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Historische Stadtentwicklung


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© Michael Nagy, Landeshauptstadt München

Wachstumsphasen und Entwicklungsfaktoren

Die Entwicklung der Stadt München zur heutigen Größe war kein kontinuierlicher Prozess, sondern ein Wechsel von längeren Stillstandsperioden und größeren Wachstumsschüben. Die gegenwärtige Siedlungsstruktur ist darin im Wesentlichen Ergebnis des Zusammenwachsens umliegender Gemeinden mit dem Siedlungsschwerpunkt München, insbesondere im 19. und 20. Jahrhundert.

Die Karten zu den Jahren 1812, 1860, 1935 und 1988 zeigen Stationen auf diesem Weg von der einstigen „königlichen Hauptstadt“ zur heutigen Weltstadt. Die Grenze des Stadtgebietes bis 1854 ist weitgehend identisch mit der seit 1460 nachgewiesenen Burgfriedensgrenze. Jeder Erweiterung der Stadtgrenzen gingen bauliche Verdichtungen, die Bebauung von Freiflächen und Wohnungsknappheit im Stadtgebiet voraus. Die Eingemeindung umliegender Dörfer, die meist schon vorher in ökonomisch-funktionaler Verflechtung zur Stadt standen, ermöglichte die weitere Ausdehnung Münchens.

Die erste große Stadterweiterung

Mit der Gründung Münchens Mitte des 12. Jahrhunderts nahe des Klosters „zu den Munichen“ als Handels- und Marktort an der Isar mit Gewährung des Salzhandelsmonopols an das Bürgertum, war der Grundstein für eine prosperierende Entwicklung gelegt. Infolge dieser Entwicklung kam es Anfang des 14. Jahrhunderts zur ersten großen Stadterweiterung von 15 Hektar auf 91 Hektar Stadtfläche. Die Erweiterung erfolgte kreisförmig um den alten Befestigungsring entlang der Isar-Hochterrassen, ohne jedoch die im Osten angrenzenden Isarniederungen mit ihren Überschwemmungsgebieten einzubeziehen.

Wirtschaftliche Nutzung und Freiflächen im 15. und 16. Jahrhundert

Die weitreichende Bedeutung Münchens als Fernhandelszentrum für Salz und Getreide im 15. und 16. Jahrhundert führte zahlreiche Gewerbe nach München. Vorhandene Freiflächen wurden zunehmend in gewerbliche und in andere intensive wirtschaftliche Nutzungen mit einbezogen. Hauptsächlich die nördlichen Teile der Altstadt blieben zunächst jedoch durch die Freiflächen der Klöster (kleine Gärten, Friedhöfe) und die fürstliche Residenz geprägt. Zu dieser Zeit war München eingebettet in weite Moos-, Moor- und Waldgebiete. Das Bild der Umgebung bestimmten landwirtschaftlich genutzte Flächen und verstreut gelegene bäuerliche Siedlungen.

Bürgerhäuser, Gartenanlagen und Umland im 16., 17. und 18. Jahrhundert

Absolutistische Regenten und Herrschaftsansprüche ab dem 16. Jahrhundert sowie die Bekämpfung der stark vom Bürgertum getragenen Reformationsbewegung veränderten das Stadtbild erheblich. Dem zunehmenden Flächenanspruch für klösterliche Anlagen, die im Zuge der Gegenreformation entstanden, sowie dem wachsenden administrativ, repräsentativ und machtpolitisch begründeten Raumbedarf des Fürstenhofes fielen Hunderte von Bürgerhäusern zum Opfer, deren Grundstücke nun für Bauten und Gartenanlagen benötigt wurden. Für den Bau des Jesuitenkollegs der Alten Akademie und der Michaelskirche riss man beispielsweise rund 50 Bürgerhäuser ab. Dem Karmeliterkloster an der Pacellistraße wichen etwa 20 Gebäude. Und so hatte der Klerus bis 1760 allein innerhalb des Burgfriedens 17 klösterliche Anlagen errichten lassen, die nun 20 bis 25 Prozent des gesamten Stadtgebiets umfassten. Trotzdem war diese Bautätigkeit gegenüber derjenigen im Umland der damaligen Stadt eher noch bescheiden. Denn hier entstand zur gleichen Zeit eine Vielzahl von Schlössern, Klöstern und Kirchen: Schloss Nymphenburg, Schloss Schleißheim, die Michaelskirche in Berg am Laim sowie die Klosterkirche St. Anna im Lehel sind nur einige bekannte Beispiele dafür. Und die Bauarbeiten sowie die verschwenderische Hofhaltung führten auch dazu, dass ein Heer von Tagelöhnern in München zwar Arbeit fand, aber selbst in den umliegenden Dörfern Au und Giesing unter katastrophalen Bedingungen wohnte.

Zuwanderung war eine Hauptursache dafür, vor allem zwischen 1871 und 1900 und aus anderen bayerischen Regionen: Die Industrialisierung war in vollem Gange, und so gab es Viele, die sich im wirtschaftlich starken städtischen Zentrum München, in dem sich auch zunehmend öffentliche Verwaltungsfunktionen konzentrierten, ganz entscheidend bessere Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten erhofften. Aber auch zahlreiche Eingemeindungen, durch die zwischen 1854 und 1932 die Fläche Münchens von 1.652 auf 18.828 Hektar um gut 17.000 Hektar zunahm, spielten in der Einwohnerstatistik eine Rolle.

Siedlungsverdichtung im 18. Jahrhundert

1791 begann man in München, die städtischen Befestigungsanlagen abzutragen. Und die dadurch mögliche Siedlungsentwicklung umfasste ausgehend von den Bereichen direkt an den alten Stadttoren das gesamte Vorfeld der Stadt, insbesondere die Max- und Ludwigs-Vorstadt. Die Karte von 1812 zeigt diese Verdichtung um Münchens historischen Kern: Die am Stadtrand gelegenen Siedlungsbereiche „zerfließen“ in Richtung der umliegenden Orte. Und die nun entlang der Hauptstraßen und der Isar entstehenden Siedlungsbänder zeichnen schon die Eingemeindung der Orte Au, Giesing und Haidhausen Mitte des 19. Jahrhunderts vor, die noch im Jahr 1812 nur eine einzige Brücke über die völlig unregulierte Isar mit der Münchner Altstadt verband.

Der Englische Garten

Ende des 18. Jahrhunderts wurden die ehemaligen Jagdgründe der Wittelsbacher in den Isarauen im Norden der Stadt einer breiteren Bevölkerungsschicht zugänglich gemacht und als „Englischer Garten“ gestaltet. Diese Freifläche (wie zum Beispiel auch der Hirschgarten und der Schlosspark Nymphenburg) blieb zunächst wohl erhalten, da die Landesfürsten das Bedürfnis der Bevölkerung nach Erholung und Naturgenuss erfüllten. Und als grünes Erbe der Vergangenheit ist diese mit 373 Hektar größte innerstädtische Grünfläche in München noch immer ein viel besuchtes und genutztes Freizeit- und Erholungsgebiet.

Wohnungsknappheit und Isarregulierung im 19. Jahrhundert

Die Karte von 1860 zeigt deutlich die in Richtung Schloss Nymphenburg verlaufende und damals geförderte Siedlungsentwicklung. Als Hauptstadt und Regierungssitz des königlichen Bayerns musste München einer Vielzahl administrativer, kultureller, wirtschaftlicher und verkehrstechnischer Anforderungen gerecht werden. Steigende Bodenpreise hatten zudem eine dichtere Bebauung zur Folge. Und so drängten sich insbesondere in äußeren Bereichen der damaligen Stadt, wie etwa in den isarnahen Herbergsvierteln, die weniger wohlhabenden Bevölkerungsschichten unter denkbar schlechten Wohnbedingungen zusammen, während gleichzeitig in den besseren Quartieren der Stadt teure Mietwohnungen leer standen. Zusätzlich verschärften die Isarregulierungen die Wohnungssituation im Bereich des damaligen Stadtgebiets. Denn sie führten zur Aufwertung und Verteuerung von flussnahen Wohngebieten und verdrängten so die ärmere Bevölkerung, die dort bisher gewohnt hatte.

Bevölkerungswachstum im 19. und 20. Jahrhundert

Vor allem ein gewaltiges Bevölkerungswachstum dokumentiert das kartografische Stadtbild dann Anfang der 1930er Jahre. Denn die Siedlungsausdehnung auf der Karte von 1935 ist in erster Linie das Ergebnis davon, dass die Einwohnerzahl der Stadt München von 1871 bis zur Jahrhundertwende von 170.000 auf 500.000 und bis zum Jahr 1933 auf 730.500 anstieg. 

Suburbanisierung und soziale Differenzierung

Die Ausrichtung des Eisenbahnnetzes auf München initiierte zeitgleich mit dem Bevölkerungswachstum im 19. und frühen 20. Jahrhundert eine Entwicklung, die sich mit dem Aufbau des S-Bahn-Netzes noch einmal wiederholen sollte: Die Karte von 1935 zeigt deutlich die Siedlungsschwerpunkte in Münchner Vororten entlang den Bahnstrecken, die eine frühe Form der Suburbanisierung kennzeichnen. Und diese nach außen ausgerichtete Siedlungsentwicklung wies auch damals schon eine klare soziale Differenzierung auf.
Im Norden entstanden Industriegebiete mit den arbeitsplatznahen Wohnstandorten der Arbeiter, im Süden, und vor allem entlang der Isar, in landschaftlich reizvoller Lage dagegen die Wohngebiete des Besitzbürgertums, das dort weitgehend erfolgreich die Ansiedlung von Industrie abwehrte. Gleichzeitig verließ die reiche, adelige und bürgerliche Bevölkerung die Innenstadt immer mehr, und Geschäftsgebäude verdrängten zunehmend die hochwertige, historisch gewachsene Bausubstanz ihrer Wohnhäuser.

Wohnungsbau in den städtischen Randlagen

Aufgrund der steigenden Wohnungsnot wurden in den 1920er Jahren Wohnanlagen mit Gartenhöfen erstellt, in denen der zunehmende Stellenwert von Grün- und Erholungsräumen zum Ausdruck kommt, wie in der Siedlung „Alte Heide“ in Freimann, in der „Borstei“ an der Dachauer Straße, in den Siedlungen „Agricolastraße“ in Laim oder „Hartmannshofen“ an der Allacher Straße.
Den Trend, den Wohnungsbau in den städtischen Randlagen zu intensivieren, führten auch die Nationalsozialisten weiter. Von den städtebaulichen Vorhaben dieser Zeit wurden manche jedoch erst später verwirklicht, wie der Bau von Trabantenstädten, das Ringstraßensystem und einige Trassen für den Schienenverkehr, auf denen mittlerweile U- und S-Bahnstrecken verlaufen. Während der Zeit des Nationalsozialismus gab es darüber hinaus insbesondere im Westen und Osten Münchens zahlreiche Eingemeindungen, die das Stadtgebiet um mehr als 12.000 Hektar erweiterten.

Wiederaufbau nach dem zweiten Weltkrieg

Nach dem zweiten Weltkrieg, in dem 45 Prozent der Bausubstanz der Stadt und 90 Prozent des historischen Stadtbereiches zerstört wurden, galt es, München mit Berücksichtigung der historischen Stadtstruktur wieder aufzubauen. Das bedeutete, flächenintensive Programme für Wohnraum im äußeren Stadtbereich zu verwirklichen, wie in der Parkstadt Bogenhausen oder in den Wohnsiedlung Fürstenried, Olympisches Dorf und Neuperlach. Auch die Gebiete zwischen den Ausfallstraßen standen im Brennpunkt für die Bebauung, so dass sich schon bald das heutige Siedlungsbild abzeichnete.

Wachsende Wohnbevölkerung in den Außenbezirken

Der starke Arbeitsplatzzuwachs, große Wanderungsgewinne, mittlerweile aus der ganzen Bundesrepublik, und gleichzeitig die Verdrängung der ortsansässigen Wohnbevölkerung aus den Umwandlungs- und Modernisierungsgebieten der Innenstadt, führten zu einer weiteren Zunahme der Wohnbevölkerung in den Außenbezirken. Gleichzeitig begünstigte der dadurch erforderliche Ausbau des Straßennetzes und der öffentlichen Verkehrsmittel die Stadtflucht, so dass die Innenstadt immer mehr von Dienstleistungsbetrieben insbesondere aus Handel und Gastronomie bestimmt ist.

Entwicklung der Einwohnerdichte

Während 1950 nur 40 Prozent der Stadtfläche besiedelt waren, stieg dieser Anteil bis 1980 auf 63 Prozent. Trotzdem liegt München mit rund 10.300 Einwohnern pro Quadratkilometer bebauter Fläche in der Einwohnerdichte derzeit bundesweit an zweiter Stelle hinter Frankfurt am Main (rund 10.700 Einwohner pro Quadratkilometer). Denn dabei ist zu berücksichtigen, dass die Stadtfläche von München seit mehr als 40 Jahren nahezu unverändert geblieben ist, während sich das Gebiet der Vergleichsstädte in diesem Zeitraum durch Eingemeindungen zum Teil erheblich vergrößert hat.

Ausblick: Ausdehnung des Ballungsraumes

Seit dem Stadtentwicklungsplan 1975 ist die Verbesserung der Qualität des städtischen Lebensraumes vor der Förderung eines rein quantitativen Wachstums als wichtigstes Ziel der Münchner Stadtentwicklungspolitik gefordert. Trotzdem scheint die weitere Ausdehnung des Ballungsraums München auch durch den unveränderten Wunsch nach Wirtschaftswachstum vorprogrammiert. Die Auflösung der Stadt zur Stadtregion mit einem inneren und einem äußeren Verdichtungsraum wird dabei schon seit Jahren immer deutlicher. Und neue große Siedlungs- und Strukturmaßnahmen am Stadtrand und im Stadtumland haben diese Entwicklung weiter begünstigt; wie zum Beispiel der Bau des Flughafens München II und die Bebauung des ehemaligen Flughafengeländes in München-Riem.