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Münchner Kindl mit Schriftzug Landeshauptstadt München Landeshauptstadt München

Irak, Syrien und Libanon


Humanitäre Hilfe - Unterstützung der Landeshauptstadt 2014 und 2015

Der Bürgerkrieg in Syrien, die systematische Zerstörung der Infrastruktur und die gnadenlose Verfolgung aller Andersgläubigen durch den Islamischen Staat (IS) im Nahen Osten haben zu der größten Flüchtlingsbewegung dieser Zeit geführt: Mehr als 12 Millionen wurden zu Vertriebenen. Diese Menschen benötigen die Unterstützung der gesamten Weltgemeinschaft.

Deshalb hat der Münchner Stadtrat am 22. Oktober 2014 zugesagt,

  • 100.000 Euro Soforthilfe für Projekte des Bischöflichen Hilfswerks Misereor im Nord-Irak und in Syrien zur Verfügung zu stellen und
  • den Münchner Verein Orienthelfer beim Betrieb einer Schule für mehrere hundert syrische Flüchtlingskinder im Libanon durch einen Spendenaufruf an die Münchner Bevölkerung zu unterstützen und die bis Ostern 2015 eingegangenen Spenden zusammen mit der Stadtsparkasse München zu 100% aufzustocken.

 

Das Hilfswerk Misereor hat mit finanzieller Unterstützung der Stadt München Soforthilfe im Irak geleistet.  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Kathrin Harms

Die Flüchtlingsarbeit des Hilfswerks Misereor

Die international erfahrene Hilfsorganisation Misereor ist ein langjähriger Kooperationspartner der Stadt München und Mitglied im „Bündnis Entwicklung hilft“. Misereor engagiert sich in den Flüchtlingsgebieten im Nahen Osten, um die medizinische, therapeutische und soziale Betreuung der Vertriebenen sicherzustellen. Das Hilfswerk arbeitet dazu mit mehreren örtlichen Partnern zusammen, die unabhängig von Religions- und Volkszugehörigkeit helfen und mit den lokalen Bedarfen, Bedingungen und mit der Sicherheitslage vertraut sind. Mit der Spende der Stadt München in Höhe von 100.000 Euro wurden folgende Maßnahmen durchgeführt:

Nothilfe für jesidische Flüchtlinge im Sindschar-Gebirge
Zehntausende Jesiden flohen vor dem IS in das karge Sindschar-Gebirge. Dort eingekesselt kämpften sie mit Hunger, Durst und Erschöpfung. Viele verloren dabei ihr Leben. In Kooperation mit CAPNI (Christian Aid Programme for Northern Iraq) und der Jiyan Foundation kamen im Dezember 2014 und Januar 2015 erstmals Hilfstransporte in dem schwer zugänglichen Gebirge an. Die Vertriebenen erhielten dringend benötigte Lebensmittel, Wassertanks, Medikamente, Hygieneartikel sowie Planen, Matratzen, Decken und Brennmaterial.

Traumaarbeit im Nordirak
Viele Flüchtlinge haben psychischen und physischen Missbrauch erlebt, oft einhergehend mit dem Verlust von Verwandten und Freunden. Seit 2012 bietet die Organisation Jiyan Foundation therapeutische Hilfe bei der Aufarbeitung der Erlebnisse in den kurdischen Gebieten des Nordiraks an. Die Betreuung erfolgt interdisziplinär und ausschließlich durch weibliche Teams.

Soforthilfe für das „Mart Shmoony“-Gesundheitszentrum in Ankawa/Erbil
Mehr als eine Million Menschen waren zur Flucht in die Autonome Region Kurdistan gezwungen, viele davon gelangten nach Ankawa/Erbil. Ende 2014 benötigten dort mehr als 500 Personen täglich medizinische Hilfe. Das „Mart Shmoony“-Gesundheitszentrums wurde daher räumlich erweitert und mit dem notwendigen Equipment ausgestattet, um die medizinische Versorgung sicherzustellen.

 

Christian Springer und Schulkinder (Foto: Orienthelfer e. V.)  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Foto: Orienthelfer e. V.

Die Arbeit von Orienthelfer e.V.

Auch mit dem Münchner Verein Orienthelfer e.V., dessen Vorsitzender der bekannte Kabarettist Christian Springer ist, stand die Stadt München bereits in der Vergangenheit im Kontakt und überließ ihm 2013 vier Müllfahrzeuge für Aleppo. Der Verein engagiert sich seit mehreren Jahren für die Opfer des Syrien-Konflikts und insbesondere für die Versorgung und Integration der syrischen Flüchtlinge im Libanon.  Der Libanon hat über eine Million Menschen aufgenommen – dies entspricht einem Viertel der Bevölkerung. Etwa die Hälfte der syrischen Flüchtlinge sind Kinder. Viele der syrischen Flüchtlingskinder befinden sich seit Beginn des Syrien-Konflikts im Libanon und sind seither von Bildung abgeschnitten.

Daher unterstützte die Landeshauptstadt München Orienthelfer e.V. beim Aufbau bzw. Betrieb einer Schule im libanesischen Bar Elias. Oberbürgermeister Dieter Reiter bat die Bevölkerung im Oktober 2014 um Spenden. Es kamen 121 826 Euro zusammen. Die Stadtsparkasse München und die Landeshauptstadt verdoppelten 2015 diese Summe. Damit war für 800 Flüchtlingskinder der Unterricht für das Schuljahr 2014/2015 und 2015/2016 sichergestellt. Finanziert wurden die laufenden Kosten für den Betrieb (Miete, Wasser, Strom, etc.), die Gehälter der Lehrkräfte und der Direktoren, Schuluniformen, Lehrmaterial sowie der Transport für die Flüchtlingskinder zur und von der Schule.

Der Krieg in Syrien

Der Syrien-Konflikt und der Vormarsch der Terror-Miliz Islamischer Staat (IS) haben Millionen Menschen zu Flüchtlingen gemacht. Etwa 6,5 Millionen Syrerinnen und Syrer wurden zu Vertriebenen im eigenen Land, über drei Millionen Menschen sind aus ihrer Heimat geflohen, die meisten davon in die Nachbarländer. Der Libanon hat mehr als 1 Million Flüchtlinge aufgenommen – dies entspricht einem Viertel der Bevölkerung. Die Anzahl der Flüchtlinge, die über die syrisch-türkische Grenze kommen, steigt täglich. Im Irak gibt es ca. 1,8 Millionen Binnenvertriebene, die Region Kurdistan-Irak beherbergt 850.000 Flüchtlinge. Hinzu kommen ca. 225.000 syrische Flüchtlinge. Nach den Informationen der vor Ort tätigen Hilfsorganisationen stellt die Unterbringung ein gravierendes Problem dar. Die Kapazitäten der Flüchtlingslager sind erschöpft, so dass viele Vertriebene unter freiem Himmel leben, andere haben Unterschlupf in Schulen, Moscheen und Kirchen gefunden. Es herrscht ein Mangel an Trinkwasser, Nahrung und Hygieneartikeln und eine Gefahr des Ausbruchs von Seuchen ist groß. Nicht zuletzt ist die extreme Wetterlage eine große Belastung. Während die Menschen bisher unter der extremen Hitze mit Temperaturen von bis zu 50 Grad Celsius im Schatten und unter dem großen Wassermangel litten, beginnen ab Oktober die Wintermonate. Ein Ende der Flüchtlingsströme ist nicht abzusehen, die UNO spricht vom "größten humanitären Notfall unserer Zeit".