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Förderung von Kinder- und Jugendtheaterproduktionen der freien Szene 2021


Jurybegründungen

Maja Das Gupta: „Elias Revolution“

Ab 14 Jahren; geplante Aufführungsorte: Pathos Theater, Kulturbühne Spagat, Pepper Theater

Maja Das Gupta zählt zu den Nachwuchsautor*innen, deren Texte sich mit aktuellen Stoffen kritisch auseinandersetzen. Für ihr neues Stück hat sie ein Konzept vorgelegt, das sich mit Protest und Widerstand als einem länderübergreifenden gesellschaftlichen Thema befasst. Ausgangspunkt ist Elia, eine junge Frau, die ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt, um auf ein globales Problem der Klimaerwärmung aufmerksam zu machen. Trotz ihrer nachvollziehbaren Beweggründe gerät sie zunehmend in das Räderwerk von Diffamierung und Hass, die ihr aus den verschiedensten politischen Richtungen und Motivationen entgegenschlagen und aufgrund einer geradezu viralen Verbreitung nicht mehr zu stoppen sind. Gleichzeitig ist es Maja Das Gupta ein Anliegen, Möglichkeiten und Grenzen der Kunst zu hinterfragen und die Rolle der sozialen Medien kritisch

zu überprüfen. Überzeugt hat die Jury auch, dass sich das Spiel der Darsteller*innen für die Interaktion mit den Zuschauer*innen öffnet und zur eigenen Positionierung und Interaktion herausfordert. Obwohl dies einiges an Fingerspitzengefühl erfordert, wird auf diese Weise der Bogen zum Hier und Jetzt geschlagen und verspricht ein spannendes und auf die Zielgruppe hin erarbeitetes Theaterprojekt. Die Jury befürwortet eine Förderung in Höhe von 38.650 Euro.

 

Erby/Groß GbR - Renate Groß und Robert Erby:

„KUBIK-m3“ (Untertitel: „Ein Reigen der Veränderung“)
Ab 12 Jahren; geplante Aufführungsorte: Literaturhaus München, Turnhallen, Sportplätze, Isarauen

Das „Kindertheater im Fraunhofer“ wandelt sich. Die Notwendigkeit, neue Räumlichkeiten zu suchen, gepaart mit den gewaltigen Veränderungen, die durch die Corona-Pandemie bei Theatern, insbesondere in der freien Theaterszene, ausgelöst wurden, aber auch die eigene Entwicklung und die Absicht, sich älteren Kindern zuzuwenden, sich also einer neuen Zielgruppe zu öffnen, nämlich Kindern, die selbst im Umbruch, in der Pubertät stecken, nimmt das Ensemble Groß/Erby zum Anlass, das Phänomen der Umbrüche zu thematisieren und dabei vergangene Veränderungen in Kunst und Literatur als Inspiration zu nutzen.

Das vorgelegte Konzept ist so offen wie die derzeitige Planungssicherheit freier Künstler*innen. Als Grundidee für den Umgang mit nicht planbaren Veränderungen steht der Würfel, sowohl als gedankliche Weiterführung der vier Gründungsmitglieder der GbR, die sich als eine Seite dieses Würfels sehen und wissen dass es andere Seiten gibt, als auch als ein Symbol für das Prinzip des Zufalls, wofür Würfelspiele stehen.

Es ist mutig, eine Jury mit einem derart offenen Antrag herauszufordern. Es ist aber auch konsequent und ehrlich und insgesamt rundet sich der Entwicklungsschritt zu einem überzeugenden Projektvorhaben. Hierbei fällt insbesondere ins Gewicht, dass das Ensemble sich in den letzten Jahren stark mit den Entwicklungen der „Szene“ auseinandergesetzt hat, sich dem aktuellen Diskurs gestellt und sich eingebracht hat und dies sich auch in den Produktionen erkennbar positiv niedergeschlagen hat.

Gerade weil das Ensemble in den letzten Jahren bewiesen hat, dass es auf Entwicklungen von außen reagieren und diese produktiv künstlerisch umsetzen kann, überzeugt die Jury besonders der folgerichtige Ansatz, die derzeitige auf unterschiedlichen Ebenen herrschende Unsicherheit künstlerisch zu verarbeiten und dabei sich selbst als Ensemble neu zu erfinden. Die Jury spricht sich daher für eine Förderung von 26.810 Euro aus.

 

Christine Hagemann: „Die Mumins und die Katastrophe“

Ab 4 Jahren; geplante Aufführungsorte: Pathos Theater, Kulturbühne Spagat und anderen

Katastrophen gibt es in Tove Janssons Geschichten über die Mumins zuhauf - und unzählige Möglichkeiten, ihnen zu begegnen: Pessimistisch, panisch - meist aber gelassen, mit Neugier und ohne Angst vor Situationen, die alles Bekannte über den Haufen werfen. Damit sind diese gänzlich unbetulichen Geschichten, obgleich schon zwischen 1945 und 1948 entstanden, ewig aktuell. Tine Hagemann greift für ihre geplante Stückentwicklung „Die Mumins und die Katastrophe“ enorm treffsicher einige Figurenkonstellationen und Krisen-Strategien heraus: Von der Filifjonka, die erst das Eintreten des antizipierten Unheils entspannt, bis zur mutigen Erkundungsreise von Schnüferl und Mumin im Vorfeld eines Kometeneinschlags. Die an der Berliner Ernst Busch-Schule ausgebildete Schau- und Puppenspielerin wird das Stück für Kinder ab 4 Jahren mit selbstgebauten Figuren umsetzen, deren so schrägen wie liebenswerten Charakter man schon 2018 in der gelungenen TamS-Produktion „Schlimmes Ende“ bestaunen konnte. Gemeinsam mit der Regisseurin Andrea Kilian und der Multiinstrumentalistin Verena Richter entwickelt Hagemann auch passende Melodien und Songs. Die Aufführung ist als Singspiel mit Live-Musik, physical theatre-Elementen, Puppen, Masken und Schauspiel geplant. Die Jury empfiehlt, dieses ausgeklügelte und neugierig machende Konzept mit 33.600 Euro zu unterstützen.

 

Ceren Oran: „In meinen Träumen bin ich meine Mutter“

Ab 5 Jahren; geplante Aufführungsorte: Theater HochX, Grundschulen

Die Familie als kleinster Baustein des gesellschaftlichen Systems wird in diesem Tanztheater, aus der Sicht des Kindes, unter die Lupe genommen. Inspiriert von Familiendynamiken und den unterschiedlichen Entwicklungsstufen der Eltern-Kind-Beziehung, entwickelt Ceren Oran mit zwei Tänzer*innen und zwei Pianist*innen Bilder, Szenen und Szenarien, die die Beziehungen einzelner Familienmitglieder untereinander beschreiben.

Ceren Oran führt mit „In meinen Träumen bin ich meine Mutter“ ihre künstlerische Arbeit konsequent fort. Ihr Tanzstück basiert auf persönlichen Geschichten und Erfahrungen aller Mitwirkenden, für deren Umsetzung sie eine körperlich abstrakte aber auch humorvolle Tanzsprache findet. Die Jury überzeugt der inhaltliche und künstlerische Forschungsansatz dieses Projektes, inklusive der intensiven Recherchephase und sie befürwortet eine Förderung in Höhe von 36.000 Euro.

 

Jochen Strodthoff - GbR Bischoff, Herrberg, Perumal, Strodthoff, Wedel: „WAS WÄRE WENN? – 31 Variationen über den Zufall“

8 bis 12 Jahre; geplante Aufführungsorte: Mucca 31, Kulturbühne Spagat, online via Zoom

Was wäre wenn ich einen anderen Vornamen hätte? Wenn sich meine Eltern oder Großeltern gar nicht kennengelernt hätten? Wäre ich dann? Wer wäre ich dann? Diese und andere Fragen in Bezug auf die eigene Biografie stellen sich alle Menschen mehrfach im Leben. Der Regisseur Jochen Strodthoff will mit „WAS WÄRE WENN?“ Möglichkeitsgeschichten erzählen, die zeigen, dass im Leben immer alles anders laufen kann. Doch Angst ist hier fehl am Platz. Nur wer entscheidet, sammelt Erfahrungen, positive und negative – und wächst daran. Ein mutmachendes Stück, das gleichzeitig den Möglichkeitssinn trainiert und die Sinne für einen kreativen Umgang mit Situationen schult. Der inklusive und partizipative Ansatz hat die Jury ebenso überzeugt. So agieren auf der Bühne die gehörlose Performerin und Tänzerin Kassandra Wedel und der Schauspieler Murali Perumal gleichberechtigt mit Gebärdensprache, Tanz und Bildern aber auch mit Lautsprache, um gehörlose und hörende Kinder gleichermaßen anzusprechen. Das junge Publikum entscheidet an jeder Wegkreuzung, welche Richtung die Performer*innen einschlagen sollen. So entsteht ein narratives Netz, das in jeder Vorstellung ein anderes sein wird. Die Jury empfiehlt, die Produktion mit 25.670 Euro zu fördern.

 

Theater KUNSTDÜNGER GbR - Christiane Ahlhelm: „SchleichWeg“

5 bis 9 Jahre und Erwachsene; geplante Aufführungsorte: Quax Echo e. V. Messestadt Riem, Giesinger Bahnhof, Pasinger Fabrik, Theater HochX

In ihrem Projekt „SchleichWeg“ beschäftigt sich das Theater KUNSTDÜNGER mit dem Leben zweier Figuren in Parallelwelten, die einander sehen und sich gleichzeitig übersehen: Ein junges Wesen und eine Kellerassel. Eigentlich haben sie nichts miteinander zu tun, leben ganz unterschiedlich. Doch etwas macht das Wesen neugierig auf die Kellerassel. Selbst lebt das Wesen normalerweise behütet in seinem überschaubaren Raum. Die Kellerassel erobert unbekannte Räume, erforscht sie und sammelt dabei alles, was ihr in den Weg kommt. Gemeinsam begeben sie sich auf eine Abenteuerreise, die auf einer Fußmatte beginnt und hier auch wieder endet. Die Jury überzeugen am Konzept der Produktion vor allem die Themen, denen sich die beiden Figuren stellen müssen: Begegnung – Fremdheit – Projektionen, Genügsamkeit – Konsum – Verzicht, Mut – Abenteuer – Respekt. Auch die offene Spielweise des Ensembles,

im Zentrum der Inszenierung steht ein Rollkino aus Zeichnungen, das einem Film gleich Orte und Gestalten ihrer Expedition aufscheinen lässt, überzeugt die Jury. Denn damit wird das Publikum zum Mitdenken, zum Mitentwickeln angeregt und kann seine eigenen Phantasien einbringen.

„SchleichWeg“ ist die 20jährige Jubiläumsproduktion des Theater KUNSTDÜNGER.

Die Jury empfiehlt eine Förderung in Höhe von 26.000 Euro.

Der Jury gehörten an:

Antonia Brix (Theaterregisseurin), Karnik Gregorian (Regisseur, Dokumentarfilmer, Journalist), Gerti Köhn (Dramaturgin und Kulturamtsleiterin), Dr. Christiane Plank-Baldauf (Dramaturgin und Privatdozentin), Sabine Leucht (Freie Journalistin und Kritikerin), Thomas Stumpp (Goethe-Institut und Geschäftsführer FigurentheaterForum München) sowie aus dem ehrenamtlichen Stadtrat Marion Lüttig (Fraktion Die Grünen - Rosa Liste), Jens Luther (CSU-Stadtratsfraktion), Kathrin Abele (SPD / Volt-Fraktion) sowie Sonja Haider (Fraktion ÖDP / FW).