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Flora


Farn- und Blütenpflanzen

Wie viele Arten von Farn- und Blütenpflanzen in München aktuell wachsen ist nicht genau bekannt und wird seit Jahren ehrenamtlich von einer Gruppe aus botanisch Interessierten erhoben. Ihre Zahl liegt aber sicher über 850, was gemessen an der Größe des Stadtgebietes eine hohe Artenvielfalt bedeutet.

Leider sind trotz etlicher Wiederfunde schon verloren geglaubter Arten in den letzten Jahrzenten auch über 200 Arten dem immensen Wachstum der Siedlungsbereiche zum Opfer gefallen. Viele überlebende Arten wachsen nur noch an wenigen Stellen des Stadtgebietes, teils sogar nur noch in wenigen Exemplaren. Konsequenter Schutz verbliebender Standorte tut also Not, verbunden mit den erforderlichen Pflegemaßnahmen.

Fransenenzian  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Bräu

Fransenenzian (Gentiana ciliata)

Er symbolisiert wie kaum eine andere Pflanze die Münchner Grashaiden, die in weiten Teilen des Stadtgebietes in vergangenen Jahrhunderten die Landschaft prägten: der Fransenenzian. Da die oberirdischen Teile bitter schmecken, werden sie von Weidetieren verschmäht. Auch die Schafherden, die seit alters her über die Münchner Haiden zogen, ließen ihn ungeschoren. Sie förderten diese Pflanzen indirekt sogar, indem die Beweidung die notwendige Nährstoffarmut der Standorte schafft bzw. erhält und konkurrierende Vegetation kurz hält.

Heideröschen  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Bräu

Heideröschen (Daphne cneorum)

Die im Volksmund Heideröschen (auch Rosmarin-Seidelbast) genannte Art bildet niedrige Sträucher mit 5 bis 30 Zentimetern Höhe und verholzenden Trieben. Sie ist die vielleicht seltenste Pflanze des Stadtgebietes, da bislang nur ein Einzelexemplar auf der Fröttmaninger Haide wiederendeckt wurde. Die seltene Pflanze ist im Münchner Westen (dort ehemals Allacher und Menzinger Haide) sowie im Isartal im Münchner Süden schon vor langem ausgestorben und war auch bei Fröttmaning seit 1897 bis zu ihrem Wiederfund verschollen.

Skabiose  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Bräu

Wohlriechende Skabiose (Scabiosa canescens)

Die Graue Skabiose wird auch „Wohlriechende Skabiose“ genannt, da ihre Blüten stark nach Orchideen duften. Abgesehen vom Lechgebiet finden sich in Südbayern Vorkommen nur auf Heideflächen im Münchner Norden und weiter isarabwärts, wobei in München die größten Bestände im Süden der Fröttmaninger Haide wachsen. Die Pflanze ist in Bayern stark gefährdet und eine solche Rarität, dass ihr ein eigenes Merkblatt gewidmet wurde. Da die deutschen Vorkommen mindestens 50 Prozent des weltweiten Verbreitungsgebietes repräsentieren, besteht ein hohe Schutzverantwortung.

Türkenbund  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Bräu

Türkenbund (Lilium martagon)

Diese stattliche Staude mit ihrer exotisch anmutenden Blüte ist eine für lichte Waldbestände wie die Münchner Lohwälder charakteristische Pflanze. Manchmal wachsen auch Exemplare auf Magerrasen in Waldnähe. Leider werden die Blüten nicht nur gerne von Rehen abgefressen, sondern auch immer wieder von Münchner Bürgern als Tischschmuck mitgenommen, sodass die Pflanzen kaum noch zur Samenbildung und Vermehrung kommen. Der Türkenbund verströmt besonders abends und auch nachts einen schweren, süßen Duft, der vor allem langrüsselige Schmetterlinge, wie zum Beispiel Schwärmer als Bestäuber anlockt.

Prachtnelke  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Bräu

Prachtnelke (Dianthus superbus)

An den Rändern der Schotterzungen mit ihren trockenen Standorten bildeten sich einst riesige Moorflächen. In den kleinen Resten, die von der Kultivierung verschont blieben, konnten sich in den Mooslandschaften des Münchner Westens noch einzelne Vorkommen der für Nasswiesen typischen Prachtnelke halten. Sie gehört heute aber zu den im Stadtgebiet sehr raren Arten, deren hübsche, grazile Blüten nicht gepflückt werden sollten.

Sumpfgladiole  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Markus Bräu

Sumpf-Gladiole (Gladiolus palustris)

Für die Art ist bis heute auch der deutsche Name „Sumpf-Siegwurz“ gebräuchlich: Im Mittelalter glaubte man, wer die Knolle unter der Rüstung trägt, sei im Kampf unverwundbar. Ihre den Winter im Boden überdauernden Knollen sind nämlich mit einem Netz, ähnlich einem Kettenhemd überzogen und sollten daher den Sieg bringen. Sie wächst gerade in Übergangsbereichen von feuchten zu trockenen, nährstoffarmen Wiesen und ist in München beinahe ausgestorben. Bayern trägt in Deutschland die Hauptverantwortung für den Erhalt dieser weltweit gefährdeten und auch europaweit geschützten Art. Aus wenigen im Münchner Raum noch wild vorkommenden Pflanzen wurde die Art nachgezüchtet. Gelingt es, sie an geeigneten Standorten im Münchner Raum wieder anzusiedeln, hätte der Naturschutz einen kleinen Sieg errungen.