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„The act of drinking tea is the highest form of art“


Zeichnung eines Glases Tee. Daneben steht in Schreibschrift „The act of drinking tea is the highest form of art“ und darunter Çay  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Tunay Önder, Çay, 2021

Eine dreiteilige Videoperformance in türkischer und deutscher Sprache

Kostenlos abrufbar auf dem Youtube-Kanal der Artothek

Teil 1 ab Samstag, 27. März
Teil 2 ab Samstag, 24. April
Teil 3 ab Samstag, 29. Mai

Der Auftakt der Videoperformance fand im Rahmen der Internationalen Wochen gegen Rassismus (bis 28. März) statt.

Tunay & Tuğba Önder laden ein in den Kunstverleih der Stadt München. In ihrer dreiteiligen Videoperformance richten sie ihren soziologischen Blick auf das Feld der Kunst- und Kulturproduktion. Bei frisch gebrühtem Tee, Çay, tauschen sie sich über Zugangsbarrieren an Orte der Kunstproduktion aus und werfen dabei einige Fragen auf: Wer macht Kunst für wen? Wo tun sich Leerstellen auf in der Sammlung? Wessen Kunst ist hier zu finden? Welche Wege führen dorthin? Warum sind so wenige Frauen und noch weniger migrantisch-situierte Menschen an diesen Orten?
Mit speziellen Kannen, Tee und Tee-Besteck erschaffen sie inmitten des Verleihraums der Artothek einen diskursiven Ort, der als performative Befragung zum Bestand verstanden werden kann.
So wird das Tee-Trinken im Kunstverleih zur Intervention, das sich temporär in den Bestand der Artothek einschreibt und möglicherweise hilfreiches Wissen zur Verfügung stellt, wie sich die Grenzkontrollen an den Orte der Wissens- und Kunstproduktion erfolgreich unterwandern lassen. Man* möge sich Tee einschenken und einklinken.

Mit der Videoperfomance nehmen Tunay und & Tuğba Önder Bezug auf die Arbeit von Tom Marioni. Er eröffnete 1970 unter dem Titel „The Act of Drinking Beer with Friends is the Highest Form of Art“ den free beer saloon. Als Künstler lud er in seinem Atelier in San Francisco Gäste ein, um dem Biergenuss als Mittel für Sozialität seinen künstlerischen Ausdruck zu verleihen. Die Önder Geschwister initiieren einen free tea saloon, ein sogenanntes Çayhane (türkisch, lies: Tschaihane), das aufgrund der Coronabeschränkungen zunächst als dreiteilige Videoarbeit realisiert werden kann.

„The Act of Drinking Tea is the Highest Form of Art“ ist ein Projekt von Tunay und Tuğba Önder. Es wurde realisiert in Zusammenarbeit mit Anton Kaun und Guida Miranda (Kamera/Schnitt) und Daniel Door (Sound). Es knüpft an die bisherigen Arbeiten des Blogprojekts migrantenstadl an. Dieses macht postmigrantische Perspektiven und Praktiken in der Migrationsgesellschaft sichtbar. 2016 wurde migrantenstadl für den Förderpreis der Landeshauptstadt München (Bildende Kunst) nominiert. Für die Gruppenausstellung in der Städtischen Galerie Lothringer13 entstand die audiovisuelle Installation Transtopischer Teppich, der 2017 vom Münchner Stadtmuseum angekauft wurde und im Rahmen der Dauerausstellung Migration bewegt die Stadt zu sehen ist. Seither fungiert migrantenstadl als Label für performative, installative, publizistische und kuratorische Projekte. Die öffentliche Teekultur –  als Ergänzung zur hiesigen Bierkultur – spielt dabei eine zentrale Rolle. Teehäuser werden hier stellvertretend als postmigrantische Räume verstanden, in denen die notwendige Kritik an gesellschaftlichen Zuständen artikulieren und kultiviert werden kann.

Die dreiteilige Videoperformance

Projektbeteiligte

Tunay Önder ist als Autorin, Publizistin, Kuratorin sowie als Beraterin für Betroffene von Asyl- und Migrationspolitiken tätig. Nach ihrem Magisterstudium der Soziologie an der Universität Heidelberg und Bosporus Universität Istanbul gründete sie mit Imad Mustafa 2010 den Blog migrantenstadl als virtuelles Spielzimmer für marginalisierte Geschichten. Sie realisiert an verschiedenen Stadt- und Staatstheatern sowie in der freien Kulturszene kuratorische Konzepte, die Raum für Positionen, Praxen und Perspektiven der postkolonialen Migrationsgesellschaft herstellen. Berufsbegleitend besuchte sie den Universitätslehrgang „Kuratieren in den Szenischen Künsten“ an der Uni Salzburg.
Tuğba Önder studierte Germanistik und Geographie auf Lehramt Sekundarstufe an den Universitäten Passau, Mainz und Frankfurt, und brach anschließend ihr Referendariat an einem Münchner Gymnasium erfolgreich ab. Seither ist sie als Beraterin, Lektorin und Performerin in den kuratorischen und publizistischen Projekten des Migrantenstadl tätig, zuletzt auf der Wiesbaden Biennale 2018, Favoriten Festival 2020 und Studio Ö. 2018/19. Derzeit arbeitet sie zusammen mit ihrer Schwester an der gleichnamigen Publikation zur ihrer Lecture Performance Deutschstunde. www.dasmigrantenstadl.blogspot.com

Anton Kaun ist Video-und Noisekünstler und produziert seit über 20 Jahren unter seinem Pseudonym Rumpeln audiovisuelle Live- Performances, Veröffentlichungen und installative Arbeiten. Er wirkt in diversen Musikalischen Projekten wie Musica Povera, Carnation Dingthang, RTZ, Salewski mit. Als Visual Artist und Musikvideoproduzent verbindet ihn eine langjährige Zusammenarbeit mit Musikern wie The Notwist, Tied and Tickled Trio, Slut/Juli Zeh. Er ist Teil des Rohtheaterkollektivs und als Sound-und Videokünstler für Theaterproduktionen der freien Szene sowie an Stadt- und Staatstheatern tätig.  www.rumpeln.de

Daniel Door studierte Medienkunst bei Prof. Res Ingold und Prof. Stefan Römer an der AdBK München. Er erforscht Noises/Glitches in der Mensch-Maschine-Umwelt Interaktion, komponiert und spielt experimentell-elektronische Noise/Musik u.a. in Kollaboration mit und für DJ Marcelle, BELP, Anton Kaun RUMPELN, Schamoni Musik, Raketenbasis Haberlandstrasse, GNOTHIS XR Kollektiv, TAMTAM Kollektiv, Anuk Jovović, Clara Hinterberger, Stefan Römer, Raphaela Bardutzky, Sebastian Giussani und Martin Krejcis Institut für Leistungsabfall und Kontemplation.

Guida Miranda arbeitet mit Video-Art, Installation, Performance, Musik und als Kuratorin. Studium 2010-2013 an der UdK Lissabon und 2014- 2018 an der AdBK München. Seit 2015 arbeitet sie in unterschiedlichen kulturellen Produktionen an raumgreifenden Installationen und Kostümen für Performances. Zwischen 2017 und 2018 kuratierte und produzierte sie Multimedia-Festivals in Münchner Off-Spaces. Zusammen mit dem Musikprojekt Helix, Honey und Wisdom Warriors experimentiert Miranda mit elektronischer Musik.