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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

So war die Diskussion zu Flucht und Entwicklung


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Das Grapic Recording finden Sie unten auch als pdf für eine vergrößerte Ansicht.
© Matthias Schwert Graphic Recording

Bewegende Berichte aus Krisengebieten und neue Impulse

Wie kann sich München beim Thema Flucht und Entwicklung international engagieren? Um diese Frage ging es Ende April bei einer Podiumsdiskussion im Gasteig.

Eingeladen hatte das Sachgebiet Internationale Kooperationen – seit Dezember 2016 mit einer eigenen Koordinierungsstelle Flucht und Entwicklung – gemeinsam mit dem europe direct Informationszentrum München und Oberbayern und der Münchner Stadtbibliothek.

Die Gäste: Der Kabarettist Christian „Fonsi“ Springer (Orienthelfer e.V.) engagiert sich seit Jahren für Geflüchtete aus Syrien und baute mit Spenden der Münchner Bevölkerung, der Landeshauptstadt und der Stadtsparkasse München eine Schule für syrische Flüchtlingskinder im Libanon auf. Wali Nawabi (Empor e.V.) floh als Jugendlicher aus Afghanistan nach Deutschland und schloss eine orthopädische Ausbildung ab. Zurück in Afghanistan, gründete er – unterstützt von der Rückkehrhilfe der Stadt München – mehrere Orthopädie-Werkstätten für Kriegsopfer in seiner Heimat.

Prof. Dr. van den Boom, Universität Münster, Institut für Politikwissenschaft , moderierte die Veranstaltung. Circa 70 interessierte Gäste nahmen teil und brachten auch Fragen in die Diskussion ein. Pia Popal, Landeshauptstadt München, die die neue Koordinierungsstelle Flucht und Entwicklung betreut, stellte die neuen Aufgaben und erste Ideen vor. Für den besonderen Überblick verarbeitete ein Graphic Recorder schon während der Veranstaltung die Inhalte in einer künstlerischen Übersicht, die im Anschluss ausgestellt wurde. (Siehe Bild).

Eindrücke vom Podium und mehr

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Die Podiumsdiskussion

Wie kann München sich international engagieren? Die Teilnehmer der Podiums-Diskussion brachten ...

Ein Bild aus dem Vortrag von Wali Nawabi zum Aufbau seiner Orthopädie-Werkstätten in Afghanistan. Es zeigt eine ankommende Lieferung von Werkzeugen. Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Aus dem Vortrag von Wali Nawabi

Ein Bild aus dem Vortrag von Wali Nawabi zum Aufbau seiner Orthopädie-Werkstätten in Afghanistan.

Ersteller des Graphic Recording im Gespräch mit Redner.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung in einer Diashow.

Worte werden zu Bildern

Der Graphic Recorder Matthias Schwert mit Christian Springer.

Renate Hechenberger, Referat für Arbeit und Wirtschaft, Leitung Sachgebiet Internationale Kooperationen.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Renate Hechenberger, Landeshauptstadt München
© Ingrid Grossmann

Münchens bisheriges Engagement – und die neue Koordinierungsstelle

Renate Hechenberger, Referat für Arbeit und Wirtschaft, Leitung Sachgebiet Internationale Kooperationen, begrüßte die Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Bereits seit den 90er Jahren ist die Landeshauptstadt in der kommunalen Entwicklungszusammenarbeit aktiv, etwa im Rahmen von Städtepartnerschaften oder von thematischen Projektpartnerschaften. Angesichts der dramatischen Flüchtlingskrise will die Stadtverwaltung dieses internationale Engagement nun ausbauen und sich verstärkt darauf konzentrieren, die Situation der Menschen in den Fluchtherkunfts- oder Ausnahmeländern zu verbessern.

„In einigen fluchtbezogenen Entwicklungsprojekten sind wir bereits aktiv.“ erklärte Renate Hechenberger. „Außerdem haben wir - mit Unterstützung des Bundesentwicklungsministeriums - seit Dezember 2016 eine eigene Koordinierungsstelle Flucht und Entwicklung eingerichtet. Insbesondere wollen wir Projektpartnerschaften eingehen mit Kommunen in den Herkunftsländern oder in angrenzenden Aufnahmeländern, um die Lebensbedingungen und Perspektiven vor Ort verbessern.“

Renate Hechenberger betonte: „Für unser Vorhaben hoffen wir, weitere kompetente und engagierte Partner aus der Stadtgesellschaft zu gewinnen. Daher freue ich mich auf eine lebhafte Diskussion und bin sehr gespannt auf Ihre Beiträge und Anregungen, wie eine konkrete Unterstützung vor Ort aussehen kann.“

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Wali Nawabi baut Orthopädie-Werkstätten in Afghanistan auf.

Orthopädiewerkstätten als Aufbauhilfe in Afghanistan

Wali Nawabi floh als Jugendlicher aus Afghanistan nach Deutschland. Hier schloss er eine Ausbildung zum Orthopädie-Fachmann ab, die heute die Grundlage für seine Wiederaufbauhilfe in der Heimat ist. Extra für die Veranstaltung aus Afghanistan angereist, gab Wali Nawabi einen eindringlichen Bericht von den mühsamen Anfängen bis zum heutigen Alltag in seinen Orthopädiewerkstätten. In Afghanistan, wo Krieg und Terror-Anschläge seit Jahrzehnten das alltägliche Leben bedrohen, sind zahlreiche Minenopfer zu versorgen. Wali Nawabi und seine Mitarbeiter tragen dazu bei, dass mehr Versehrte passende und modernere Prothesen erhalten, darunter auch besonders viele Kinder. Außerdem bildet er in den Werkstätten Frauen und Männer als Nachwuchskräfte aus. Die Landeshauptstadt München mit dem Projekt Coming Home und der Münchner Verein Empor e.V. unterstützen das Projekt mit mindestens einem Hilfstransport jährlich, zum Beispiel mit Rollstühlen, Maschinen und Materialien für Prothesen. Finanziert wird der Transport mit städtischen Mitteln sowie Spenden von Privatpersonen und Fachbetrieben.

Der Kabarettist Christian „Fonsi“ Springer (Orienthelfer e.V.).  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Christian Springer, Orienthelfer e. V.
© Ingrid Grossmann

Müllfahrzeuge und Schulbau: Christian Springers Orienthelfer e. V.

Christian Springer, bekannt als Kabarettist „Fonsi“, war schon immer an arabischer Sprache und Kultur interessiert. Bewegt von den Kriegen und Krisen im Nahen Osten, gründete er 2012 den Verein Orienthelfer e.V. Er selbst reiste mehrmals nach Syrien, außerdem unterstützt der Verein die Bevölkerung und Projektpartner mit Geld- und Sachspenden. Der Verein hat circa 30 Mitglieder und wies im Jahr 2015 stolze Spendeneinnahmen von 4 Millionen Euro auf. Lediglich drei Prozent der Spenden werden als Verwaltungskosten verwendet. 2013 stellte die Stadt München als humanitäre Hilfe Müllfahrzeuge für Aleppo zur Verfügung, die dort dringend benötigt wurden. 2015 unterstützten die Stadt München die Arbeit des Vereins durch einen Spendenaufruf. Gemeinsam mit der Stadtsparkasse München stockte die LHM die eingegangenen Spenden jeweils zu 100 % auf. Damit wurde eine Schule für syrische Flüchtlingskinder im Libanon in Sichtweite der syrischen Grenze eingerichtet. Diese Schule ist für die Kinder weit mehr als ein Lernort – Christian Springer berichtete, dass sich viele Kinder auch am Wochenende vor der geschlossenen Schule treffen.

Auf dem Podium sitzen der Moderator Prof. Dr. Van den Boom, Universität Münster, und Pia Popal, seit Dezember 2016 die Projektkoordinatorin des neuen Themenschwerpunkts Flucht und Entwicklung.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
Moderator Prof. Dr. Van den Boom und Pia Popal, Projektkoordinatorin Flucht ...
© Ingrid Grossmann

Podiumsdiskussion: Mehr zum neuen Themenschwerpunkt Flucht und Entwicklung

Pia Popal, seit Dezember 2016 die Projektkoordinatorin des neuen Themenschwerpunkts Flucht und Entwicklung bei der Landeshauptstadt München, stellte ihre Arbeit vor: „Wir sind dabei, internationale Kooperationsprojekte in Regionen ins Leben zu rufen, die aufgrund des Konflikts in Syrien in den letzten Jahren sehr viele Flüchtlinge aufgenommen haben. Die Projekte sollen dazu beitragen die Lebensbedingungen vor Ort zu verbessern und im Falle Syriens die anliegenden Städte und Gemeinden dabei zu unterstützen, Geflüchtete effektiver zu versorgen, denn oft sind diese Städte und Gemeinden nicht in der Lage oder haben einfach nicht die Mittel, so viel mehr Menschen zu versorgen.“

Christian Springer und Wali Nawabi gaben Anregungen aus ihren Erfahrungen vor Ort in Krisen- und Fluchtgebieten: Die Not konzentriere sich in den Kommunen, Bedarf bestehe vor allen beim Aufbau und bei der Verbesserung von Infrastruktur, Kommunen benötigen neben Geld auch kommunales Know How beim Wiederaufbau. Hier könnten die Nachkriegserfahrungen und -erfolge Deutschlands von Wert sein, erklärte Christian Springer. Wali Nawabi betont: Wichtig seien insbesondere berufliche Perspektiven für Jugendliche, gleichzeitig brauche das Land Handwerker aller Art.

Ein Beispiel ist das bereits von München geplante Kooperationsprojekt mit der tunesischen Gemeinde Kasserine, von dem Pia Popal berichtet. Es soll eine Grünanlage mit intensiver Bürgerbeteiligung eingerichtet werden. Allerdings gibt es im bisher sehr zentralistisch aufgebauten Tunesien wenig Erfahrung mit solchen Prozessen der Beteiligung, deshalb wird München Kasserine beraten, wie die Bürgerbeteiligung gestaltet werden kann.

Was wird vor Ort wirklich gebraucht? Die enge Zusammenarbeit mit betroffenen Kommunen bei der Planung von neuen Projekten ist besonders wichtig, das zeigte die Diskussion. Nachhaltige Hilfe setzt vor allem auch beim Wissenstransfer, breiter Qualifizierung und dem Aufbau langfristiger Strukturen an.