zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Publizistikpreis 2016


Jurybegründung

Publizistikpreis der Landeshauptstadt München 2016 an Ulrich Chaussy

Guter Journalismus braucht langen Atem. Ulrich Chaussy hat ihn: Der in Karlsruhe geborene Münchner Journalist recherchiert, schreibt und sendet seit über dreißig Jahren über das Münchner Oktoberfestattentat am 26. September 1980. Die Ermittlungsbehörden gingen von der Einzeltäterschaft des beim Attentat ums Leben gekommenen Neonazis Gundolf Köhler aus.
Ulrich Chaussys Recherchen ergaben anderes. 1985, in seinem Buch "Oktoberfest. Ein Attentat" hat sich Chaussy erstmals sehr kritisch und sehr umfassend mit der Alleintätertheorie der Ermittlungsbehörden auseinandergesetzt und den terroristischen Hintergrund des blutigsten Terroranschlags in der Geschichte der Bundesrepublik geschildert. Seither hat er eine Vielzahl von Texten darüber verfasst, zuletzt gemeinsam mit Daniell Harrich das Drehbuch zum Spielfilm "Der blinde Fleck". Zum Kinostart im Januar 2014 legte Chaussy die Fortschreibung seiner Recherchen wiederum als Buch vor, diesmal mit dem Untertitel "Wie die Verdrängung des Rechtsterrors begann".
Chaussy ist ein hartnäckiger und erfolgreicher Wahrheitssucher. Es gab Zeiten, da wurde er für einen Staatsfeind gehalten, weil er nach den rechtsradikalen Hintermännern des Anschlags forschte. Seine Recherchen haben die Bundesanwaltschaft veranlasst, den begründeten Zweifeln an der Einzeltäter-Theorie nachzugehen und im Dezember 2014 die Ermittlungen wieder aufzunehmen.
Die Hypothesen von nicht politisch motivierten Einzeltätern prägten jahrzehntelang den Blick auf den Rechtsextremismus und liegen auch dem Versagen von Polizei, Staatsschutz und Staatsanwaltschaft u.a. bei den Ermittlungen der Verbrechen des NSU zugrunde. Aber diese Verbrechen haben Wurzeln, eine große Wurzel steckt in der Münchner Theresienwiese. Ulrich Chaussy hat diese Wurzel ausgegraben. Wenn die Ermittlungsbehörden seine Recherchen früher beachtet hätten – vielleicht hätte einiges Schlimme verhindert werden können.

Mitglieder der Jury

Der Jury unter dem Vorsitz von Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers gehörten in diesem Jahr an: Sibylle Bassler (ZDF München), Prof. Dr. Hans-Bernd Brosius (Ludwig-Maximilians-Universität), Amelie Fried (Autorin und Publizistin), Christiane Grefe (Die Zeit), Prof. Dr. Heribert Prantl (Preisträger 2013), Ruthart Tresselt (Presseclub München e.V.) sowie aus dem ehrenamtlichen Stadtrat Kathrin Abele und Klaus Peter Rupp (SPD-Fraktion), Dr. Florian Roth (Bündnis 90/Die Grünen/Rosa Liste) sowie Beatrix Burkhardt und Marian Offman (CSU-Fraktion).
Die öffentliche Preisverleihung findet im Sommer im Rahmen einer geschlossenen Festveranstaltung im Literaturhaus statt.