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Stipendien für Musik 2017


Jurybegründungen

Henrik Ajax

Für ein außergewöhnliches Projekt wird der Münchner Komponist Henrik Ajax ausgezeichnet. Er erhält einen Kompositionsauftrag für drei Münchner Ensembles der zeitgenössischen Musik, die ihr Zusammenwirken in einem gemeinsamen Konzert und in der Aufführung einer besonderen Auftragskomposition manifestieren wollen.

Die Münchner Szene für aktuelles Musikschaffen ist vielfältig und seit einigen Jahren sprunghaft wachsend. Um der Gefahr zu begegnen, dass die Vielfalt in unbedeutende Einzelaktionen zerfällt, wollen ab diesem Herbst das Ensemble Zeitsprung unter Markus Elsner, das Ensemble Oktopus der Hochschule für Musik und Theater unter Konstantia Gourzi sowie das Ensemble Blauer Reiter unter Armando Merino gemeinsam Synergien bündeln, Strategien in der Programmplanung suchen und mehr Potential in der Außenwirkung schaffen.

Mit Henrik Ajax, 1980 in Schweden geboren, wurde ein Komponist ausgewählt, der in Paris Klavier sowie in Würzburg und München Komposition studierte und bereits zahlreiche Preise, Stipendien und Kompositionsaufträge erhielt. Sein Schaffensmittelpunkt ist München und hier bekleidet er an der Hochschule für Musik und Theater einen Lehrauftrag für Musiktheorie.

Henrik Ajax hat in seinem bisherigen Œuvre gezeigt, dass er sensibel und souverän mit den Tonsprachen der zeitgenössischen Musik umzugehen versteht und so wird diese Komposition sicher zum besonderen Hörabenteuer, das die offenen Möglichkeiten von der Venezianischen Mehrchörigkeit bis zu Stockhausens „Drei Gruppen“ und avantgardistischen Raumklangexperimenten nutzt. Drei Ensembles mit drei Dirigenten werden zunächst auf mehreren Zeitebenen agieren. Jeder Gruppe ist eine eigene Tonsprache und Ästhetik zugeordnet. „Gefühlt stufenlos, langsam und allmählich kommen drei Welten zusammen. Komplexität verwandelt sich in Einfachheit, das Undurchdringliche wird zur Klarheit“ – soweit die Vision des Komponisten.

Fazer

In der Band "Fazer" haben sich herausragende junge Musiker der Münchner Jazzszene zu einem bemerkenswerten Ensemble zusammengeschlossen, das mit einer sehr eigenen, ungemein frischen Tonsprache überzeugt. Die ungewöhnliche Besetzung mit zweimal Schlagzeug, E-Bass, E-Gitarre und Trompete fügt sich äußerst organisch zusammen. Die beiden Schlagzeuger Sebastian Wolfgruber und Simon Popp verschränken ihre Rhythmen zu einem fein verwobenen Geflecht aus afrikanischer Polyrhythmik, Minimal Music und packenden Grooves. Bassist Martin Brugger, der als Musiker in allen Bereichen von Electronic über Hiphop und Rock bis hin zu klassischem Jazz zu Hause ist und außerdem als Musikproduzent für Aufsehen sorgt, steuert vom E-Bass aus die musikalischen Wendungen mit subtilen Impulsen. So gibt er Gitarrist Paul Brändle und Trompeter Matthias Lindermayr solistische Freiheit. Diese wird aber fast ausschließlich zur kollektiven Melodiensuche genutzt und nicht zum bloßen Herausstellen solistischer Fähigkeiten. "Fazer" besticht durch einen wiedererkennbaren, luftigen und durchweg spannungsvollen Gruppensound. Trotz des jungen Alters sind alle Musiker von "Fazer" prägende Instrumentalisten und somit ist das Ensemble ein absoluter Gewinn für die Münchnern Jazzszene und darüber hinaus. Das Debut-Album, Promotion dafür und die damit verbundene Release-Tournee soll durch das Musikstipendium der Stadt München gefördert werden.

Trio Clockwork

Das Trio Clockwork ist ein ganz junges Ensemble mit einem ungewöhnlichen, völlig eigenständigen Konzept. Dieses Ensemble mit der einzigartigen Besetzung Klavier, Hackbrett und Cello spielt eine klanglich sehr reizvolle zeitgenössische Kammermusik, die kompositorisch offen gehalten ist für spontane Interaktionen. Der Name des Trios, Clockwork, also Uhrwerk, besagt, dass hier Zahnräder ineinandergreifen und, wie es das Ensemble selbst formuliert hat, „nur gemeinsam funktionieren“. Eine besondere Feinfühligkeit des musikalischen Miteinanders ist in den ungemein organisch bewegten, von den Trance-haften Tonwiederholungen der „Minimal Music“ beeinflussten Stücken von Clockwork spür- und hörbar. In Konzerten nimmt das Trio auch Impulse aus dem Publikum auf, die die Gestalt der Stücke verändern können. Die drei Musiker, Robin Becker, Klavier, geboren 1993, Lisa Schöttl, Hackbrett, geboren 1991, und Alexander Sascha Veymer, Cello, geboren 1992, möchten ihr Programm „Lost Places“ auch an ungewöhnlichen Konzert-Orten wie Fabrikhallen, Kunst-Ateliers oder Werkstätten aufführen und benötigen dazu unter anderem ein spezielles Equipment für Live-Aufführungen, zudem ist eine Studioaufnahme zur Veröffentlichung einer CD geplant. Die Klänge und Pläne dieses Trios versprechen spannende Münchner Musik-Erlebnisse.

Leonhard und Ida Wolf-Gedächtnispreis für Musik 2017

Kathrin Isabelle Klein

Kathrin Isabelle Klein hat die Klavierwelt schon mehrfach aufhorchen lassen: durch Auszeichnungen beim Bundeswettbewerb „Jugend musiziert“ 2009 und 2011, beim „Berthold-Hummel-Wettbewerb“, beim „Bach-Wettbewerb für Junge Pianisten“ Köthen 2009, beim Internationalen Klavierwettbewerb Orléans“ 2014, um nur einige zu nennen.

Die Fähigkeiten, mit denen die junge Pianistin die Jury zu überzeugen vermochte, sind in dieser Konstellation im heutigen Musikbetrieb nicht oft zu finden: Kathrin Isabelle Klein stellt all ihr Können, mit dem sie selbst die anspruchsvollsten technischen Hürden scheinbar mühelos meistert, ganz klar in den Dienst der Musik. Ihre Virtuosität kommt ohne Effekthascherei aus; sie ist niemals Selbstzweck, sondern immer nur das Handwerkszeug, um ein Werk in größtmöglicher Klarheit zu durchdringen. Besonders erfreulich ist, dass sie sich neben dem klassischen Repertoire auch ausführlich und hingebungsvoll mit zeitgenössischen Komponisten sowie dem Kosmos der - hierzulande oftmals unterschätzen - französischen Klaviermusik beschäftigt. Ihr fein differenziertes Spiel verfügt über eine reiche Palette an zauberhaften Klangnuancen und natürlicher Agogik, mit der sie die französischen Meister zu klingendem Leben erweckt. Kathrin Isabelle Klein ist überdies eine ebenso stilsichere wie wandlungsfähige Künstlerin: sie gestaltet ungewöhnliche Programme, in denen klassische und zeitgenössische Werke auf intelligente Weise in einen Dialog treten. Darüber hinaus beeindruckt sie als sensible Kammermusikerin und Liedbegleiterin sowie als Pianistin im Orchester. Eine neugierig-offene und dabei schon erstaunlich reife Musikerin – man darf auf ihre weiteren musikalischen Erkundungsreisen gespannt sein!