Aktuelle Corona-Infos der Stadt unter www.muenchen.de/corona
zum Seitenanfang
Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Ehrungen im Bereich der Münchner Volkskultur 2019


Ehrenmedaille für Verdienste um die Volkskultur und Innovationspreis Volkskultur

Die Stadt München ehrt jährlich Persönlichkeiten und Gruppierungen aus dem Bereich der Münchner Volkskultur: Rose Bihler Shah erhält in diesem Jahr die „Ehrenmedaille für Verdienste um die Volkskultur in München“. Die passionierte Sängerin wird für ihren überzeugenden Einsatz in der generationen- und kulturübergreifenden Vermittlung der tradierten Kulturtechnik Singen im volkskulturellen städtischen Kontext geehrt.
Mit dem „Innovationspreis Volkskultur“ wird Michael Metzger mit seinem Projekt „Sing ein Lied in Deiner Stadt“ ausgezeichnet. Dieses einzigartige partizipative Empowerment Projekt schafft einen Erlebnisraum für Laien aller Altersgruppen, in dem sie ihre eigene Stimme unter professioneller Begleitung erfahren und hörbar machen können. Damit werden jenseits von Casting Formaten die individuellen Potentiale von Menschen in München sichtbar.
Zudem werden rund 25 Münchner Volkskulturgruppen mit einer Urkunde für ihr langjähriges Engagement in der Münchner Volkskultur gewürdigt.
Die undotierten Preise und Ehrungen werden am Freitag, 15. November, bei einem Festakt mit geladenen Gästen durch Bürgermeisterin Christine Strobl und Kulturreferent Anton Biebl überreicht. Über die Vergabe der Ehrungen entscheidet der Ältestenrat der Landeshauptstadt München auf Empfehlung des Kulturreferats.

Die „Ehrenmedaille für die Verdienste um die Volkskultur in München“ wird seit 1982 an verdiente Persönlichkeiten verliehen. Im nun 38. Jahr dieser Ehrung wird es erstmalig eine völlig neu gestaltete Medaille mit Anstecknadel geben. Angestoßen wurde dieser Prozess vom Kulturreferat, Bereich Volkskultur in Zusammenarbeit mit der Meisterschule für Gold- und Silberschmiede. Sechs Meisterschülerinnen und -schüler des Jahrgangs 2018/2019 haben sich sich in einem Klassenwettbewerb dieser Aufgabe mit Bravour gestellt. In einem Juryverfahren wurde der Entwurf von Frau Lena Niggl zum Sieger gekürt. Mit ihrem Entwurf „Der Schwung im Leben“ ließ sich Frau Niggl dazu inspirieren, alles aufzugreifen wofür die Volkskultur in München steht und diese Schlagworte in einer Medaille zu vereinen und zu visualisieren. Ihr Zitat hierzu “Es ist nicht einfach nur der Tanz oder der Gesang, nein vielmehr steht die Freude, miteinander etwas zu tun, den Spaß und die Lust, gemeinsam aktiv zu sein.
Die Medaille wurde in einem 3D-Druckverfahren erstellt, in verlorener Form in Silber gegossen und danach vergoldet. Das tanzende Paar auf der Medaille wurde von Hand gefertigt und anschließend in einer Silikonform zur Vervielfältigung gegossen. Ein Kugellager verbindet das Paar mit der Medaille und lässt es auf deren Oberfläche umher tanzen.

Aus der Begründung Verleihung Ehrenmedaille für Bihler Sha

„Fest verwurzelt und bestens vernetzt in ihrem Stadtteil Moosach singt, spricht und spielt Frau Bihler Shah seit Jahrzehnten zu den unterschiedlichsten Anlässen und ist dabei selbst eine versierte Vermittlerin tradierter Kulturtechniken, die es in der Volkskultur dringend braucht. Aus persönlicher Begeisterung heraus hat sie zahlreiche Projekte in Eigenregie und oft ohne finanzielle Unterstützung umgesetzt, immer mit der Überzeugung, zusammen mit den Teilnehmenden gemeinsam ein Ziel zu erreichen. Ihr Wirken beschränkt sich dabei längst nicht mehr nur auf Moosach. Auch stadtweit tritt sie mit ihren mittlerweile häufig geförderten Mitmachprogrammen in Erscheinung und versteht es mit ihrem Charme und ihrer Liebe fürs Detail, die Menschen für Musik und Gesang zu begeistern.

Wer sich mit der Vita von Frau Bihler Shah beschäftigt, erkennt schnell ihre Leidenschaft für die Musik der Zeit zwischen 1900 und 1960. Ihr ist es zu verdanken, dass sich in den vergangenen Jahren das Kulturreferat, Bereich Volkskultur wieder intensiv mit der Salon-, Redouten- und Ballmusik beschäftigt, die als typisch städtische Musikform des vorherigen Jahrhunderts ein wenig aus der Zeit gefallen schien. Dass die Münchner Bevölkerung sich aber durchaus für das gesellschaftliche Tanzparkett mit Live-Musik begeistern lässt – und das generationenübergreifend – belegen die Tanzformate, die auf Initiative von Frau Bihler Shah vom Kulturreferat seit 2017 erfolgreich durchgeführt werden.
Unter der Reihe „Tanzsalon“ firmieren zum Beispiel verschiedene Tanztee-Angebote, die in der Herbst- und Wintersaison sonntäglich dazu einladen, dass sich Münchnerinnen und Münchner aller Altersgruppen wieder zu live Salonmusik nachmittags zum Tanzen treffen können. Bei Cha Cha Cha, Rumba und Fox-Trott kommt dabei auch das Gesellschaftliche nicht zu kurz: Man trifft sich bei Tee, Kuchen und vielleicht sogar einem Gläschen Sekt und hat Zeit füreinander. Der „Salonball“ und das „Silvesterfest“ sind weitere Highlights, bei denen mit größeren Salon- und Ballorchestern die Hits der damaligen Zeit erklingen und die Menschen zusammenfinden.

Als leidenschaftliche Sängerin plant und organisiert Frau Bihler Shah nicht nur hervorragend und mit einer Liebe fürs Detail, die ihresgleichen sucht. Oft steht sie mit ihren eigenen musikalischen Besetzungen, wie zum Beispiel als „Fräulein Rosemarie & ihre Lieben“ oder mit der „Damenkapelle RosenRot“ selbst auf der Bühne und animiert das Publikum zum Mitmachen.

Besonders hervorzuheben ist Frau Bihler Shahs Engagement, mit musikalischen Laien zusammenzuarbeiten und Projekte gemeinsam zu erarbeiten. Eine Paradebeispiel hierfür ist  „Der CHOR“. Dieser Laienchor ist ein stadtweiter Projektchor, der sich immer wieder für unterschiedlichste Auftritte neu zusammenfindet. Mitmachen dürfen alle Interessenten, egal ob jung oder alt, alleinstehend oder mit Familie, Menschen mit oder ohne Behinderung, unabhängig von der sozialen Stellung. Zudem werden keine Teilnahmegebühren erhoben. Er soll explizit für alle zugänglich sein, die gerne miteinander singen oder es einfach einmal ausprobieren möchten.
Damit entspricht „Der CHOR“ genau den Kriterien des volkskulturellen Vermittlungsansatzes, Menschen wieder aktiv die Kulturtechniken zu bringen und mit absolut niederschwelligen Zugang und inklusivem Ansatz Teilhabe zu ermöglichen.
Ein weiteres Format lässt in diesem Zusammenhang aufhorchen: Das interkulturelle und grenzüberschreitende Projekt „...fra le mura...- zwischen den Mauern“, wo es Frau Bihler Shah gelingt, länderübergreifend Laienmusiker und Laiensänger*innen für mittelalterliche Musik zu begeistern. Musiziert wird aus den Musikquellen Italiens sowie der regionalen Überlieferung beispielsweise aus den Carmina Burana. 2015 erstmalig auf dem Moosacher-St.-Martins-Platz inszeniert fand eine Folgeveranstaltung 2018 in der Toskana und erneut vor dem Pelkovenschlössl in Moosach statt. Diese Reihe wird in loser Folge auch zukünftig fortgesetzt.

Singen und tanzen macht glücklich – das ist der Leitspruch von Frau Bihler Shah. Mit ihrem unvergleichlichen Gespür für die Potenziale und Bedürfnisse ihrer Besucher*innen ist sie eine gefragte Vermittlerin tradierter Kulturtechniken, immer mit dem Ziel, Gemeinsames zu erreichen. „Wie eine große Familie“ schafft Frau Bihler Shah es ein aufs andere Mal, besonders die sozialen Aspekte des Miteinanders in den Mittelpunkt ihrer Arbeit zu stellen. Und das ist meist wichtiger, als der große Erfolg vor Publikum.“

Aus der Begründung „Innovationspreis“

„Michael Metzger ist seit 2010 als diplomierter Musiktherapeut am kbo-Heckscher Klinikum in München. Die Klinik ist das erste deutsche Krankenhaus im Bereich Kinder- und Jugendpsychatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Nach seinem „B.A. in Music und Psychology“ an der London University hat Metzger zwischen 2013 und 2016 zusätzlich die dreijährige Fortbildung in Prozessarbeit nach Arnold Mindell absolviert. Im Rahmen dieser Fortbildung entstand das Projekt SING EIN LIED IN DEINER STADT, das seit 2016 als ehrenamtliches musikalisches Leuchtturmprojekt im Bereich Volkskultur in München zu bewerten und auszuzeichnen ist.

Metzger arbeitet tagtäglich im Klinikalltag an der Fragestellung, wie das Mittel Musik Menschen positiv beeinflussen kann. Sein über knapp 10 Jahre erarbeitetes Know-how lässt er in dieses Projekt einfließen, das jedoch den Klinikrahmen verlässt und stadtweit als empowerment-Format für Laien jeglichen Alters und musikalischer Vorbildung konzipiert ist. Es bietet Münchnerinnen und Münchnern unter hochprofessioneller Begleitung die Möglichkeit, die eigene Stimme zu finden und hörbar zu machen, jenseits aller Casting Formate, die in diesem Sektor im Selektionsprozess funktionieren.

Ganz einfach gesprochen: SING EIN LIED IN DEINER STADT ermutigt Menschen, ihren Traum wahr zu machen, mit einer Band live vor Publikum zu singen. Die Setzung klingt recht einfach, doch wie filigran, lebendig und feinsinnig dieses Projekt ist, lässt sich erst an den professionellen Details des Erlebnisraums ablesen, den Michael Metzger konstruiert hat.

Dies beginnt bei der Auswahl der Band-Kolleginnen und -Kollegen, die das Projekt ebenfalls ehrenamtlich mit ihm zusammen realisieren: Unter der Maßgabe, wirklich für jeden einzelnen Teilnehmer einen individuellen und sicheren Rahmen zu schaffen, in dem agiert werden kann, hat Metzger zwei weitere Musiktherapeuten an Bord geholt: Den Bassisten David Westphäling und Harald Neudert an der Gitarre. Dazu kommen Johnny Schüßlbauer am Schlagzeug und Isabella Kaiser als Vocal Coach. Schüßlbauer ist selbst Laienmusiker, Isabella Kaiser Profi-Sängerin. Gemeinsam sind sie verbunden als Band mit Metzger am Klavier in ihrer aller Fähigkeit, die musikalischen, sozialen und persönlichen Bedürfnisse eines jeden Akteurs höchst empathisch zu finden und weiter zu entwickeln. Eigene künstlerische Ego-Energien haben hier nichts zu suchen. Das Projekt dient in 5:1 Betreuung jedem Einzelnen, der vor das Mikro treten möchte.

Der Ablauf im Prozess vor der Aufführung ist immer der Gleiche: Interessierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer bewerben sich mit einem Audiofile ihres Songs, Metzger sortiert und führt die Vorgespräche. Auf die Bühne eingeladen sind all diejenigen, die wirklich noch keine Band-erfahrungen vorweisen. Danach erfolgt ein Proben- Abend mit der Band an dem im geschützten Rahmen das Setting gefunden wird, in dem die teilnehmenden Laien ohne Angst und voller Vertrauen auftreten können.

Dabei kommt neben der wichtigen Funktion der Musiker vor allem der Sängerin Isabella Kaiser eine besondere Rolle zu: Sie unterstützt sängerisch immer dann, wenn einer der Teilnehmerinnen und Teilnehmer in einem Moment der Unsicherheit diese helfende musikalische Hand braucht.

Das Projekt bietet einen maximalen Schutzraum. Die beiden Realisierungen im MUCCA und im BELLEVUE DI MONACO 2016 und 2018 beweisen, dass das fantastisch aufgeht. Geplant ist aktuell ein jährlicher Termin in Fortsetzung. Die Energie, die auf der Bühne entsteht, strahlt ab auf die zuschauenden Gäste, die sofort verstehen, das könnte ich sein da oben. Singen macht Spaß und gehört als Kulturtechnik zu allen Menschen, ob sie das bis jetzt bewusst in ihrem Leben erfahren haben oder nicht. SING EIN LIED IN DEINER STADT macht das individuelle Potential und die Geschichten von Menschen sichtbar, für Teilnehmerinnen und Teilnhemer wie Zuschauerinnen und Zuschauern gleichermaßen. Es widersetzt sich der Idee, im Castingprozess Menschen in gut und besser zu kategorisieren, sondern holt jeden einzelnen dort ab, wo er mit seinem Können gefunden werden möchte, jenseits von Kameras und PR-Maschinerie, sondern in der Beobachtung von zugewandten Zuhörerinnen und Zuhörern, die vielleicht selbst schon immer einmal live vor Publikum singen wollten.“