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Geschichte des Friedhofs am Perlacher Forst


Erstes Grab im Friedhof am Perlacher Forst  Link öffnet eine vergrößerte Darstellung des Bildes.
© Städtische Friedhöfe München

Die Planung des „Neuen Ostfriedhofs“

Im Jahr 1929 begannen die Planungen für den „Neuen Ostfriedhof“, da im Ostfriedhof kaum noch Gräber frei waren. Damit sollte das dezentrale Münchner Friedhofskonzept beibehalten und dem weiterhin rasanten Bevölkerungszuwachs in München Rechnung getragen werden.

Schnell gefunden war ein passendes Grundstück an der Schwanseestraße, das genug Erweiterungspotenzial für die geplante endgültige Größe von 100 Hektar und 100.000 Gräbern hatte. Die Nähe zum Gefängnis Stadelheim störte die Friedhofsplaner, doch nahm man diesen Umstand notgedrungen in Kauf. Zwischen Friedhof und Gefängnis gab es damals noch eine große unbebaute Fläche und damit eine große Distanz zu den Gefängnisbauten. Außerdem gab es mit dieser Fläche eine Option für eine spätere Friedhofserweiterung.

Stadtbaurat Hermann Leitenstorfer plante den Friedhof als eine Mischung aus Anlagen- und Waldfriedhof: Es sollte der schönste und größte Münchner Friedhof werden.
 

Die Vision einer Friedhofslandschaft

Als Blickfang und Zentrum war im vorderen Friedhofsbereich die große Aussegnungshalle vorgesehen. Von dort aus sollten Friedhofswege sternförmig in alle Richtungen ausgehen.

Etwas größer als in der Ausdehnung des heutigen Friedhofs sollte ein geometrischer Anlagenfriedhof mit vielen strukturgebenden Hecken und einem lockeren Baumbestand entstehen. Nach Süden hin sollte der Baumbestand immer dichter werden und die Wege zunehmend geschwungen. Fast unmerklich wären die Besucherinnen und Besucher aus dem Anlagenfriedhof in einen naturnahen Waldfriedhof gelangt.

Dieser „Waldfriedhof“ wiederum wäre langsam, durch immer dünnere Belegung mit Gräbern, in ein riesengroßes Waldgebiet und damit in die freie Natur übergegangen. Der Perlacher Forst gab dem neuen Friedhof schließlich auch seinen endgültigen Namen: „Friedhof am Perlacher Forst“.
 

Überhastete Einweihung

Die fehlenden freien Gräber im Ostfriedhof zwangen die Friedhofsplaner zu einem Bau im Rekordtempo. Der Friedhof wurde am 1. Februar 1931 eröffnet, obwohl das Friedhofsgelände noch einer Großbaustelle glich. Nur die provisorischen Aufbahrungsräume waren fertig, für die Aussegnungshalle war noch nicht einmal der Grundstein gelegt. Die Besucherinnen und Besucher äußerten Unverständnis über die „Wüstenei“ und konnten sich nicht vorstellen, wie hier jemals ein würdevoller Friedhof entstehen sollte.

Der Friedhof am Perlacher Forst war in der Anfangszeit fast ausschließlich ein Friedhof der Arbeiterinnen, Arbeiter und „kleinen Leute“. Dazu passt, dass der Friedhof 1931 mit der Bestattung der „armen Dienstmagd“ Margarete Knoll eingeweiht wurde. Sie hatte keine Angehörigen und wurde „von Amtswegen“ bestattet.
 

Die Aussegnungshalle

Erst mit der Einweihung der Aussegnungshalle im Herbst 1933 gewann der Friedhof am Perlacher Forst an Ansehen in der Bevölkerung. Die Halle sollte die Ambitionen für den Friedhof unterstreichen. Mit 35 Meter Höhe ist sie deutlich größer als der monumentale Kuppelbau des Ostfriedhofs. Die zwölfeckige Konstruktion aus hellem, in städtischen Steinbrüchen in Darching bei Miesbach gebrochenem Tuffstein sorgte für Aufsehen. Äußerlich erinnert die Halle an die wuchtige Architektur der 30er Jahre mit ihrem geschichtlichen Beigeschmack. Mit ihrer schlichten, hellen Gestaltung im Inneren ist die Halle modern, wegweisend und ihrer Zeit voraus.
 

Dunkle Zeiten

Die Fertigstellung des Friedhofs am Perlacher Forst fällt in den Beginn der dunkelsten Zeit der Deutschen Geschichte, der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. Scheinbar normal ging der Friedhofsbetrieb weiter. Gleichzeitig wurden im benachbarten Gefängnis Stadelheim in der Zeit von 1933 bis 1945 über 1.200 Menschen nach Urteilen der NS-Willkürjustiz ermordet.

Einige der in Stadelheim hingerichteten Menschen wurden in Massengräbern im Friedhof am Perlacher Forst verscharrt: anonym, ohne Namenshinweis, nichts sollte an diese Menschen erinnern.

Die Münchner Friedhöfe konnten die Vielzahl der Opfer des NS-Terrors nicht mehr aufnehmen. Über 4.000 Urnen fanden sich nach Kriegsende in den Räumen der Friedhöfe „hinterstellt“. Es waren die Urnen von Menschen, die in den Konzentrationslagern ihr Leben verloren, überwiegend im Konzentrationslager Dachau.
 

Das Ende der Vision vom „schönsten und größten Münchner Friedhof“

Beim Bombenangriff am 7. Januar 1945 wurde der Friedhof am Perlacher Forst schwer beschädigt. Die Aussegnungshalle war allerdings nur leicht getroffen, sie konnte nach Kriegsende wieder im ursprünglichen Zustand hergestellt werden.

Der Bau einer großen Siedlung für US-Streitkräfte auf dem Gelände der Friedhofserweiterungsfläche beendete die Vision des „größten und schönsten Münchner Friedhofs“ nach Kriegsende. Dort, wo der Anlagenfriedhof in einen Waldfriedhof übergehen sollte, standen nun Kasernen und Wohnblöcke der US-Army, die sogenannte Amerikaner-Siedlung. Der Name „Friedhof am Perlacher Forst“ hatte seinen Sinn verloren, denn durch die Bebauung gibt es keinen Bezug mehr zwischen dem Friedhof und dem Perlacher Forst.

Im Jahr 1957 erhielten die landschaftsplanerischen Ambitionen einen weiteren herben Rückschlag. Der Freistaat Bayern erweiterte die Justizvollzugsanstalt Stadelheim zum Friedhof hin. Hohe Gefängnismauern und noch höhere Wachtürme bilden nun im Nordwesten gleichzeitig die Friedhofsmauer. Die Vision, sternförmig von der Aussegnungshalle ausgehende Wege würden das Friedhofsgelände erschließen, waren nun ebenfalls endgültig hinfällig. Die Wege von der Aussegnungshalle Richtung Westen enden nun nach wenigen Metern an der Friedhofsmauer und auch die Platzierung der Aussegnungshalle im Friedhofsgelände erscheint seither etwas seltsam.

Dabei hatte der damalige Oberbürgermeister Thomas Wimmer die „Rettung“ des Friedhofs am Perlacher Forst und die Verhinderung der Erweiterung der Justizvollzugsanstalt zur Chefsache gemacht. Doch alle Bemühungen der Stadtverwaltung und des Oberbürgermeisters blieben vergeblich. Die bayerische Staatsregierung ließ sich nicht umstimmen und verwirklichte ihre Pläne.
 

Der Friedhof am Perlacher Forst heute – trotz allem ein schöner Friedhof

Auch wenn vom landschaftsplanerischen Konzept für den Friedhof am Perlacher Forst durch den Lauf der Geschichte nicht viel geblieben ist, so ist es doch ein Friedhof mit eigenem Charakter. Es ist ein grüner Friedhof mit alten Bäumen und vielen Hecken. Zahlreiche Vögel sind hier heimisch, darunter seltene Arten, wie der Schwarzspecht. Durch seine überschaubare Größe wirkt der Friedhof familiär und einladend. Es ist ein Friedhof von schlichter Schönheit mit einer Vielzahl künstlerisch gestalteter Grabmale.