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Übersetzerpreis 2015


Jurybegründung

Übersetzerpreis der Landeshauptstadt München 2015 an Melanie Walz

„Es ist eine eminente Aufgabe, Klassikern in Neuübersetzungen eine für die Gegenwart zeitgemäße Sprachgestalt zu geben. Melanie Walz hat in den letzten Jahren an zahlreichen illustren Werken der Weltliteratur auf meisterliche Weise bewiesen, wie viel sprachliche Einfallskraft, verzweigte Kenntnisse, wie viel Sorgfalt und Ausdauer ihr zu Gebote stehen, wenn es darum ging, Jane Austen, Charles Dickens, Honoré de Balzac oder Virginia Woolf für unsere Zeit erneut zu übertragen und zu vermitteln. Dasselbe gilt nicht minder für die zeitgenössischen Autorinnen und Autoren, denen wir in ihren Übersetzungen erstmals begegnen, darunter Patricia Highsmith, Antonia S. Byatt, Lawrence Norfolk, Annie Proulx oder Charles Simic.
Geboren wurde Melanie Walz 1953 in Essen. Nach einem Studium der Pädagogik, Psychologie und Soziologie in München war sie Mitarbeiterin der Zeitschrift „Filmkritik“ und später Lektorin im List-Verlag. Als Übersetzerin aus dem Englischen und Französischen hat sie sich seit den 80er Jahren ein breites literarisches Spektrum erarbeitet, stets präzise auf der Ebene der Bedeutung und immer mit dem entscheidenden Spürsinn für die poetischen Unwägbarkeiten der Texte: für Tonfall, Duktus, Rhythmus, kulturelles Ferment, Temperatur, für all das also, was den Charakter eines Werkes und seiner Übersetzung ausmacht.
Melanie Walz macht vergessen, dass wir eine Übersetzung vor uns haben, sie verleiht den Texten eine lebendige Gestalt, in der all ihr Eigentümliches aufgehoben ist und zugleich als Vertrautes erscheint. Sie trifft den farbig fabulierenden Ton eines Salman Rushdie ebenso mühelos wie die mitunter mythisch raunenden Satzkaskaden eines John Cowper Powys, sie bildet den träumerisch tastenden Sound Michael Ondaatjes so gut nach wie die zärtliche Chuzpe einer Lily Brett.“

Die öffentliche Preisverleihung findet am Mittwoch, 10. Juni 2015, 19.00 Uhr, im Literaturhaus statt. Die Laudatio hält Dr. Jürgen Dormagen.

Mitglieder der Jury

Dr. Eberhard Falcke (Literaturkritiker), Dr. Burkhart Kroeber (Übersetzer), Dagmar Ploetz (Preisträgerin 2009), Patricia Reimann (dtv), Thomas Tebbe (Piper Verlag), Claudia Vidoni (Knaus Verlag) sowie aus dem Stadtrat Kathrin Abele, Kristina Frank, Ulrike Grimm, Thomas Niederbühl und Klaus Peter Rupp.