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Förderpreis Musik 2017


Jurybegründungen

Die Förderpreise Musik der Landeshauptstadt München gehen im Jahr 2017 an Minas Borboudakis, Erol Dizdar, die Band Candelilla sowie an Verena Marisa.

Minas Borboudakis

Minas Borboudakis wurde 1974 in Heraklion auf Kreta geboren und wechselte 1992, mit 17 Jahren, nach München, um seine Studien bei Olaf Dressler (Klavier) und Wilfried Hiller (Komposition) sowie bei Urszula Mitrenga-Wagner (Klavier) fortzusetzen. Später vervollkommnete er sich kompositorisch bei Peter Michael Hamel in Hamburg und besuchte Meisterklassen von Luciano Berio, George Crumb und Wolfgang Rihm, außerdem Meisterkurse der Pianisten Rudolf Kehrer und Aleksej Nasedkin. Ihm war schon früh bewusst, dass die Musik seinen Lebensweg bestimmen würde - so ist diese innere Notwendigkeit zu komponieren im gesamten, bereits umfangreichen Oeuvre von ihm spürbar - ob Solo-, Kammermusik-, Ensemble- oder Orchesterwerk.

Seine faszinierend unverwechselbare Klangsprache entsteht insbesondere auf der Grundlage genauester Kenntnis der vielschichtigen Instrumentationsmöglichkeiten, die er virtuos-brillant auslotet.

Im Spannungsfeld von Modalität und komplexen Rhythmen entstehen Werke, die sich mit antiker Philosophie, Literatur und Mythologie sowie mit naturwissenschaftlich-kosmologischen Fragen auseinandersetzen und einen ganz eigenen überraschenden klanglichen Ausdruck finden.

Borboudakis versteht Musik als Mittel der Kommunikation – das aktive Zuhören ist hier zwingende Voraussetzung. Als „spielender“ Komponist ist Minas Borboudakis ein vom Klavier aus denkender Musiker, der sich komponierend neugierig immer neuen Klangmöglichkeiten öffnet.

Minas Borboudakis ist als Mensch und Künstler authentisch, glaubwürdig und gestaltet das Musikleben Münchens aktiv als Pianist und Dirigent sowohl eigener Werke als auch neuer Musik des 20. und 21. Jahrhunderts mit.

Erol Dizdar

Erol Dizdar ist seit vielen Jahren Protagonist der Münchner Musikszene und als Multiinstrumentalist und Sänger einer der vielseitigsten Komponisten und Musiker dieser Stadt. Zu seinen Bandprojekten gehören unter anderem „Dizzy Erol“, „Die Lore aus München“ und „Konnexion Balkon“.

Um in einer Stadt wie München als Underground-Künstler zu überleben, gibt es mehrere Möglichkeiten. Entweder man macht die Berufung zum Hobby, nimmt damit den existentiellen Druck heraus und verdient seinen Lebensunterhalt mit anderen Jobs, während die Musik in der „Freizeit“ gemacht wird. Oder man bleibt authentisch und akzeptiert jede Konsequenz und die Schwierigkeiten, die ein Musikerleben des „special interest“ mit sich bringt, so wie es Erol Dizdar immer getan hat und tut.

Seine unverkennbare Authentizität ist die Grundlage dafür, dass er überregional und international als Musiker aus München ernst genommen wird. Diese Lebenshaltung hat Erol Dizdar in vielen Jahren als Exporteur der Münchner Musikszene wie kaum ein Anderer bewiesen. Seit 2015 ist er Schlagzeuger der Band „Friends of Gas“, die große Beachtung im In- und Ausland findet und München als Musikstadt in neuem Licht erscheinen lässt. Dazu trägt die Authentizität von Erol Dizdar und seinen Mitmusikern wesentlich bei.

Candelilla

Candelilla ist eine Band, die Münchens Musikszene seit vielen Jahren auf einzigartige Weise mitgestaltet und prägt. Mira Mann, Lina Seybold, Rita Argauer und Sandra Hilpold stehen im ständigen Austausch mit einer Vielzahl von Münchner Musikerinnen und Musikern. Sie gehen weiter, als der Pop es erlaubt. Mit einem inspirierenden Durchhaltevermögen suchen sie die Reibung und haben keine Scheu davor, bestehende Verhältnisse zu dehnen. Die rauhen und zugleich komplexen Kompositionen brechen Schamgrenzen auf, die Lyrics sprechen längst Verschwiegenes und Intimes an.

Für ihr Album „Heart Mutter” (Zick Zack, 2013) gingen Candelilla nach Chicago zu Steve Albini und spielten das komplette Album live im Studio ein. Aktuell touren sie mit ihrem frisch veröffentlichten Album „Camping“. „Mit Unterstützung von Tobias Levin haben Candelilla mit diesem Album ein eigensinniges Statement abgeliefert, das Visionen zulässt und herausfordert.“ (Alfred Hilsberg)

Mira Mann, Lina Sybold, Rita Argauer und Sandra Hilpold entwickeln sich nicht nur in ihrer eigenen Bandarbeit ständig weiter. Die vier Musikerinnen wirken auch in Münchens Subkultur prägend mit.

Verena Marisa

Die deutsch-brasilianische Soundkünstlerin und Komponistin Verena Marisa kennt keine Berührungsängste. Mit ihren experimentierfreudigen Werken und Kollaborationen bereichert sie die aktuelle Musiklandschaft maßgeblich. In München hat sie klassische Komposition, Filmkomposition und Jazzkomposition studiert, mit Gastaufenthalten an der CalArts (LA) und am Conservatório de Tatuí (Brasilien). 2015 hat Verena Marisa das experimentelle Bandprojekt CLÆNG gegründet, bei dem sie Violine und Theremin spielt und für Konzeption und Leitung verantwortlich ist. Stilistisch bewegt sich CLÆNG zwischen Neuer Musik, Jazz und experimentellem Pop. Die neue musikzeitung bezeichnete das Projekt als „eine ebenso anspruchsvolle wie mitreißende Zukunftsmusik jenseits aller Sparten“, „getrieben von überbordendem Experimentiergeist“. Neben CLÆNG ist Verena Marisa außerdem beim Duo parasights aktiv. Gemeinsam mit dem Haushaltsgeräte-Percussionisten Konrad Sziedat vertont sie live und mit viel Freude an der Improvisation Kurzfilme und Videokunst.

Neben ihrer Liebe zur Subkultur arbeitet Verena Marisa auch als Filmkomponistin. So hat sie mehrmals für den Tatort komponiert und u. a. die Musik zu Operation Zucker und weiteren Fernsehfilmen mit Schauspielerinnen und Schauspielern wie Katja Riemann, Ulrich Noethen oder Senta Berger erarbeitet. Dabei spielt sie ihre Scores überwiegend selbst mit ihren Instrumenten ein und arbeitet häufig mit Überlagerungseffekten durch das mehrfache Überspielen einer Spur sowie mit elektronischer Verfremdung.

Außerdem hat die umtriebige Soundkünstlerin Orchester-, Big Band- und Kammermusik für das Ensemble Zeitsprung, das Sirius String Quartet (NY) und das Schauspiel Frankfurt komponiert. Derzeit ist sie Composer in Residence beim Auftakt!-Festival in der Münchner Whitebox.

Jurymitglieder

Der Jury für die Vergabe der Musikförderpreise 2017 gehörten an: Katrin Beck (Musikmanagerin), Ralf Dombrowski (Musikjournalist), Polina Lapkovskaja (Musikerin), Stephanie Müller (Musikerin und Preisträgerin 2015), Peter Pichler (Musiker), Sara Sepehri Shakib (Musikwissenschaftlerin) sowie aus dem ehrenamtlichen Stadtrat Beatrix Burkhardt und Marian Offman (beide CSU-Stadtratsfraktion), Kathrin Abele und Julia Schönfeld-Knor (beide SPD-Stadtratsfraktion) sowie Thomas Niederbühl (Fraktion Die Grünen - Rosa Liste).