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Publizistikpreis 2019


Jurybegründung

Publizistikpreis der Landeshauptstadt München 2019 an Robert Andreasch

Viele Zeitungsleser, Radiohörer und Fernsehzuschauer werden schon Informationen, Geschichten und Bilder von Robert Andreasch gelesen, gehört und gesehen haben, aber seinen Namen nicht kennen. Der 45jährige Fachjournalist dokumentiert seit über zwanzig Jahren die Entwicklung der rechtsextremen Szene in München, in Bayern, in ihrer oftmals deutschlandweiten und internationalen Vernetzung. Er ist der wichtigste Rechercheur der von Marcus Buschmüller begründeten „Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle“, kurz „A.I.D.A.“.
Seine Informationen und Recherchen sind lange Jahre vorwiegend in die Reportagen und Geschichten vieler Journalistinnen und Journalisten eingegangen, denen er – via A.I.D.A. oder auf Bitte um Unterstützung – zugearbeitet hat. Oftmals ist seine Mitarbeit nicht oder nur beiläufig erwähnt worden. Der rechtsextremen Szene und ihren Protagonisten dagegen ist Robert Andreasch durchaus bekannt – und bestgehasst. Kaum ein Journalist ist in den letzten 20 Jahren in München – und wo immer es nötig war – so oft vor Ort gewesen, wenn sich Rechtsextreme trafen, ob in der Öffentlichkeit oder auch in Situationen und an Orten, bei denen sie unter sich und unbemerkt bleiben wollten. Andreasch ist schon mehrfach bedroht und körperlich angegriffen worden. Nur einige Jahre bot ihm sein Pseudonym Robert Andreasch in der Privatsphäre Schutz. Seit Neonazis 2004 seinen bürgerlichen Namen Tobias Bezler im Rahmen einer gegen ihn gestellten Anzeige herausfanden, ist er insbesondere auf den Internetseiten und -foren der rechtsextremen Szene konstant die Zielscheibe von Verleumdungen und Rufmordkampagnen.
Andreaschs Vor-Ort-Recherchen haben bislang unbekannte Vernetzungen, Kontakte und Treffpunkte von Rechtsextremisten aufgedeckt und belegt. Wochenlang – und im Falle des NSU-Prozesses jahrelang – protokollierte er im Gerichtssaal die Verhandlungen gegen Rechtsextremisten und -terroristen, wie zum Beispiel den Prozess gegen Martin Wiese und weitere Mitglieder des „Freies Netz Süd“ wegen des geplanten Sprengstoffanschlages auf die Grundsteinlegung des Jüdischen Zentrums München am 9. November 2003.
Als Autor, als Referent in der politischen Erwachsenenbildung und bei Ausstellungen beweist Robert Andreasch in seinen Publikationen seit Jahren: Er ist nicht nur ein couragierter, investigativer Rechercheur, sondern formuliert aus profunder Detailkenntnis Beiträge von historischer und analytischer Tiefe.
Robert Andreasch hat viele im Dunkel agierende Rechtsextreme und ihre Aktivitäten ans Licht gebracht. Seine herausragende publizistische Tätigkeit wird mit dem Publizistikpreis gewürdigt.

Mitglieder der Jury

Der Jury gehörten unter Leitung von Stadtdirektor Anton Biebl an:
Sibylle Bassler (ZDF München), Björn Bicker (Autor, Regisseur), Ulrich Chaussy (Preisträger 2016), Wolfgang Ferchl (Knaus Verlag/Random House), Christine Hamel (Bayerischer Rundfunk), Dr. Jeanne Rubner (Bayerischer Rundfunk) sowie aus dem ehrenamtliche Stadtrat Kathrin Abele (SPD), Beatrix Burkhardt (CSU), Marian Offman (CSU), Dominik Krause (Die Grünen – rosa liste) und Klaus Peter Rupp.