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Jahreswirtschaftsbericht


    Titel für den Münchner Jahreswirtschaftsbericht 2020  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
    © Referat für Arbeit und Wirtschaft

    Münchner Wirtschaft 2020

    (23.6.20) Der aktuelle Bericht liefert alle wichtigen Daten und Fakten zum Wirtschaftsstandort München.

    Die Münchner Wirtschaft war zum Jahresende 2019 sehr gut aufgestellt: Ein dynamischer  Arbeitsmarkt mit historisch niedriger Arbeitslosenquote, hohe Einnahmen durch die Gewerbesteuer und eine hohe Kaufkraft kennzeichneten die Qualität des Standorts.

    Nun, Mitte 2020, zeigen sich leider auch in München die schwerwiegenden, wirtschaftlichen Folgen des Lockdown und der Corona-Pandemie.  

    Der aktuelle Jahreswirtschaftsbericht 2020  (PDF, 871 KB) soll beides dokumentieren: Im Textteil (→JWB 2020, S. 5 - S.19 ) summiert er bereits sichtbare Einbußen aus dem ersten Quartal 2020 sowie wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Bekämpfung der ökonomischen Auswirkungen.

    Im anschließenden Tabellen-Teil (→JWB 2020, S. 26 - S.55 ) finden Sie alle wichtigen Kennzahlen und Entwicklungen aus dem Jahr 2019.

    Erneut veröffentlicht hat die Stadt auch den jährlichen Forschungs- und Innovationsbericht 2020 (PDF, 805 KB).

     

    Indikatoren und Kennziffern der Münchner Wirtschaft 2019

    Die Münchner Wirtschaft war zum Jahresende 2019 sehr gut aufgestellt. Auch wenn die konjunkturelle Entwicklung in Deutschland 2019 insgesamt eher schwächer ausfiel, konnte München seine Position als erfolgreicher Wirtschaftsstandort weiter ausbauen.

     

    • Arbeitslosigkeit auf Tiefststand: 3,3 Prozent im Jahresdurchschnitt, niedrigster Wert in den letzten 22 Jahren. (→ JWB 2020, S. 29, S. 45 ff)
    • Beschäftigung auf neuem Höchststand:  897.140 Personen waren sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Ein Anstieg um 2,6 % oder 23.041 zusätzlichen Stellen. ( → JWB 2020, S. 33-34)
    • Dienstleistungssektor: Zuwachs von 2,6 % (+ 19.083 SV-Beschäftigte). Damit sind 84 % der Beschäftigten im Dienstleistungssektor tätig. (→ JWB 2020, S. 39)
    • Produzierendes Gewerbe: deutlicher Stellenzuwachs von +2,9 % (+ 3.949 SV-Beschäftigte) prozentual sogar höher als im Dienstleistungssektor.
    • Information und Kommunikation: erneut überdurchschnittliche Beschäfti­gungszuwächse mit einem Beschäftigungsplus von 6,7 % bzw. 5.555 neuen Stellen – ein wichtiger Indikator für den immer weiter an Bedeutung und Wirtschaftskraft gewinnenden IuK-Sektor Münchens.
    • Kaufkraft stieg weiter: Mit 33.705 Euro je Einwohner erreichte München im Jahr 2019 einen neuen Höchststand, 42 % über dem Bundesdurchschnitt. ( → JWB 2020, S. 31)
    • Kommunale Finanzen 2019: Insgesamt flossen 7,4 Mrd. Euro in den öffentlichen Haushalt Münchens. Die Gewerbesteuer lag mit 2,69 Mrd. Euro im Jahr 2019 nur knapp unter dem Rekordergebnis des Vorjahres. Das Investitionsvolumen Münchens stieg im Jahr 2019 auf 1,9 Mrd. Euro. ( → JWB 2020, S. 54-57)

     

    Bisherige Auswirkungen der Corona-Krise

    Die ökonomischen Auswirkungen der Corona-Krise variieren stark von Branche zu Branche. In München sind Gastgewerbe, Verarbeitendes Gewerbe, Handel und die Kultur- und Kreativwirtschaft besonders stark betroffen, während andere Wirtschaftssektoren nur geringe oder sogar positive Effekte verzeichnen.

     

    Verarbeitendes Gewerbe

    Knapp 16 % der Beschäftigten sind im Produzierenden Sektor tätig, der 24 % der wirtschaftlichen Wertschöpfung Münchens erarbeitet ( → JWB, S. 12 und S. 38)
    Viele Industriebereiche haben internationale Zuliefererbeziehungen, weshalb aufgrund unterbrochener Lieferketten bereits früh, d.h. zum Ausbruch der Corona-Pandemie in China, negative Effekte festzustellen waren.

    Aufgrund der Corona-induzierten Abstandsgebote wurden die Produktionsprozesse zum Teil heruntergefahren. Zugleich kam es zeitweise zu kompletten Nachfrageausfällen. Es wirkten auf diesen Sektor daher sowohl Angebots- als auch Nachfrageschocks - ein doppeltes Dilemma.

    Die aktuellen Umsatzzahlen vom April zeigen für das Verarbeitende Gewerbe in München einen Umsatzrückgang von -36,7 % gegenüber dem Vorjahresmonat. Der Auslandsumsatz sank um 34,9 %.

    Diese Entwicklungen haben auch unmittelbare Auswirkungen auf die städtischen Finanzen: Die Unternehmen aus dem Verarbeitenden Gewerbe sorgen für hohe Gewerbesteuereinnahmen. Im ersten Quartal 2020 sanken die kommunalen Einnahmen, die aus diesem Wirtschaftsbereich stammen, um 41 %.
     

    Gastgewerbe/Tourismuswirtschaft  (→JWB 2020, S. 11, S. 14)

    Der vollständige Wegfall des Tourismus, der in München jährlich einen Wirtschaftswert von 8,3 Mrd. Euro generiert, ließ die gesamte touristische Wertschöpfung für die Monate März bis Mai ersatzlos ausfallen.

    Der gesamte Bereich des Messe- und Kongresstourismus liegt aufgrund der nicht stattfindenden Veranstaltungen zumindest bis zur Wiedereröffnung der Messe München im September brach.

    So gut wie alle Großveranstaltungen mussten für 2020 abgesagt werden, darunter das Oktoberfest mit  Umsatzausfällen von 1,23 Mrd. Euro.

    Für das Gastgewerbe lässt sich der Umsatzausfall aufgrund der statistischen Datenlage nicht eingegrenzt für München benennen. Die bayerischen Zahlen, die auf München mindestens so zutreffen, nennen für April einen Umsatzrückgang von -76,4 % gegenüber dem Vorjahresmonat und einen Beschäftigungsrückgang von -28,4 %.

     

    Einzelhandel

    Der Einzelhandel ist in unterschiedlichem Umfang von der Corona-Krise betroffen. Während Geschäfte des täglichen Bedarfs während der Ausgangsbeschränkungen geöffnet waren und Umsatzzuwächse verzeichnen konnten, hat der lokale Einzelhandel andererseits massive Umsatzausfälle erlitten.  Auch die fehlende Nachfrage der ausbleibenden Touristen kommt deutlich zum Tragen.

    Diese gegensätzlichen Effekte sind auch in den aktuellen April-Zahlen für Bayern sichtbar: der Lebensmitteleinzelhandel verzeichnet ein Umsatzplus von 13,4 %, während der Einzelhandel mit Textilien, Bekleidung, Schuhen einen Umsatzeinbruch von -80,2 % beklagt.

    Über die gesamte Branche betrachtet, liegt der Rückgang bei -7,9 % im Vergleich zum Vorjahresmonat.

     

    Kultur- und Kreativwirtschaft

    Die Kultur- und Kreativwirtschaft trägt in Summe in der Region München 11,8 Mrd. Euro zum Wirtschaftswert bei. ( → JWB 2020, S. 15)
    Die Branche war und ist maßgeblich von den Auswirkungen der durch die Corona-Krise notwendigen Schutzmaßnahmen und Beschränkungen betroffen.

    Die Umsatzeinbußen sind kaum durch nachholendes Geschäft zu kompensieren und für einen Großteil der Kultur- und Kreativschaffenden zumeist schon jetzt existenzbedrohend. Überdies werden hier weiter anhaltende Beschränkungen, die Absage von Großevents und die Kürzung von Marketing- und Kulturbudgets für weit über die nächsten Monate hinaus eine prekäre Situation zur Folge haben.

     

    Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

    Statt der sonst üblichen Frühjahrsbelebung stieg die Arbeitslosenquote um 0,8 Prozentpunkte auf 4,3 % im April und im Mai ein weiteres Mal auf jetzt 4,8 %.  Insgesamt stieg die Zahl an Arbeitslosen im Agenturbezirk München in diesen beiden Monaten um 14.500.

    Im Agenturbezirk München gingen zudem  in drei Monaten 22.344 Anzeigen zur Kurzarbeit ein.

     

    Kurz- und mittelfristige wirtschaftspolitische Maßnahmen

    Im Rahmen der Möglichkeiten einer Kommune hat München kurzfristig etwa folgende Maßnahmen umgesetzt:

    Ad hoc Maßnahmen

    • Die Stadtkämmerei gewährt zahlungspflichtigen gewerblichen Steuerzahlern auf Antrag bei Vorliegen wirtschaftlicher Engpässe durch die Corona-Krise eine Stundung ihrer Forderungen. Gleiches gilt für die Gewerbesteuervorauszahlungen.
    • Die Stadt hat die Ausweitung der Freischankflächen für Münchens Gastronomie ermöglicht und verzichtet während der Corona-Krise auf die hierfür geltenden Gebühren.
    • Die städtischen Gewerbehöfe bieten ihren Mietern bei Corona- bedingten Liquiditätsengpässen die Möglichkeit der Mietstundung von bis zu 80 % der Netto-Kaltmiete.
    • Das Referat für Arbeit und Wirtschaft, die ReDI School München und die UnternehmerTUM boten ab Anfang April mit der Initiative ‚Mia gehn online!‘ kostenlose Beratung und Unterstützung bei der Digitalisierung für Kleinunternehmen. Zahlreiche kleine Händler, Gastronomen und Dienstleister machten von diesem Angebot Gebrauch.
    • Die Initiative #muenchenhältzamm  hat einen Online-Marktplatz für die Münchner Wirtschaft geschaffen, um das vielfältige Wirtschaftsleben während der Geschäftsschließungen sichtbar zu halten. Über 1.000 Münchner Firmen haben sich auf dem Marktplatz eingetragen. Auch die Kulturveranstalter haben einen Bereich mit eigenem Angebot auf der Plattform.
    • Schausteller und Marktkaufleute können Buden und Fahrgeschäfte dezentral im Münchner Stadtgebiet aufstellen. Dies wird Teil des „Sommers in der Stadt“ sein, der im gesamten Stadtgebiet zudem Programme aus Kultur, Sport oder Kinderprogrammen bieten wird.
       

    Corona-Recovery Projekte

    Darüber hinaus verfolgt die Landeshauptstadt München mittelfristig weitere Maßnahmen und Projekte, die auf den wirtschaftspolitischen Strategien des Referats für Arbeit und Wirtschaft basieren und zugleich Anforderungen durch die Corona-Krise aufgreifen:

    • Digitalisierung und Innovationen
      Die Corona-Krise zeigt, dass eine funktionierende, leistungsfähige, digitale Infrastruktur essentiell für das Funktionieren der Wirtschaft wie den privaten und öffentlichen Sektor ist: Das Referat für Arbeit und Wirtschaft setzt sich seit langem dafür ein, den Glasfaserausbau zu unterstützen, den Breitbandausbau zu forcieren und den Mobilfunkausbau zu fördern.
      Zum Mobilfunkausbau wird Anfang Juli dem Stadtrat eine entsprechende Beschlussvorlage vorgelegt, die sich dem Verhältnis und den Kooperationsmöglichkeiten von Stadtverwaltung und Netzbetreibern widmet.
      Hilfe zur Selbsthilfe: das Referat für Arbeit und Wirtschaft plant eine Webseite speziell für Münchner KMU mit einem Informationsangebot rund um Digitalisierungsthemen, relevanten Ansprechpartnern und Vernetzungsmöglichkeiten.
      München als High-Tech-Standort bietet beste Voraussetzungen, eine Vorreiterrolle im Bereich Blockchain einzunehmen. Das Referat für Arbeit und Wirtschaft sieht hier einen zukünftigen Schwerpunkt, um München als Vorreiter für Blockchain-Projekte zu positionieren und die Sichtbarkeit Münchens als technologiefreundlichen Digital- und Innovationsstandort weiter auszubauen.

      Der Digital- und Technologiestandort München zeigte in der Krise sein innovatives Potenzial. Einen umfassenden Überblick über Innovationen oder den Einsatz neuer Technologien für städtische Produkte, die im vergangenen Jahr in der Stadtverwaltung, ihrer Tochterunternehmen und Beteiligungsgesellschaften umgesetzt wurden, findet sich im Forschungs- und Innovationsbericht 2020.

      Das Munich Urban Colab wird ab Frühjahr 2021 als neues Gründer- und Innovationszentrum seine Tore für Start-ups, etablierte Unternehmen, Kreative und Wissenschaftler öffnen, um seine Rolle als Katalysator für Smart City Lösungen aufzunehmen.
       
    • Gründer- und Start-up-Förderung
      Die Internetplattform 'Munich Start-up' der Münchner Gewerbehofgesellschaft, die bislang zur Vernetzung der Entrepreneurship-Szene und zur Bündelung des Leistungsspektrums der in diesem Bereich tätigen Akteure eingerichtet wurde, erweitert ihr Spektrum. Neu ist eine Artikelserie zu Start-ups und ihren Umgang mit Corona sowie eine Video-Serie zu Corona-Updates von Start-ups.

      Das Münchner Existenzgründungs-Büro hat seinen Service um digitale Formate erweitert.
       
    • Klimaschutz und Mobilität
      Das ‚Modellprojekt Klimaschutz‘ des Referats für Arbeit und Wirtschaft bietet Unternehmen aller Branchen und jeder Größe individuelle und maßgeschneiderte Beratung, um ein unternehmensspezifisches Klimaschutzprojekt umsetzen.

      Das Betriebliche Mobilitätsmanagement geht auf den durch Corona höheren Beratungsbedarf von Firmen ein, deren Mobilität (Pendeln, Dienstreisen) sich umfassend geändert hat und auch zukünftig neu gestaltet werden muss.

       
    • Kultur- und Kreativwirtschaft
      Das Kompetenzteam Kultur- und Kreativwirtschaft macht temporär frei werdende private und städtische Räume für Kreativschaffende günstig nutzbar. Günstig angebotene Zwischennutzungen werden damit zu einer Art Konjunkturprogramm für die Branche, weil Fixkosten gesenkt und Kundenkontakte vereinfacht ermöglicht werden.

      Crowdfunding: Das Kompetenzteam bietet schon seit längerem kostenfreie Beratung zum Thema Crowdfunding. Auch ein Förderprogramm wurde aufgesetzt, das nun im Zuge der Corona-Krise  mit höheren Zuschüssen ausgestattet wurde.
       
    • Tourismus
      Zur Förderung der lokalen Tourismus- und Veranstaltungswirtschaft hat das Referat für Arbeit und Wirtschaft ein umfassendes Maßnahmenpaket erstellt. In Abstimmung mit TIM (Tourismus Initiative München e.V.) wurde eine Recovery-Strategie verabschiedet, die eine Wiederbelebung des Tourismus in München in vier Phasen vorsieht. In der ersten Phase werden Gästegruppen angesprochen, die eine emotionale Verbindung zu München empfinden. Wiederkehrer, Besucher von Freunden und Verwandten und Tagesgäste stehen im Fokus der Werbeaktivitäten, die auf Gäste aus der Metropolregion (Phase 1) und ganz Deutschland (Beginn von Phase 2) zugeschnitten sind. Mit Grenzöffnung im gesamten deutschsprachigen Quellmarkt (Österreich, Schweiz) können auch die hierfür vorgesehenen Werbemaßnahmen eingeleitet werden. Sobald es rechtlich wieder möglich ist, werden die Märkte der Phase 3 (Europa, Russland, arabische Golfstaaten) und Phase 4 (Übersee-Märkte) bearbeitet. Insgesamt kann München Tourismus für die Maßnahmen ca. 950.000 Euro bereitstellen.
       
    • Weitere wirtschaftspolitische Maßnahmen
      Der ‚Runde Tisch Innenstadt‘: Im engen Austausch mit Handel und Gastronomie diskutiert das Referat für Arbeit und Wirtschaft über gemeinsame Wege aus der Corona-Krise. Einen weiteren runden Tisch plant das Referat für Arbeit und Wirtschaft mit wichtigen wirtschaftspolitischen Akteuren.

     

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