieses aktuellen Kompositionsvorhabens zu unterstützen.“
 

Jurymitglieder
Franz-David Baumann (Leiter der New Jazz School München), Andreas Kolb (Musikredakteur), Anja Lechner (Musikerin), Ute Legner (Festivalleiterin),
Maria-Luise Mayr (Festivalleiterin), Mathis B. Nitschke (Musikstipendiat 2010) und aus dem Stadtrat Dr. Reinhard Bauer, Haimo Liebich (SPD), Marian Offman, Elisabeth Schmucker (CSU) und Thomas Niederbühl (Bündnis 90/Die Grünen/Rosa Liste).