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Bürgerempfehlung Intelligente Lichtmasten


Skizze eines intelligenten Lichtmasten  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© RAW

Die Technik ist die Lösung - aber: Was ist das Problem?

Empfehlung der Bürger für intelligente Lichtmasten im Quartier

Anfang März übergab die Technische Universität München die Empfehlungen aus dem Smarter Together Ko-Gestaltunsprozess Technologie an die Landeshauptstadt München. Engagierte Bürgerinnen und Bürger diskutierten und erforschten über mehrere Wochen hinweg gemeinsam mit den verantwortlichen IT-Strategen der Stadt München die technologische Ausstattung der geplanten intelligenten Lichtmasten für ihr Quartier. Das Gestaltungskollektiv Neuaubing-Westkreuz entwickelte konkrete Empfehlungen für die funktionalen Anforderungen. Diese definieren unter anderem, welche Services die neuen intelligenten Lichtmasten ermöglichen sollen, für welche Zielgruppe und in welcher Form (z.B. als App), um einen Mehrwert für den Stadtteil zu schaffen. Die Empfehlungen werden in die technische Ausstattung der Lichtmasten und die entsprechende Ausschreibung der Sensoren einfließen.
Der Ko-Gestaltungprozess als intensive Form der Bürgerbeteiligung bietet der Bevölkerung die Möglichkeit ihre Vorstellungen und Anliegen in Konzept und Design der geplanten Infrastrukturmaßnahmen zu integrieren und auf diesem Weg tatsächlich Einfluss zu nehmen.

Intelligente Lichtmasten – zurückhaltende Sensoren

Im Laufe des Gestaltungsprozesses waren sich die Teilnehmer einig, dass technische Systeme und Infrastrukturen alleine keine lebenswerte Stadt machen. Daher geht ihre Empfehlung dahin, städtische Orte mit Aufenthaltsqualität und Service zu gestalten. Nach einer Begehung der beiden Standorte, Bodensee- und der Limesstraße, formulierten die Beteiligten für drei Bereiche Empfehlungen:
1. Verkehrsdatenerhebung
Erwünscht sind zum einen Verkehrsflussmessungen in Kombination mit adaptiven Ampelschaltungen, um Stau zu vermeiden. Zum anderen das Messen von Schadstoffen und Feinstaub, das mit geschwindigkeitsreduzierenden Maßnahmen in Verbindung gebracht werden kann.
2. Allergene
Um das bestehende Netz des Referates für Gesundheit und Umwelt engmaschiger zu knüpfen, können ortsspezifische Daten über die Pollen-Belastung für Allergiker erfasst und zur Verfügung gestellt werden. Diese Empfehlung richtet sich explizit an einen öffentlichen und nicht an einen privaten Service.
3. Öffentliche W-LAN Hotspot
Entsprechende Rahmenbedingungen sollen das Umfeld der W-LAN Hotspots miteinbeziehen, um die Aufenthaltsqualität zu steigern und Synergieeffekte zu erzielen.

Sensibler Umgang mit Daten gefordert

Ausführliche und konkrete Empfehlungen formulierten die Teilnehmer für den Umgang mit Daten und der Rolle der Stadt in diesem Kontext: Es soll von vornherein technisch ausgeschlossen sein, dass die Sensoren der Lichtmasten die Erhebung persönlicher Daten und solche mit Gesichts- und/ oder Autokennzeichenerkennung überhaupt ermöglichen. Die Sensoren sollen zudem ausschließlich auf den öffentlichen Raum gerichtet sein, keinesfalls auf private Vorgärten der dortigen Häuser.
Diese Einschätzung, dass die Sensoren ein latentes Unbehagen verursachen können und sich damit negativ auf Wohlbefinden oder Aufenthaltsqualität auswirken, teilten die Jugendlichen im „Little Lab Workshop“: Sensorbasierte Services, die unmittelbare Sanktionen verhängen können (z. B. automatische Strafzettel bei kurzem Falschparken o.ä.) wurden allgemein kritisch bewertet. Die entsprechende Empfehlung lautet, keine Services mit primär erzieherischem Charakter zu entwickeln, sondern Anregungen zur Verhaltensänderung allenfalls über positive Verstärkung zu geben.

Die regelmäßig organisierten Workshops zur Entwicklung konkreter Lösungen fanden im Stadtteillabor in Neuaubing-Westkreuz statt, welches von der Münchner Gesellschaft für Stadterneuerung (MGS) für das Projekt betrieben wird. Das Munich Center for Technology in Society der Technischen Universität München organisierte diese Workshop Reihe.