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Wie lässt sich Wachstum in München gestalten


Diskussionsrunde Expo Real LHM Stand zu Wachstum, v.l. Prof. Dr. A. Thierstein (TUM), G. Volz (WealthCap), Prof. (I) E. Merk, J. Schmid, Dr. J. Büllesbach, Moderator   Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
V.l. Prof. Dr. A. Thierstein, G. Volz, Prof. (I) E. Merk, J. Schmid, Dr. J. ...
© Andreas Heddergott

„Mehr Grips statt Gips“

(5.10.17) Welche Maßnahmen sind sinnvoll, um das anhaltende Wachstum in München zu gestalten? Wie bleibt die Stadt lebenswert und zukunftsfähig? Diese Fragen diskutierten Vertreter von Stadt, Immobilienwirtschaft und Wissenschaft bei einem Podium auf der diesjährigen Expo Real am Gemeinschaftsstand der Landeshauptstadt.

Ausgangspunkt war die Studie „Stadt der Zukunft 2040, DNA des Erfolges“, die der Investor WealthCap zusammen mit dem Fraunhofer Institut durchgeführt hat und die Gabriele Volz, WealthCap-Geschäftsführerin, zusammenfasste. München erreichte den zweiten Platz nach Karlsruhe. Von den vier Kategorien, die gewertet wurden, führte München bei der Innovationsfähigkeit. Darüber hinaus untersucht wurden Widerstandsfähigkeit, Umweltgerechtigkeit und Lebensqualität. Mehr zur Studie

Innovationsfähigkeit

Josef Schmid, Zweiter Bürgermeister und Leiter des Referats für Arbeit und Wirtschaft, betonte das gute Ergebnis der Studie im Bezug auf die Innovationskraft der Münchner Wirtschaft. „Kernthema unserer Wirtschaftsförderung ist es ja, dass wir heute diejenigen Unternehmen fördern, die morgen die Arbeitsplätze zur Verfügung stellen, für Gewerbesteuereinnahmen sorgen und es uns letztlich ermöglichen, auch weiterhin soziale Stadt zu sein.“ Die Flächenkonkurrenz von Gewerbe, Wohnen und Grünflächen zwinge jedoch gleichzeitig dazu, im Planungsprozess abzuwägen, um eine gesunde Balance in der Stadt zu bewahren.

Grünflächen und Aufenthaltsqualität plus mehr Wohnen und Gewerbe?

Dass München wächst, stellt schwierige Anforderungen. Wie diese bestmöglich zu erfüllen sind, ohne die Lebensqualität der Stadt zu opfern, dazu bot die Diskussion zahlreiche strategische Ansatzpunkte. Stadtbaurätin Prof. (I) Elisabeth Merk plädierte für kluge, kooperative Projekte, die man von vornherein so aufsetzen müsse, dass für die Bürger ein Mehrwert erkennbar sei. Bei der Verdichtung und Neu-Organisation von bestehenden Gewerbeflächen etwa müsse man platzsparend Parkplätze unterirdisch organisieren, oder auf klassischen Einzelhandel anders zu nutzende Stockwerke aufsetzen. Potenzial böte auch der nötige Renovierungsbedarf - etwa von Münchens Gebäuden aus den 60er und 70er Jahren, die momentan sanierungsbedürftig würden. Wenn man hier verdichte, aber auch Mehrwert schaffe, wäre vieles möglich. Intelligente Verdichtung sieht Merk als einzige Möglichkeit, um zu begrenzen, dass Grün und Freiflächen wegfallen.

Graue Qualität und polyzentrische Region

Dr. Alain Thierstein, Professor für Raumentwicklung an der Technischen Universität München, erklärte: „Jede Stadt, die wächst, braucht eine Perspektive. In diesem Jahrhundert wird uns in München neben der Digitalisierung die Ausbeutung der Fläche stark beschäftigen.“ Er thematisierte den Aspekt der „grauen Qualität“, denn nicht nur Grün sei ein Kriterium für Aufenthaltsqualität, sondern auch Sichtachsen und wie die Gestaltung von Gebäuden im Öffentlichen Raum wirke. „Mehr Grips statt Gips“, war hier seine Empfehlung. Im Hinblick auf weiteres Wachstum plädierte Thierstein für den Ausbau einer polyzentrischen Struktur, die zunächst über die Infrastruktur durch neue Tangentialverbindungen beim ÖPNV zu fördern sei.

Anreize und Kooperation

Weitere Themen waren Trends, den Verkehr in Metropolen zu organisieren, die Aufteilung des Straßenraums, sowie Kooperationen mit dem Umland. Bürgermeister Schmid zufolge seien hier attraktive Anreize für Kooperationsprojekte und neue öffentliche Finanzierungsformen beim Städtebau gefordert.

Auch das Thema Hochhäuser kam mehrfach zur Sprache. Stadtbaurätin Merk verwies auf ihre Studie und Untersuchungen zu möglichen Standorten. Wenn der Stadtrat hier eine neue Position finde, wären jedoch noch gestalterische Konzepte nötig.

Aus Sicht der Immobilienwirtschaft und für Investoren ergab die Diskussion eine klare Richtung: Dass die einfachen Projekte bereits umgesetzt sind, darin waren sich Stadtbaurätin Merk und Dr. Jürgen Büllesbach, CEO der Bayerischen Hausbau GmbH & Co. KG, einig. Kommende Projekte in München sind komplex und intelligente Entwürfe sind gefragt. Denn in der Regel müssen Anwohner oder Eigentümer berücksichtigt und überzeugt werden.