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Förderpeis Musik 2019


Jurybegründungen

Die Förderpreise Musik der Landeshauptstadt München gehen im Jahr 2019 an Ebru Düzgün, Matthias Lindermayr, Masako Ohta und das Duo Schlachthofbronx.

Ebru Düzgün

Ebru Düzgün ist unter dem Alias EBOW aktiv. Sie taucht mitten ein in Komplexes. Ihr musikalisches Ausdrucksmittel ist der Rap und der besticht bei der hochtalentierten Musikerin durch Vielfalt.
Mit ihrer Musik macht die studierte Architektin neue Räume auf. Deutsch-Rap ist bei ihr mehrdimensional, feministisch, queer, experimentierfreudig und mutig.
Mit ihren Texten reibt sie da auf, wo bei anderen lediglich die Oberfläche funkelt. Durch Überzeichnung gängiger Klischees von Integration macht sie ihren Zuhörerinnen und Zuhörern Lust, die Scheuklappen abzulegen und eigene Vorurteile zu hinterfragen.

Ebru Düzgüns Songs werden getragen von Klangkompositionen und Beats, die ausgetretene Pfade ständig verlassen. Da mischt Fragiles Rauhes auf, macht einen Abstecher ins Klangspektrum des Radiofeatures und verwandelt den heißen Asphalt zum Tanzboden.

Ebru Düzgün steht ständig im Austausch und bleibt damit im Fluss. 2010 hat sie zur Filmdokumentation Töchter des Aufbruchs (Regie: Uli Bez) die Titelmelodie Ich habe Wanderlust beigetragen. 2013 erschien Ebows Debüt bei DISKO B. Ihr Album Komplexität wurde 2017 auf dem Wiener Label Problembär Records veröffentlicht. Schon der Titel zeigt, wofür die Musikerin steht. Sie versteht sich als Teil eines lebendigen Netzwerkes. Ihre Musik entsteht aus einem Kollektiv heraus. Gemeinsam mit Freundinnen und Freunden und Kolleginnen und Kollegen gibt sie der überwiegend männlich dominierten deutschsprachigen Hip-Hop-Szene neue Gesichter.

2019 steht einiges an für die Münchner Musikerin. Gleich zu Beginn des Jahres startete sie eine umfassende Solo-Tour. Planet Kanak, Ebows neues Album wurde veröffentlicht und mit ihrem Trio Gaddafi Gals führte es sie im Frühjahr zum SXSW Festival nach Austin (Texas, USA).
Ihre Musik sieht Ebru Düzgün nicht isoliert. Ihre Botschaften und Aktionen weben sich sich hinein in Bildungs- und Vermittlungsprojekte. Mit Franziska Kabisch, Magdalena Fischer, Maren Blume und Sophie Utikal hat sie 2015 das Kollektiv FEIGE (www.wirsindfeige.org) gegründet. Gemeinsam suchen sie nach neuen Formen des Zusammenseins, des kollektiven Arbeitens und Lernens. Intersektionale feministische Perspektiven stehen bei Workshops, Performances und Video-, Musik- oder Theaterprojekten im Zentrum. Freundschaft wird dabei zum Ort für feministischen Widerstand und Ermächtigung.

 

Matthias Lindermayr

Der 1987 in München geborene Jazztrompeter Matthias Lindermayr bereichert das Musikleben in und um München durch verschiedene hochklassige eigene Programme und die Teilnahme an anderen wichtigen musikalischen Projekten. Lindermayr, der zunächst klassisch Klavier lernte und als Jugendlicher auch E-Gitarre in einer Rockband spielte, ist ein Musiker mit sehr breiten musikalischen Kenntnissen. Zugleich aber ist er an seinem Hauptinstrument, der Trompete, ein Spieler mit einem ausgesprochen kultivierten und zudem bereits stark persönlich geformten Ton. Er hat bei Professor Claus Reichstaller in München studiert und etwa am Berklee College of Music in Boston weitere Erfahrungen bei dem Trompeter Tiger Okoshi gesammelt. Seine Debüt-CD als Bandleader hat Matthias Lindermayr 2015 bei dem renommierten Label enja veröffentlicht („Lang Tang“), eine zweite ist 2018 unter dem Titel „New Born“ bei enja-yellowbird erschienen. Des weiteren ist Lindermayr auf der CD „Mara“ der preisgekrönten Gruppe „Fazer“ zu hören. Erleben konnte man den Musiker in den letzten Jahren außerdem in der Big Band der Sängerin, Gitarristin und Komponistin Monika Roscher, auf deren CDs er ebenfalls mitwirkte. Großes Stilgefühl und ungewöhnlicher musikalischer Nuancenreichtum kennzeichnen Lindermayrs Spiel; als improvisierender Solist ist er auf feine Art prägnant – sehr schnell wiedererkennbar, aber immer auch ausgestattet mit dem Sinn für überraschende Wendungen.

 

Masako Ohta

Die aus Tokyo stammende Pianistin und Performance-Künstlerin Masako Ohta absolvierte ihr Klavierstudium an der Universität Toho Gakuen School of Music in Tokyo und an der Hochschule der Künste Berlin. 1988 zog sie nach München und bereichert seit über drei Jahrzehnten das musikalische Geschehen der Landeshauptstadt. Masako Ohta ist sowohl auf den Bühnen der kleinen Häuser als auch auf großen Festivalbühnen eine gern gesehene Akteurin. Regelmäßige Auftritte im HochX, im Einstein Kultur, in der Seidl Villa oder im Schwere Reiter gehören genauso auf ihre Agenda wie die Mitwirkung u.a. bei „Festspiel plus“ der Bayerischen Staatsoper, dem „International Art Festival“ in Mexiko, dem „Kurt Weill Festival“ in Dessau und Berlin, dem „John Cage Festival“ in Ravensburg und bei „Infektion! Festival für Neues Musiktheater“ der Staatsoper Berlin.

Ihre intensive Beschäftigung mit Poesie, Klang und Musik aus Japan, Europa und anderen Kulturkreisen führte sie mit zahlreichen Künstlerinnen und Künstlern aller Sparten zusammen. Sie kreiert eigene Tanz-und Theateraufführungen und partizipiert in den unterschiedlichsten Kollektiven. Ihr Arbeit entsteht oftmals in interkulturellen und interdisziplinären Zusammenhängen.

Sie konzipiert und realisiert eigene Konzertreihen, darunter die Klaviersoloprogramme „Phantasiestücke“, „Wurzeln und Flügel“ und „Kammermusik – GEN“.

Die Arbeit von Masako Ohta ist in zahlreichen Rundfunkproduktionen u.a. beim Bayerischen Rundfunk, Hessischen Rundfunk, Südwestrundfunk und RIAS Berlin dokumentiert, mit Musik unter anderem von Mozart, Debussy, David Monrad Johansen, Bruno Maderna oder Karl Bohrmann.

Ihre Solo CD „Poetry Album“, ein solistisches Konzeptalbum mit ausgewählten Klavierstücken verschiedener Epochen, ist 2018 beim Label Winter & Winter erschienen.

„Die Moderne ist unter Ohtas Fingern nichts Schweres, dem man nur mit hart verzogener Miene und hehrem Ernst begegnen kann. Die Moderne macht hier großen Spaß, die Abstraktion ist für Ohta ein glitzerndes Spielfeld für einen tollen pianistischen Ausdruck.“ so Rita Argauer in der Süddeutschen Zeitung.

 

Schlachthofbronx

Das Musiker-, Produzenten- und DJ-Duo Schlachthofbronx, Benedikt Wiessmeier und Jakob Döring, sind wohl aktuell die internationalsten Musiker unserer Stadt. Sie spielen und spielten praktisch schon überall auf dem Globus.

Ihre Musik ist eine unglaublich spannende Mischung aus Reggae, Dancehall, Techno, Dubstep, Cumbia, Miami Bass, Volksmusik und unzähligen anderen Einflüssen aus der ganzen Welt.

Sie kooperierten schon seit ihren Anfangstagen 2009 mit diversen internationalen Größen der Club- und Subkultur und waren unter anderem auch mit M.I.A. auf Tour.

Eine ihrer wohl unkonventionellsten Kollaboration ist die Edition Warngau, bei der sich die beiden für einen Auftritt auf der „Oiden Wiesn“ mit der Münchner Blaskapelle G.Rag & die Landlergeschwister zusammengetan haben.

Ihr jüngster Clou ist eine Kooperation mit dem „Elemental Wave Soundsystem“ namens „Blurred Vision“, bei dem sie ihre Vision von Bassmusik mit einer riesigen Tonanlage umsetzen.

Schlachthofbronx schaffen es nunmehr seit fast 10 Jahren, ihrer eigenständigen, musikalischen Vision zu folgen und mit ihren vielen Projekten und Kooperationen immer wieder die Münchner Musik- und Clublandschaft zu bereichern und zu erweitern. Sie fungieren als kreatives und verbindendes Element, nicht nur als Musiker, sondern auch als Veranstalter und Unterstützer der Münchener Szene.