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Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU


Ausstellung in der Rathausgalerie  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
NSU-Tatort: Das Geschäft des Obst- und Gemüsehändlers Habil Kılıç in Ramersdorf.
© Regina Schmeken

Eine Fotoausstellung in der Rathausgalerie | Kunsthalle

Die Fotokünstlerin Regina Schmeken fotografierte von 2013 bis 2016 an zwölf Tatorten des „Nationalsozialistischen Untergrunds“ (NSU). Die großformatigen Schwarzweißaufnahmen sind vom 17. Juli bis 14. Oktober in der Ausstellung „Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU“ in der Rathausgalerie zu sehen. Regina Schmeken geht es dabei um das Gedenken an die Ermordeten sowie um die Auseinandersetzung mit Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen.

„Das Beklemmendste an diesen Fotografien ist, dass auf ihnen weder die Mörder noch die Mordopfer zu sehen sind. An Schmekens Aufnahmen wirkt gerade das Unauffällige, Banale und Gewöhnliche unheimlich.“ (Hans Magnus Enzensberger)

Als Regina Schmeken im Frühjahr 2013 damit begann, die Tatorte des NSU zu fotografieren, wurde ihr das Ausmaß dieser Verbrechen des rechten Terrors inmitten deutscher Städte erst bewusst. In ihrem Ausstellungsprojekt geht es Regina Schmeken um das Gedenken an die Ermordeten sowie um die Auseinandersetzung mit Orten, die auf den ersten Blick keinerlei Spuren einer Gewalttat aufweisen. Zwischen 2013 und 2016 besuchte sie mehrmals die zwölf Tatorte in Deutschland. Es entstand ein Zyklus großformatiger Schwarzweißfotografien, die verstörend eindrücklich wirken und die Geschehnisse gleichsam mit bildnerischen Mitteln aufarbeiten.

Die Propagandaformel „Blut und Boden“ wurde als begrifflicher Zusammenhang erstmals von Oswald Spengler in „Der Untergang des Abendlandes“ eingeführt und von den Nationalsozialisten in ihrer Überzeugung, dass ein „gesunder Staat“ nur aus der Einheit von „eigenem Volk und Boden“ bestehen kann, aufgegriffen. Auch den Morden des NSU liegt diese Idee zu Grunde. Fast alle Opfer waren türkischer Herkunft, sie wurden auf dem Boden liegend in ihrem Blut gefunden, brutal hingerichtet von rechten Terroristen.

Feridun Zaimoglu nennt die Geschichte des NSU im ausstellungsbegleitenden Katalog „die Geschichte der großen Beschädigung“. Annette Ramelsberger schreibt „Die Reise an die Tatorte war eine Reise in ein Land von Schmerz und Tränen, von Gleichgültigkeit und klammheimlicher Freude über das, was geschehen ist. Als der NSU nach zehn Morden, zwei Sprengstoffattentaten und 15 Raubüberfällen aufflog, waren sich alle gewiss: So eine Terrorserie könne sich in Deutschland nicht wiederholen. Wer den NSU-Prozess verfolgt, der weiß: Dafür gibt es keine Garantie.

Das erste Opfer, der Blumenhändler Enver Şimşek, wurde am 9. September 2000 in Nürnberg ermordet, das letzte, die Polizistin Michèle Kiesewetter am 25. April 2007 in Heilbronn. Es mussten in diesem Zeitraum zehn Menschen sterben, viele wurden an Seele und Körper verletzt. Der Prozess gegen Beate Zschäpe am Oberlandesgericht in München begann 2013, am 11. Juli 2018 wurde sie zu lebenslanger Haft verurteilt. Die restlose Aufklärung der Taten steht jedoch nach wie vor aus.

Nachdem die Ausstellung im Militärhistorischen Museum in Dresden, kuratiert von Dr. Gorch Pieken, im Herbst und Winter 2016 zuerst zu sehen war, zeigte auch der Martin-Gropius-Bau in Berlin in 2017 die Fotoinstallation von Regina Schmeken. München ist nun die erste Station in einer deutschen Stadt in der der NSU Menschen ermordete: Im Jahre 2001 in der Bad-Schachener-Straße Habil Kiliç und Theodoros Boulgaridis 2005 in der Trappentreustraße.

Eintritt frei.

Eröffnung und Veranstaltungen

Die Ausstellung „Blutiger Boden – die Tatorte des NSU“ wird am Montag, 16. Juli, 19 Uhr, mit Grußworten von Bürgermeister Josef Schmid und Kulturreferent Dr. Hans-Georg Küppers eröffnet. Des weiteren sprechen der Schriftsteller Feridun Zaimoglu sowie Johannes Muggenthaler, Kulturreferat. Die Künstlerin ist zur Eröffnung anwesend.

Individuelle Führungen und Gespräche in der Ausstellung werden an den Samstagen 21. Juli, und 13. Oktober, jeweils 15 bis 17 Uhr, angeboten: Am Sonntag, 9. September, 11.30 Uhr wird zu einem Gespräch mit der Künstlerin und am Freitag, 5. Oktober, 19 Uhr zu einem Podiumsgespräch eingeladen.

Publikation

Zur Ausstellung erschien eine Publikation im Hatje Cantz Verlag: Regina Schmeken: Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU
Außerdem verlegte die Bundeszentrale für Politische Bildung den Katalog „Regina Schmeken: Blutiger Boden. Die Tatorte des NSU“ in der Schriftenreihe, Band 10124, Mai 2018

Die Künstlerin

Regina Schmeken fotografiert seit Mitte der 1970er Jahre. Seit 1980 werden ihre Fotografien regelmäßig ausgestellt, zum Beispiel im Lenbachhaus in München, im Museum für Fotografie in Berlin und der Bibliothèque Nationale in Paris. Ihre Ausstellung Die neue Mitte wurde auf Initiative des Goethe-Instituts weltweit in über 100 Hauptstädten gezeigt.

Ein Schwerpunkt ihrer künstlerischen Arbeit sind Bewegungsstudien. Ihr Ausstellungsprojekt mit der Deutschen Fußballnationalmannschaft erhielt viel Aufmerksamkeit und wurde 2012 im Berliner Martin-Gropius-Bau sowie 2014 in den Museen Dortmunder U und Villa Stuck in München gezeigt. Die Politische Fotografie ist ein weiteres wichtiges Thema für Regina Schmeken. Mehrere Bildserien beschäftigen sich mit der deutschen und internationalen Geschichte, wie zum Beispiel mit dem Fall der Mauer, der Wiedervereinigung, den Bunkeranlagen des „Atlantikwalls“ oder auch dem „Arabischen Frühling“.

Für ihre Arbeit erhielt sie nationale und internationale Auszeichnungen, unter anderem den Dr.-Erich-Salomon-Preis der Deutschen Gesellschaft für Photographie und den „Prix de la Critique“ der Rencontres Internationales de la Photographie in Arles. Seit 1986 ist sie außerdem Fotografin Süddeutschen Zeitung. Regina Schmekens Fotografien befinden sich unter anderem in den Sammlungen des MoMA in New York, der Pinakothek der Moderne in München, dem Deutschen Historischen Museum in Berlin sowie in privaten Sammlungen.

Kontakt
Landeshauptstadt München

Rathausgalerie | Kunsthalle

Marienplatz 8
80331 München

Öffnungszeiten:

Dienstag bis Sonntag: 11:00 bis 19:00 Uhr

Eintritt frei