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Arbeitsstipendien für Literatur 2020


Jurybegründungen

Björn Bicker für sein Prosaprojekt „Boutheinas Lächeln“

Björn Bicker ist ein genauer Rechercheur randständiger Lebenswelten. Das hat er schon mit seinem 2016 mit dem Tukan-Preis bedachten Buch „Was glaubt ihr denn. Urban Prayers“ (Verlag Antje Kunstmann) unter Beweis gestellt. Dass er die Marginalisierten, kaum Beachteten unserer Gesellschaft nicht aus dem Blick verliert, zeigt sein jüngstes Projekt, das man durchaus als Fortsetzung des preisgekrönten Buches verstehen kann: In „Boutheinas Lächeln“ erzählt Bicker in zehn Geschichten von Menschen aus der Gegend des Münchner Bahnhofsviertels – Stories, denen Nachforschungen des Autors in Hinterhofmoscheen, Flüchtlingsunterkünften und an anderen Orten der Stadt zugrunde liegen. Sein Mittel ist dabei das der Dokufiktion – basierend auf Begegnungen und „wahren Begebenheiten“ entspinnt sich ein literarischer Reigen besonderer Art. Sein soziologisch neugieriger Blick und seine empathische Gabe verleihen auch denen eine Stimme, denen wir vielleicht immer noch zu wenig zuhören und über die wir oft vorurteilsbeladen vorschnell urteilen.  

Björn Bicker, geboren 1972, arbeitete als Dramaturg am Wiener Burgtheater und an den Münchner Kammerspielen, entwickelte als Künstler theatrale Stadtprojekte an der Grenze zwischen Kunst und Politik. Er schrieb Prosa, Theaterstücke, Hörspiele und Essays. Im Verlag Antje Kunstmann erschien 2009 sein Prosatext "Illegal. Wir sind viele, wir sind da", 2013 der Roman „Was wir erben“ und 2016 das Buch "Was glaubt ihr denn. Urban Prayers".

Sandra Hoffmann für ihr Romanprojekt „Tage im Wald“

Sie sei nun mal eine „Teilzeitbewohnerin der Menschenwelt“, denkt Claire. Die 38-Jährige lebt mit der Hündin Luja in einem Holzhaus am Waldrand und leitet als Abenteuer- und Wildnis-Pädagogin mit ihrem Studienfreund Achim Waldcamps für Schulklassen. Angesichts einer Gruppe Jugendlicher wird sie ihrer in der Einsamkeit geschärften Wahrnehmung gewahr.
In ihrem Romanprojekt „Tage im Wald“ erzählt Sandra Hoffmann von vier Tagen und Nächten im Camp – und davon, was zwischen Claire und einem der Jugendlichen, dem 16-jährigen Janis, geschieht. Hoffmann wechselt zwischen beider Perspektiven und zeigt, wie unterschiedlich sich ein und dieselbe Szenerie wahrnehmen und einordnen lässt. Die je ganz eigenen Erzähltöne der zwei Protagonist*innen verstärken die sich daraus entwickelnde Dynamik. Mit sprachlicher Genauigkeit und feinem Gespür für (zwischenmenschliche) Begegnungen erforscht Hoffmann weitere Dynamiken: innerhalb der Jungengruppe, in der der androgyne, feminine Janis außen vor bleibt; im Camp, in dem sich die Stimmung durch die bloße Anwesenheit von Claires männlichem Kollegen grundlegend ändert; zwischen Claire und dem an ihr interessierten Lehrer Lindemann; zwischen Claire und der ihr zugelaufenen Luja, die langsam Vertrauen fasst. Im zweiten Teil kollidieren die von Claire so achtsam getrennten Lebenswelten: Wenige Wochen nach dem Camp steht Janis vor der Waldhütte.
Er konfrontiert sie mit ihren Gefühlen, die sie allein, inmitten der Natur, wieder unter Kontrolle zu bringen versuchte.

Die 1967 im baden-württembergischen Laupheim geborene Autorin lebt und arbeitet in München und veröffentlicht seit 2002 Romane und Erzählungen. Mit „Tage im Wald“ möchte die Jury ein Romanprojekt fördern, in dem zwei eigenwillige Figuren zu Wort kommen, denen man unbedingt weiter folgen will.

Jurymitglieder

Der Jury gehörten an: Sabine Abel (Buch in der Au), Knut Cordsen (Bayerischer Rundfunk), Petra Hallmayer (Süddeutsche Zeitung), Tina Rausch (Journalistin, Lektorin), Martina Scherf (Süddeutsche Zeitung) und Fridolin Schley (Autor) sowie die Stadträtinnen und Stadträte Kathrin Abele (SPD / Volt), Beatrix Burkhardt (CSU), Marion Lüttig (Die Grünen-Rosa Liste), Thomas Niederbühl (Die Grünen - Rosa Liste) und Rudolf Schabl (ÖDP / FW).