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Projektstipendium Junge Kunst / Neue Medien für Musik 2015


Mathis Nitschke für das Projekt »Kabelsteg«

Jurybegründung

Das Projekt KABELSTEG (AT) von Mathis Nitschke verbindet auf originelle und kohärente Weise den Gedanken der Oper mit einem situationsbezogenen Spaziergang. Eine wichtige Rolle spielen hierbei technisch-dramaturgische Schaltungen, die uns heutzutage in großer Vielfalt zur Verfügung stehen. Die Verwendung von Apps („Applications“) erfreut sich in unserem Alltag ebenso großer Beliebtheit wie die - ursprünglich der Militärtechnik angehörende - GPS-Satelliten-Navigation.
Der Komponist Mathis Nitschke nutzt in KABELSTEG (AT) solche technischen Anwendungen für eine sehr flexible, zugleich kompositorisch verbindliche und sinnfällige Kombination von Musik und situationsspezifischem Denken. 

Die Hörbetrachterinnen und -betrachter seines Werks sind eingeladen, einen im Voraus geplanten Weg an der Isar in selbst gewähltem Tempo zu beschreiten und hierbei von Zeit zu Zeit Musik-Stücke abzurufen, die an einzelne Stationen ihres Spaziergangs gekoppelt sind. So reihen sich 14 Szenen aneinander und ergänzen sich nach und nach zu einer Erzählung. Diese Szenen speisen sich inhaltlich aus Interviews, die im Vorhinein an den selben Orten mit Spaziergängerinnen und Spaziergängern geführt wurden, und hieraus entstehen variable Module, aus denen sich sukzessive, im Fortschreiten der Rezipienten ein Fortschreiten einer Erzählung entwickelt, die allerdings nicht starr und einmalig vorgegeben abspult, sondern je nach Tempo der Nutzung oder Tageszeit variiert. Oper in Bewegung also, womit allerdings auch die Bewegung der Hörerinnen und Hörer an der Isar gemeint ist.

Mit diesem Unterfangen gelingt es Mathis Nitschke, zeitgenössische Komposition, ortsspezifisches Denken und die schlüssige Verwendung gegenwärtiger technologischer Möglichkeiten in einen konzisen Kontext einzubinden, der verspricht, Erhellung, Unterhaltung und Vertiefung auf feinsinnige wie kohärente Weise zu verbinden. Je weiter wir uns von den rituellen Umrahmungen der Oper als Bühnenkunst entfernt haben, desto näher könnten wir ihren wesentlichen Inhalten und Ritualen kommen.

In der Überzeugung, dass dieser Ansatz in dem Projekt von Mathis Nitschke eine kompetent reflektierte und spannende Auseinandersetzung erfährt, empfiehlt die Jury ihn für das Projektstipendium Junge Kunst/Neue Medien im Bereich Musik.“

Mitglieder der Jury

Daniel Bürkner (ERES-Stiftung), Prof. Res Ingold (Akademie der Bildenden Künste München), Prof. Michaela Melián (Hochschule für Bildende Künste Hamburg), Susanne Touw (Sammlung Goetz), Yvonne Leinfelder (Technische Universität München), Prof. Manos Tsangaris (Münchener Biennale) und aus dem Stadtrat Kristina Frank (CSU), Marian Offman (CSU), Kathrin Abele (SPD), Dr. Constanze Söllner-Schaar (SPD) und Sabine Nallinger (Bündnis 90/Die Grünen/Rosa Liste).