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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Vergabe der der Popmusik-Programmförderung 2021


Jurybegründungen

Lily Felixberger: Marry Klein Clubfestival

Das jährlich im Harry Klein stattfindende, feministische Clubfestival „Marry Klein“ ist ein zentraler Baustein einer progressiven, diversen und emanzipatorischen Club- und Kulturlandschaft in München. Die Veranstalter*innen schaffen es nun schon seit nunmehr neun Jahren, ein gleichermaßen anspruchsvolles wie vielfältiges Programm auf die Bühne zu stellen. Sie beweisen nicht nur der Münchner Szene Jahr für Jahr erneut, wie gut und erfolgreich ein rein weibliches Festival-Lineup im Bereich der elektronischen Tanzmusik funktioniert.

Das „Marry Klein Clubfestival“ wirkt darüber hinaus als Inspiration, Türöffner und kreatives Netzwerk für viele Münchner Kulturschaffende. Es macht Mut und ist mitverantwortlich dafür, dass der Diskurs um Gleichstellung auf den Münchner Bühnen & Clubs ein fester Bestandteil der Kulturdebatte ist und auch bleibt.

Die Veranstalter*innen leisten mit diesem Format seit jeher Pionierarbeit: nicht nur für die Clubkultur, sondern für die gesamte Münchner Kulturszene. Die Jury freut sich über das stets ambitionierte Vorhaben und empfiehlt, das inzwischen unersetzlich gewordene Festival in seinem Jubiläumsjahr zu unterstützen.

 

Veit Oberrauch: Behind The Green Door Events

Die Konzertreihe „Behind the Green Door“ betrachtet sich selbst als Plattform für Subkultur aus aller Welt. Die Aspekte der Akzeptanz, Gleichberechtigung und Nachhaltigkeit sind zentraler Bestandteil. Seit 2017 gibt es das „Behind the Green Door“-Kollektiv, das seitdem bereits über 200 Künstler*innen aus über 40 Ländern eine Bühne bieten konnte.

Der interdisziplinäre Ansatz des Kollektivs – die Einbeziehung von Lichtinstallation und Design – ist für die Konzertreihe von zentraler Bedeutung und soll mit Hilfe der Popmusik-Programmförderung ebenfalls weiter ausgebaut werden. Bei dieser nicht-kommerziellen Konzertreihe vermischen sich Krautrock, Jazz, Funk und landestypische Musik. Mit dem Import Export bietet sich ihnen der ideale Veranstaltungsort für ihre Konzerte.

Ein Großteil der bislang im Rahmen der Reihe aufgetretenen Künstler*innen hätte ohne „Behind The Green Door“ keine Plattform in München gefunden: Sie sind schlicht nicht lukrativ genug für kommerzielle Veranstalter*innen. Der große Zuspruch, den die Konzertreihe in München bislang erfährt, zeigt, wie wichtig das Engagement des Kollektivs für eine bunte, nicht-kommerzielle Subkultur ist. Das „Behind the Green Door“-Kollektiv trägt mit seinem interkulturellen Anspruch somit einen wichtigen Teil zur Lebendigkeit der Münchner Subkultur bei und wird daher von der Jury für eine Popmusik-Programmförderung im Jahr 2021 vorgeschlagen


Nicola Schwartze: NIKA Femme Power

Eine gut sichtbare und nachhaltig vernetzte feministische Veranstaltungsreihe kann wesentlich dazu beitragen, die Sichtbarkeit von Frauen in der Veranstaltungsszene zu verbessern.

Die Veranstaltungsreihe NIKA Femme Power beschäftigt sich ganzheitlich mit diesem Thema – Frau in der Kultur, Frau in der Kunst, Frau im Theater, Frau im Bereich Poetry, Frau in der Musik, Frau in der Arbeitswelt. Die monatlich stattfindende Reihe soll junge Frauen dazu ermutigen, in der von Männern dominierten Veranstaltungswelt Fuß zu fassen, ob als Tontechnikerin oder auf der Bühne als Künstlerin.

Diese ganzheitliche Denkweise der Initiatorinnen ist ein wertvoller Beitrag zur Weiterentwicklung in der Branche und explizit der Münchner Szene. Der Zugang zum Thema Feminismus in der Musikbranche ist bei NIKA Femme Power bewusst direkt und niederschwellig: Der Spaß steht im Vordergrund. NIKA Femme Power beschränkt sich dabei in der Musik nicht nur auf ein Genre, sondern stellt mit Freude und Leidenschaft eine stilistisch bunte und breite Musikmischung auf die verschiedenen Bühnen der Stadt.

Die Förderung gibt Planungssicherheit und soll als Nährboden für mögliche entstehende Netzwerke dienen. Die Antragstellerinnen sind in der Münchner Szene aktiv und bestens vertraut mit ihren Bedürfnissen. Sie sind nach Auffassung der Jury sehr geeignet zur Umsetzung dieses Formates.

 

Matthias Stadler: TAM TAM Stadtspaziergang

Seit nunmehr fast zehn Jahren machen Matthias Stadler und sein TAM TAM-Projekt in München Furore. Ursprünglich als Straßenfotoprojekt entstanden, entwickelte sich TAM TAM zum Künstler*innen-Netzwerk und Zwischennutzungsprojekt (unter anderem in der Bar der Münchner Kammerspiele und der alten Stadtbibliothek Obergiesing). Der TAM TAM-Kosmos besteht aus Konzerten, Tanztreffs, Streamingangeboten, Soundwalks und vielem mehr.

Das Netzwerk bespielt verpasste Orte und Zwischenräume, sucht nach gesellschaftlicher Entkrampfung und Entgrenzung. 2021 wollen Matthias Stadler und TAM TAM – anknüpfend an ihre Bustour beim Rodeo-Festival 2018 – ihre Gäste zu „Stadtspaziergängen“ mit musikalischen Performances einladen, bei denen die Sensitivität der Teilnehmenden für Alltagssituationen und Orte in der Stadt geschärft werden soll, an denen man sonst oft vorbeigeht. Die Jury begeistern die anarchische Unbekümmertheit, mit der TAM TAM sich Ideen nähert, und die neuen Blickwinkel auf Orte, Un-Orte und die Stadtgesellschaft selbst, die sich daraus ergeben. Zudem stellen die „Stadtspaziergänge“ auch unter Corona-Bedingungen ein bestens umsetzbares Kulturformat dar.

 

Mitglieder der Jury

Der Jury gehörten an: Michael „Beli“ Hennig (Muffatwerk), Patrick Jung (Modular Festival), Christian Kiesler (Target Concerts), Mira Mann (Bayerischer Rundfunk), Alessa Patzer (Fachstelle Pop), Tobias Schneider (Amt für Kultur, Tourismus und Zeitgeschichte Dachau) und aus dem Stadtrat Mona Fuchs (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste), Dr. Florian Roth (Fraktion Die Grünen-Rosa Liste), Sabine Bär (Fraktion der CSU), Roland Hefter (Fraktion SPD/Volt) sowie Hans-Peter Mehling (Fraktion ÖDP/FW).