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Beschaffenheit und Schutz von Boden


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Über Jahrtausende hinweg entstanden, gewachsen und in stetigem Wandel, sind Böden eine wichtige Lebens- und Gestaltungsgrundlage. Sie zu bewahren und dazu die Funktionen, die Böden erfüllen, nachhaltig zu sichern, bedeutet verantwortungsvoll und zukunftsorientiert zu handeln. Das betrifft auch die Stadtplanung. Gesetzliche Regelungen geben klar die Richtung vor.

Boden zählt zu den kostbarsten Gütern der Menschheit: So beginnt die Europäische Bodencharta aus den Jahr 1972. In ihr hat der Europarat im Jahr 1972 zwölf Richtlinien zum Schutz von Boden zusammengefasst. Um in ihrem Sinn die natürlichen Funktionen von Böden zu erhalten oder wiederherzustellen, setzt in Deutschland seit 1998 das Gesetz zum Schutz vor schädlichen Bodenveränderungen und zur Sanierung von Altlasten (BBodSchG) eine rechtliche Grundlage.

Insbesondere die Nutzung städtischen Bodens unterliegt in diesem Rahmen weiteren Regelungen, unter denen vor allem die Vorschriften zum Umweltschutz des Baugesetzbuchs (§ 1a BauGB) von Bedeutung sind. Sie enthalten die Verpflichtung, mit Boden sparsam und schonend umzugehen sowie die zusätzliche Bebauung von Flächen auf das notwendige Maß zu begrenzen. Eine Aufgabe der Kommunalpolitik ist es daher, verschiedene Ansprüche zur Nutzung von Bodenflächen zu koordinieren und dabei Informationen zu Eigenschaften und Funktionen von Böden gezielt einzusetzen, um
 

  • planerische Entscheidungen unter dem Gesichtspunkt von Bodenbelastungen, Bodenveränderungen und Bodenzerstörung zu beurteilen,
  • zukünftige Nutzungen so festzulegen beziehungsweise zu optimieren, dass die Funktions- und Leistungsfähigkeit der Böden erhalten bleibt
  • bei Nutzungskonflikten aufgrund konkreter Kenntnisse über mögliche Folgewirkungen bodenschützende Entscheidungen herbeizuführen,
  • schutz- und nutzungsbezogene Richtwerte für die Bodenbelastung anzugeben und Grenzwerte für Schadstoffe unter Berücksichtigung ihrer Auswirkungen auf die Böden abzustimmen.

Bodenbildung und Bodeneigenschaften

Ein Boden ist Teil der obersten Erdkruste. Er ist nach unten durch festes und lockeres Gestein, nach oben durch eine Pflanzendecke oder den Luftraum begrenzt. Als Naturkörper bildet und entwickelt sich Boden sehr langsam in einem fortlaufenden und kontinuierlichen Prozess, in dem Verwitterung, Mineralbildung und Zersetzung sowie Gefügebildungen und Verlagerungsprozesse Gestein, Pflanzen und Lebewesen umformen. Eine 30 Zentimeter tiefe Bodenschicht entsteht je nach natürlichen Gegebenheiten in einem Zeitraum von 1.000 bis 10.000 Jahren.

Dadurch ist Boden sehr vielfältig. Er besteht aus unterschiedlichen Mineralen und organischen Stoffen (Humus) sowie aus Lebewesen, Luft und Wasser. Und die physikalischen, chemischen sowie biologischen Eigenschaften des Bodens verändern sich stetig sowohl unter dem Einfluss von Gesteins- und Relief-, Klima- und Vegetationsbedingungen, als auch durch die jeweilige Bodennutzung. In diesem Sinne ist jedes Stück Boden eigen- und einzigartig. Und dieser Vielfalt entsprechen auch die verschiedenen, jeweils für einen Standort typischen Biotope für Pflanzen und Tiere.

Funktionen des Bodens

Mit ihren unterschiedlichen Eigenschaften erfüllen Böden vielfältige Funktionen für das pflanzliche, tierische und menschliche Leben. Insbesondere sind sie regelndes Element der natürlichen Kreisläufe von Wasser, Luft, organischen und mineralischen Stoffen (Boden filtert, reinigt, baut ab und speichert und ist damit ein entscheidendes Glied im ständigen Fluss der Energie und der Stoffe im Ökosystem), Lebensgrundlage und Lebensraum für Menschen und Tiere sowie für Pflanzen und Mikroorganismen, Grundlage für Flächen- und Ressourcennutzung durch den Menschen: in Land- und Forstwirtschaft sowie als Rohstofflieferant (Lehm, Erze, Sand, Kies), als Baugrund oder als Verkehrs- und Erholungsraum, Landschaft, die der Mensch über Jahrtausende hinweg zu einem geschichtlichen und kulturellen Gedächtnis geprägt hat.

Boden in München

Der Boden einer Großstadt wie München ist besonders stark vom Einfluss des Menschen geprägt. Die verschiedenen Nutzungsansprüche stellen ihn zunehmend auf eine harte Probe. Die Folgen sind Bodenverdichtung und -erosion, Schadstoffe im Boden, Bodenüberformung und -versiegelung, so dass der Boden seine ökologischen Funktionen nicht mehr oder nur noch teilweise erfüllen kann. Der Großteil solcher Bodenveränderungen ist unumkehrbar. Das heißt: innerhalb von wenigstens 200 bis 300 Jahren kann sich der Boden weder regenerieren noch sind die Beeinträchtigungen der natürlichen Bodenfunktionen behebbar.

Bodenkunde im Überblick: Münchner Schotterebene

Der größte Teil der Landschaft im Großraum München ist durch die Eiszeiten geprägt, insbesondere durch die jüngste Eiszeit, die Würm-Eiszeit. Durch die Ablagerungen aus dem Schmelzwasser der eiszeitlichen Alpenvorlandgletscher wurde ein fast 50 Kilometer langer und bis zu 40 Kilometer breiter Schotterkörper, die Münchner Schotterebene, aufgeschüttet. Die Schotterschicht ist im Stadtgebiet Münchens zirka 2 bis 20 Meter und in den südlichen Randbereichen der Schotterebene bis zu 100 Meter mächtig. Das Wasser, das nun durch diesen eiszeitlichen Schotter sickert, wird durch eine darunter liegende tonreiche Schicht gestaut. Und da die Schotterschicht nach Norden hin dünner wird, nähert sich der Grundwasserspiegel im Norden des Stadtgebietes der Bodenoberfläche und tritt in den Niedermoorgebieten des Dachauer, Freisinger und Erdinger Mooses zutage. Die Folgen für die Bodenbeschaffenheit sind:

  • Mit der Höhe des Grundwasserspiegels nimmt der Humusgehalt der nach Norden flachgründiger werdenden Böden zu.
  • Mit starkem Grundwassereinfluss entstanden neben Resten von Niedermoorböden (Humusgehalt über 30 Prozent) Übergangsbereiche mit kalkhaltigen Anmoorgleyen (Humusgehalt 15 bis 30 Prozent) sowie sehr humusreichen Böden und Ackerböden als so genannte Pararendzinen (Böden mit bis zu 40 Zentimetern Mächtigkeit).
  • Die Torfflächen der Moore waren einst bis zu fünf Meter mächtig, sie sind aber größtenteils abgetorft und kultiviert. Die stark über das Grundwasser beeinflussten Bodeneinheiten (Gleyen / Niedermoorböden) sind nur bedingt ackerfähig und weisen eine zunehmend schlechtere Ertragsfähigkeit auf.

An verschiedenen Standorten ragen aus dem Schotter der Würm-Eiszeit Altmoränen von früheren Eiszeiten hervor, die von Lössdecken überzogen sind. Den Decklehm (wie Lehm der Ismaninger Lehmzunge) hat man früher zur Ziegelherstellung genutzt. In diesen Bereichen haben sich überwiegend Braunerden und Parabraunerden aus Lösslehm entwickelt. Aufgrund günstiger bodenphysikalischer und bodenchemischer Bedingungen lassen sich diese Löss-Standorte für den Ackerbau vielseitig nutzen. Als Ackerböden im Stadtgebiet sind sie von höchster Qualität. Die teilweise sehr tiefgründigen Böden verschlammen jedoch sehr leicht und sind bei Austrocknung stark erosionsgefährdet.


Im nordwestlichen Großraum München ist der Boden ebenfalls oft nicht durch den Schotter der Würm-Eiszeit bestimmt. In diesem Gebiet haben sich Braunerden aus sandigem Material vor allem dort entwickelt, wo aufgrund der Reliefposition (Steilflanken, Hangkanten usw.) die ansonsten hier anzutreffende Löss- beziehungsweise Lösslehm-Überdeckung fehlt. In den von Löss und Lösslehm beeinflussten Zonen treten häufig Braunerden in unterschiedlichsten Ausprägungen auf. Diese Böden weisen eine für die ackerbauliche Nutzung mittlere bis gute Ertragsfähigkeit auf. 

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