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LAUTyodeln


Christian Zehnder  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Thomas Radlwimmer

Konzert in der Allerheiligen-Hofkirche, Samstag, 11. Juni, 20 Uhr

Zum Abschluss der Festivalwoche LAUTyodeln lädt das Kulturreferat der Landeshauptstadt München zum Konzert in die Allerheiligen-Hofkirche am Samstag, 11. Juni, 20 Uhr ein. Der Abend steht ganz im Zeichen der Ursprünglichkeit des Jodelns. Das Publikum erwartet ein Reigen traditionell überlieferter Naturjodler in Gesang und Musik von der Innerschweiz bis in den Bayerischen Wald, aber auch Jodler neu interpretiert und bereichert durch stimmlich und musikalisch neue Klangwelten. Mit dabei: Der Stimmvirtuose Christian Zehnder, die Juuzergruppe „Natur pur“ aus dem Muotathal sowie Monika Drasch/Maria Reiter & Freinds.
Kartenvorverkauf über MünchenTicket: Karten Kategorie I, 25 Euro + VVG; Karten Kategorie II, 20 Euro + VVG; Karten Kategorie III, 18 Euro + VVG; Ermäßigung für Kategorie III, 9 Euro + VVG.

Christian Zehnder  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Nils Fisch

Christian Zehnder (CH)

Christian Zehnder ist einer der profiliertesten Vokalisten der internationalen Szene, dessen Gesangsperformances weltweit für Furore sorgen. Erste Sporen verdiente sich der Stimmakrobat aus Basel, der auch als Komponist und Regisseur von Theater- und Musiktheaterproduktionen hervorgetreten ist, mit dem „Duo Stimmhorn“, um danach mit eigenen Projekten (etwa dem Kraah Trio) an die Öffentlichkeit zu treten. Die Palette seiner archaisch-experimentellen Singtechniken reicht von monologischem Obertongesang über „Schweizer Naturjodel“ bis zu erweiterten Vokalartistik der Avantgarde, wobei er alles auf so überraschend wie überzeugende Weise miteinander verbindet. „Es ist meine große Leidenschaft, den urtümlichen Jodel im universellen Sinn neu zu entdecken“, sagt Zehnder. „Das Jodeln führt direkt hinein in schamanistische, rituelle Techniken und da besteht dann zwischen einem Jodel aus dem Muotathal und den Rufen der Pygmäen im afrikanischen Regenwald kein großer Unterschied.“

Natur pur  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Natur pur (CH)

Das Muotathal im Kanton Schwyz in der Innerschweiz gilt als die Urgegend des alpenländischen Jodelns. Das Tal, das nur durch eine steil abfallende Schlucht erreicht werden kann, wurde erst in den 1940er Jahren für den Verkehr erschlossen und hat sich deshalb seine eigene Musik bewahrt. Hier ist der „Naturjuuz“ daheim, der alte schroffe Jodelruf – textlos, ohne Worte: „ein grober unveredelter Wildtrieb“. Die „merkwürdig gepressten, schaurig klagenden Schreie“ werden heute noch von der Gruppe „Natur pur“angestimmt. Alle Mitglieder des Gesangsquintetts, das von Bernhard „Beny“ Betschart geleitet wird, kommen aus der Gemeinde Muotathal und hatten diese rohe ungezähmte Art des Singens von jung an im Ohr. Individuelle Stimmen, ungeglättet und unpoliert, die sich anhören, wie wenn man „durch ein Güllerohr in ein Fass hineingröle“, wie es einst ein Reporter aus der Großstadt sichtlich irritiert beschrieb. Dieses archaische Heulen hat nichts mit den gepflegten Harmonien der Jodelchöre zu tun, eher mit Roland Barthes' “Rauheit der Simme“. Es ist die Selbstvergewisserung des Individuums in der Einsamkeit der Gebirgswelt, wobei die Berge und Täler zum Echoraum werden.

Monika Drasch, Maria Reiter & Freinds (München)

Der Klanglichkeit des frühen 19. Jahrhunderts nachspürend, die musikalischen Möglichkeiten des 20. und 21. Jahrhunderts nutzend, singen und spielen die vier Künstlerinnen und Künstler ihre Lieblingsari´n, wie es ihnen gefällt und wie sie sich entwickelt haben im gemeinsamen Musizieren.
Unter Ari´n versteht man langsame Musikstücke mit einfachen Melodien, die klangintensiv gesungen oder gespielt werden. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts kam der Begriff aus Italien nach Deutschland. Er steht für eine einfache Weise – im Gegensatz zur später entwickelten „Opernarie“ – und ist noch heute in Niederbayern gebräuchlich. Kräftig war er wohl, der Gesang im Bayerischen Wald, und voller Seele. Zart kann er sein, wenn es um Tod geht oder Sehnsucht, juchzend und stark, wo Freudiges besungen wird. Ins Herz gehende Zweistimmigkeit wird zu hören sein, ungewohnte spannungsvolle Dreistimmigkeit sehr alter bayerischer Lieder, die man wiedergefunden hat in Rumänien bei ausgewanderten Böhmer- und Bayerwäldlern. Und präsentiert werden neue Klänge unserer Zeit in Kompositionen und Arrangements.
Mit vier Gesangsstimmen, Akkordeon, Gitarre, Geige und Dudelsack werden die schönen alten Melodien im neuen Klanggewand präsentiert von: Monika Drasch, Ari´n singend und interpretierend seit vielen Jahren; Maria Reiter, mit ihrem Akkordeon in vielen musikalischen Welten daheim; Christian Gruber, Gitarrist und vom Zauber der alten Weisen sofort infiziert; Sebastian Myrus, mit seiner schönen Baritonstimme und durch das Wechseln in den Altus virtuos einen Bogen spannend von der niederbayerischen Ari´ auch zur Arie der barocken Klangwelten.

Duo Windbone & Hornquartett der Münchner Philharmoniker

Der Jodler als reine Musikgattung steht im Fokus des Duo Windbone und des Hornquartetts der Münchner Philharmoniker. Die beiden Gruppen kommen hierfür das erste Mal zusammen und wagen ein Experiment, das Genre „Jodler“ mit ihren unterschiedlichen instrumentalen Besetzungen zu erfassen und zu interpretieren. Die Tradition des Weisenblasens im kirchlichen Raum, die die Hornisten der Münchner Philharmoniker gut kennen und ausüben, greifen sie dabei als Grundidee auf, entwickeln diese aber weiter und schaffen daraus neue Klangfarben. Die Musiker bringen ihre langjährigen Erfahrungen in unterschiedlichen Musikstilen, freier Improvisation und Jazz ein. Alleine die für Weisenbläser ungewöhnliche Besetzung mit den vier Hornisten Maria Teiweis, Alois Schlemer, Matías Piñeira und Hubert Pilstl verspricht ein neues Hörerlebnis. Dieses Bläserfundament erfährt Bereicherung durch die Klangforscher Robert Morgenthaler und Jean-Jacques Pedretti aus der Schweiz, die mit Alphörnern, Posaunen, Muschelhorn und Percussion den Klangkörper ergänzen und erweitern. Musikalisch – kosmopolitisch verbinden sie so die Musik verschiedener Kulturen. Auf das Ergebnis darf das Konzertpublikum gespannt sein! Es kommt in den Genuss einer Weltpremiere, denn so wie die Jodler zu hören sein werden, wird man sie bislang nicht gehört haben. Das Publikum wird Zeuge neuer, aus dem Spiel miteinander entstandener eigener Formen – einer Begegnung von Heimatklängen und Zukunftsmusik.

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Bedeutendes Bauwerk - Ehem. Allerheiligen-Hofkirche