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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

"Vielfalt schlägt Einfalt"


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Vielfalt schlägt Einfalt

„Alle Menschen sind frei und gleich an Würde und Rechten geboren. (…) Jeder hat Anspruch auf alle in dieser Erklärung verkündeten Rechte und Freiheiten, ohne irgendeinen Unterschied, etwa nach Rasse, Hautfarbe, Geschlecht, Sprache, Religion, politischer oder sonstiger Anschauung, nationaler oder sozialer Herkunft, Vermögen, Geburt oder sonstiger Stand.“ (Artikel 1 und 2 der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte, AEMR)

Was ist Gesellschaft? Hierzu gibt es viele Definitionen, was vor allem daran liegt, dass sich der Begriff mit der Zeit verändert hat. „Die Gesamtheit der Menschen, die zusammen unter bestimmten politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnissen leben“ (Duden) ist zum Beispiel einer der Versuche Gesellschaft zu erklären. Doch eigentlich ist unsere Gesellschaft doch nichts anderes als eine bunte Mischung vieler verschiedener Menschen! Sie, ihre Interessen und ihre Meinungen ändern sich ständig. Bei der Landeshauptstadt München spielt Vielfalt eine große Rolle, weshalb die Stadt bereits mehrmals für ihre Bemühungen, Vielfalt dauerhaft zu etablieren, ausgezeichnet wurde. Zuletzt als sie im April 2008 den 1. Platz im bundesweiten Wettbewerb „Kulturelle Vielfalt in der Ausbildung“ belegte und im Dezember des selben Jahres den 2. Platz beim Wettbewerb der Bundesregierung „Kulturelle Vielfalt am Arbeitsplatz“gewann. Nun möchte sich die Landeshauptstadt München den gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen noch stärker anpassen. So wurde mit dem Stadtratsbeschluss vom 24.10.2012 festgelegt, dass die seit 2005 bestehende Schulungsreihe „Vielfalt macht‘s möglich – eine Herausforderung für uns alle“ weiterentwickelt werden soll. Diese war anfangs eine dreitägige Schulungsreihe bestehend aus zwei Modulen zur Entwicklung und Förderung der interkulturellen Kompetenz aller städtischen Nachwuchskräfte.

Vielfalt Menschen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Das Modul 1 konzentrierte sich dabei auf das Thema Achtung und Toleranz, das Modul 2 hatte die interkulturelle Verständigung zum Inhalt. Mit einem Mix von Praxis, Theorie-Inputs, Selbsterfahrung, interaktiven Spielen und Besichtigungen sollten die Nachwuchskräfte dazu angeregt werden, sich an der Gestaltung der multikulturellen Stadtgesellschaft, in der rund 36% der Bevölkerung Migrationshintergrund haben, zu beteiligen. Besucht wurden Moscheen, Synagogen, Obdachlosenunterkünfte und vieles mehr, um die „andere Seite“ durch eine neue Perspektive kennenzulernen. Im Jahre 2006 wurde zudem die Schulungsreihe Gender Mainstreaming ergänzend hinzugefügt, um die Nachwuchskräfte auf das stadtspezifische Genderkonzept aufmerksam zu machen. Basierend auf dieser Ausgangslage beschloss der Stadtrat die Schulung unter dem Motto „Vielfalt schlägt Einfalt“ erneut auszuweiten und den Schwerpunktthemen der heutigen Gesellschaft noch stärker anzupassen. Um allen Themen und dem Wissenshunger der Nachwuchskräfte gerecht zu werden, wurde die Schulungsreihe also in sechs Module eingeteilt. Ab diesem Jahr soll daher folgendes in den Blickpunkt genommen werden.

buddhistisches Zentrum  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.

Die Module von "Vielfalt schlägt Einfalt"

Modul 1: Vielfalt macht‘s möglich – eine Herausforderung für uns alle
Durch Zusammenarbeit mit der Stelle für interkulturelle Arbeit und der Antidiskriminierungsstelle für Menschen mit Migrationshintergrund konnten verschiedene Seminarinhalte realisiert werden. Alle Nachwuchskräfte nehmen verpflichtend an dem Seminar „Interkulturelle Verständigung“ teil, bei dem es um den Umgang mit Vorurteilen, Diskriminierung, Alltagsrassismus und der eigenen Kultur geht. Darüber hinaus können sie freiwillig an interreligiösen Besichtigungen verschiedener Glaubensstätten, zum Beispiel der Moschee in Pasing, der Ohel Jakob Synagoge am Jakobsplatz oder dem Wat Thai Tempel in Giesing, an einem Filmworkshop und einer Besichtigung der Erstanlaufstelle für Asylbewerberinnen und Asylbewerber teilnehmen, um einen Eindruck der Lebens und Wohnverhältnisse dort zu gewinnen.

Modul 2: Rechtsextremismus
Zu diesem Thema finden zwei Seminare statt. Zum einen der Workshop „Die neuen (alten) Nazis“, der in Zusammenarbeit mit der Fachstelle gegen Rechtsextremismus entwickelt wurde und über Themen, Aktionsformen, Musik- und Internetauftritten der rechten Szene aufklären soll. Es findet als Pflichtveranstaltung für alle Ausbildungsrichtungen statt. Zum anderen das Seminar „Verwaltung und Verantwortung“, das mit Hilfe des NS-Dokumentationszentrums ermöglicht werden konnte und bei dem sich die PuMa – Studentinnen und -Studenten und die Nachwuchskräfte der 3. Qualifikationsebene ein Bild der Münchner Stadtverwaltung zur Zeit des Nationalsozialismus machen sollen.

Modul 3: Gender Mainstreaming – Gleichstellung von Frauen und Männern bei der Landeshauptstadt München
Das für alle Nachwuchskräfte verpflichtende Seminar soll vor allem die Definition von Gender Mainstreaming, Geschlechterrollen, den Umgang mit Stereotypen und Vorurteilen vermitteln und die Auswirkungen von Genderbudgeting sowohl auf die Stadtgesellschaft als auch auf das eigene Verhalten am Arbeitsplatz darstellen. Ergänzend können die Nachwuchskräfte im Rahmen der Seminarreihe an entsprechenden freiwilligen Besichtigungen, unter anderem von Frauen-Wohnen eG München, Karla 51 und Haus Mutter und Kind, teilnehmen.

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Modul 4: Inklusion
Modul 4 startete im März 2012 mit einer Plakatausstellung „alle inklusive“ zur UN-Behindertenrechtskonvention der Vereinten Nationen. Hierfür bilden einige der Nachwuchskräfte eine Projektgruppe, die für die restlichen Nachwuchskräfte einen Projekttag organisiert. Im Selbsttest erfahren sie an diesem Tag, wie es zum Beispiel ist, blind zu essen oder sich mit einem Rollstuhl bewegen zu müssen. Sowohl die Teilnahme an der Projektgruppe als auch an dem Projekttag ist freiwillig.

Modul 5: Zivilcourage
Das Seminar „Zivilcourage, wie helfe ich richtig“ wird in Zusammenarbeit mit der Polizei München auf freiwilliger Basis stattfinden. Die Polizei möchte hier den Nachwuchskräften Zivilcourage vermitteln und ihr Selbstbewusstsein stärken. Außerdem sollen sie lernen, wie man in schwierigen Situationen am Arbeitsplatz mit Bürgerinnen und Bürgern, zum Beispiel bei Übergriffen, richtig handelt.

Modul 6: Sexuelle Identität
Innerhalb eines verpflichtenden Workshops treten die Nachwuchskräfte in Kontakt mit Schwulen, Lesben und Transgender und erhalten die Möglichkeit mit ihnen Erfahrungen auszutauschen und zu diskutieren. Zudem können sie freiwillig an einem Stadtteilspaziergang in die Beratungsstelle des Lesbentelefon e.V. (LeTRa), das Schwulen Kommunikations- und Kulturzentrum Sub e.V. und in die Koordinierungsstelle für gleichgeschlechtliche Lebensweisen teilnehmen.

Seit Ende 2012 werden Besuche und Besichtigungen durchgeführt, sie sind in kürzester Zeit ausgebucht, das Feedback der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist sehr positiv. Aber nicht nur den Münchner Nachwuchskräften gefällt die Schulungsreihe, auch die vielen sozialen und religiösen Einrichtungen sind begeistert von der Bereitschaft und Offenheit der angehenden Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ihrer Stadt und heißen diese herzlich willkommen. Durch die neue, weiterentwickelte Schulungsreihe „Vielfalt schlägt Einfalt“ soll dem Thema „Vielfalt“ ein noch stärkeres Gewicht zukommen und Weltoffenheit und Toleranz als unabdingbare Voraussetzungen städtischer Verwaltungsarbeit bereits in der Ausbildung verwurzelt werden.

Aus diesem Grund ist es besonders wichtig dem Münchner Nachwuchs die Möglichkeit zu geben, sich mit sich selbst und anderen Menschen und deren Lebensweise auseinanderzusetzen, und vor allem positive Begegnungen zu schaffen, um einen Beitrag für ein gutes Miteinander in unserer vielfältigen und bunten Gesellschaft zu leisten.

S. Jarrar, Public-Management-Studentin bei der Stadt München