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Ernst Hoferichter-Preis 2018 an Karl-Heinz Hummel


Jurybegründung

"Ein Sozialarbeiter kriegt den literarischen Hoferichterpreis! Aber den hat ja auch der Amtsrichter Rosendorfer schon bekommen. Juristen wie Sozialpädagogen haben eben oft einen besonders tiefen Einblick in menschliche Abgründe - und wenn sie dann noch Gespür für Amts-Aberwitz und Alltags-Grotesken haben und obendrein eine Lust auf Sprachgaudi, Parodie und eine Freude am Erzählen, dann sind sie auf einer Linie mit dem Münchner Weltenbummler Ernst Hoferichter.

Karl-Heinz Hummel, geboren 1953 in Buchloe (und quasi schon rentenfähig), hat Sozialpädagogik studiert und seit 1977 im Stadtjugendamt „gewirkt“, erst am Hasenbergl, dann im Münchner Westen – also durchaus als Jugendpfleger an „Brennpunkten“, wo man neben dem Puls auch die Blähungen einer Großstadt mitkriegt. Und zwar nicht nur die der Bewohner, sondern ebenso jene der Behörden: ideale Biotope für phantasievolle Kabarettisten und Humoristen. Weshalb Hummel bald schon Gedichte und Geschichten über die Höhen der Verwaltung und die Niederungen in Münchner Vorstädten schrieb, woraus dann oft Beiträge für Kollegen wurden oder eigene Programme für das Trio „Kabarest“ (um die 15 Programme hat er dafür verfasst!). Im derzeitigen mit dem Titel „München – ein grantig-komisches Musikkabarett“ geht’s über Open-Air-Konzerte, Wiesnwirte und Burkagestalten, über Immobilienentwickler, Flaschensammler und den Isar-Grill: „Bussi, Servus, schee war's, ja! I geh hoam, mei Dreck bleibt da. Plastikgabeln, Camembert schwoabt's hinab ins Schwarze Meer. Nächst' Woch kemma wieder her!“

Über derlei flotten Künsten wurde Hummel Leiter des Jugendkulturwerks, war beim Aufbau des „Feierwerks“ mit dabei, bei der „Pädagogischen Aktion“ und bei „Mini-München“ und machte sich stark für Räume, wo sich Kinder und Jugendliche künstlerisch freistrampeln konnten. Nebenher verfasste er  mit dem Komponisten Christian Auer skurrile Musicals und szenische Revuen und transferierte in die Münchner Gegenwart die Streiche von „Max und Moritz“: „...die mit schwarzen Eddingstiften Bus und Straßenbahn beschriften, morgens in der Schule fehlen und CDs im Kaufhaus stehlen“. Nicht besser erging's hernach den „Kids vom Struwwelpeter“: „Ob der Vater heut mal still sich zum Essen setzen will? Fragte sich in ernstem Ton Philipp, sein genervter Sohn.“
Und derzeit schreibt Hummel an einer Reihe mit alten und neuen Sagen („Bayrische Seeungeheuer“), die er gemeinsam mit der NaglMusi auf die Bühne bringt, und sitzt an einem Drehbuch über eine Schmugglergeschichte aus dem Bayrischen Wald. Wenn das nicht aufhorchen lässt."

Dem Stiftungsbeirat gehören der Kulturreferent der Landeshauptstadt München, Dr. Hans-Georg Küppers (Vorsitz), der Leiter der Münchner Stadtbibliothek, Dr. Arne Ackermann, sowie Wolfgang Görl, Dr. Brigitta Rambeck, Michael Skasa und Christian Ude an.